Buch des Monats
Buchtipp Zugvögel: Wild. Ökologisch. Weiblich.
Charlotte McConaghys Debüt „Zugvögel“ ist der Buchtipp des Monats September
Charlotte McConaghys Debüt „Zugvögel“ ist der Buchtipp des Monats September
Foto: Fischer Taschenbuch
F-Signet von Andrea Bartl Fränkischer Tag
Bamberg – Charlotte McConaghys Debüt „Zugvögel“ ist nicht nur beste Unterhaltung, sondern erfindet ganz nebenbei den Seefahrer-Roman neu.

Dieser Roman ist eine Wucht! Stellen Sie sich vor: Sie sind allein in einem Fischkutter auf hoher See. Draußen tobt ein Sturm und jede Riesen-Welle wirft das Boot (und Sie!) völlig ungeschützt hin und her, mit einer Gewalt, dass es fast weh tut.

Protagonistin ist allein auf einem Boot

So wirkt Charlotte McConaghys Roman „Zugvögel“ beim Lesen – und das ist auch Teil seiner Handlung: Die junge Frau Franny ist allein auf einem alten, abgetakelten Fischerboot mitten auf dem Atlantik.

Anfangs sind noch andere Besatzungsmitglieder – alles „kaputte Typen“ – mit an Bord; doch es werden mit der Zeit auf tragische Weise immer weniger.

Die nautischen Geräte fallen aus. Strom und Trinkwasser gehen zur Neige. Stürme lassen das Boot fast auseinanderbrechen. Doch Franny kämpft sich durch. 

Charlotte McConaghy ist eine australische Schriftstellerin

Charlotte McConaghy, eine junge australische Schriftstellerin mit irischen Wurzeln, ist eigentlich Drehbuch-Autorin. Mit „Zugvögel“ (engl. „Migrations“, ersch. 2020) hat sie ihr Prosa-Debüt vorgelegt, das – ganz zu Recht – innerhalb weniger Monate weltweit zum Bestseller wurde.

Roman erfindet Seefahrer-Genre neu

Das Aufregende an diesem Roman ist (neben seiner erzählerischen Kraft und seiner hohen Unterhaltungsqualität), dass er das Genre des Seefahrer-Romans in doppelter Weise neu erfindet: „Zugvögel“ ist ein weiblicher und ein ökologischer Seefahrer-Roman.


Weiblich, weil mit Franny eine atemberaubende und höchst aktuelle Seefahrerin geschaffen wurde. Ökologisch, weil der Roman sehr klug die Klimakrise thematisiert.

Umweltzerstörung ist Thema

Denn was macht Franny eigentlich auf diesem Fischkutter mitten im Atlantik? „Zugvögel“ denkt die gegenwärtige Situation der Umweltzerstörung und des Artensterbens logisch weiter und spielt einige Jahrzehnte in der Zukunft.


Fast sämtliche Tiere sind inzwischen ausgestorben. Es gibt nur noch wenige Vögel, allesamt Zugvögel. Franny folgt ihnen auf ihrem Flug von der Arktis zur Antarktis. Dazu überredet sie eben jene „kaputten Typen“ auf dem ebenso kaputten Fischkutter, sie mitzunehmen. Auch Franny selbst ist so ein Zugvogel.

In Rückblenden erzählt

Der Roman erzählt uns in Rückblenden, dass Franny – aus ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrer frühen Ehe – tiefe Wunden an sich trägt, woraus ihre Suchbewegung und ihre Liebe zu den letzten Zugvögeln resultiert.


Dieser Roman ist wahrlich eine Wucht! Und wer nicht genug davon bekommen mag, kann danach zu dem soeben erschienenen Folge-Roman „Wo die Wölfe sind“ („Once There Were Wolves“) von Charlotte McConaghy greifen.

Buch des Monats September

Charlotte McConaghy: Zugvögel. Roman. Aus dem Englischen von Tanja Handels. Frankfurt a.M.: Fischer 2020. 399 Seiten. Taschenbuch: 12 Euro, E-Book 9,99 Euro.

Das Buch des Monats wird vorgestellt von Andrea Bartl.

 

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