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Freizeit
Der Wildpark soll barrierefrei werden
Viele Wege im Wildpark sind so steil, dass das Schieben eines Kinderwagens sehr anstrengend ist. Für Menschen mit einer Bewegungseinschränkung sind sie kaum passierbar. Deshalb will man Teilstrecken barrierefreier zu machen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Viele Wege im Wildpark sind so steil, dass das Schieben eines Kinderwagens sehr anstrengend ist. Für Menschen mit einer Bewegungseinschränkung sind sie kaum passierbar. Deshalb will man Teilstrecken barrierefreier zu machen. // Pauline Lindner
Signet des Fränkischen Tags von Pauline Lindner
Hundshaupten – Familien mit Kinderwagen haben es nicht immer leicht auf den Wegen im Wildpark Hundshaupten. Das soll sich nun ändern.

Der Wildpark ist ein Anziehungspunkt für Naturliebhaber aus nah und fern. Doch nur für solche, die in ihrer Bewegungsfähigkeit nicht eingeschränkt sind, sind doch bis zu 60 Höhenmeter auf teilweise sehr steilen Wegstrecken zu überwinden: Hinauf aufs Wolfsplateau, einen steilen Taleinschnitt meistern, um auf gleicher Höhe zum Wildplateau zu gelangen.

„Man muss den Kinderwagen ganz schön festhalten“, schilderte Matthias Striebich (Grüne) seine eigenen Erfahrungen während der Debatte des Kreisbauausschusses, wie denn der Wildpark barrierefrei oder zumindest leichter zugänglich gestaltet werden kann.

Sanierungsstau im Wildpark

Kreiskämmerin Carmen Stumpf nimmt sich seit 2015, als der Sanierungsstau im Wildpark offenkundig wurde, der einzelnen Projekte an. Für die barrierefreie Umgestaltung der Wegführungen will sie Zuschüsse (bis zu 80 Prozent) locker machen. Auch die Oberfrankenstiftung will bis zu zehn Prozent dazugeben. Nur so kann der Landkreis ein Vorhaben, das sich nach den vorgestellten Plänen auf rund 8,5 Millionen Euro belaufen wird, stemmen, auch wenn die Realisierung sich über mehrere Jahre hinziehen wird.

Parkleiter Daniel Schäffer und Lisa Winzer haben die vorhandenen Strukturen analysiert und die Strecken mit Handlungsbedarf zusammengestellt. Ein Semester lang haben sich auch Studenten der Hochschule Coburg mit den Möglichkeiten, die Steigungen zu überwinden, intensiv befasst.

Vier Brennpunkte haben sich herauskristallisiert: Selbst beim kleinen Rundgang nur auf halbe Höhe ist hinter dem Weiher ein besonders steiles Stück Weg, auf das man an Fasanen und Uhu vorbei die Rentiere erreicht.

Hierzu stellten Rüdiger Hellmich und Horst Hofmann vom Ingenieurbüro Weyrauther eine Rampenlösung vor, die mit einer Schleife über den Weiher beginnt. Etwa 750 Meter muss das Konstrukt aus Erdbau und Aufständerung werden, denn man benötigt 20 Rampenmeter um einen Höhenmeter zu überwinden. Mit rund 1,5 Millionen Euro sind die Kosten hierfür beziffert.

Hoch zu Wolf und Luchs

Von dort hoch zu Wolf und Luchs sind es 60 Höhenmeter. Hierzu stellte Werner Wechsel von der Firma Hochkant aus Gestratz im Allgäu einen Lösung mit drei Türmen vor. Kostenpunkt: um die 4,7 Millionen Euro. In den türmen überwinden eng geführte Schleifen die Höhendifferenzen.

Gleichzeitig ermöglichen sie eine guten Blick auf die Wildgehege und können für weitere Informationen genutzt werden. So ist angedacht den ersten Turm der Tierwelt Nordeuropas zu widmen. Der zweite dem Thema Höhlen und den dritten, der inmitten der natürlichen Felsen liegen wird, den lokalen Sagen und Mythen. Um die Bauten ins Gelände einzupassen, wurde der Kunstfelsbauer Kai Hammerschmidt aus Wunsiedel mit ins Boot geholt.

Neubauten sollen nicht stören

Er lobte Wechsels Idee als „tolle Lösung für das Inklusionsproblem“. Seine Aufgabe sieht er beim Verschmelzen mit der Landschaft. Die neuen Bauten sollen „reizen, aber nicht stören“. Dieser Bauabschnitt verbinde Hilfe für Geheingeschränkte mit interessanten Aspekten für alle Besucher. Einfühlungsvermögen forderte denn auch Edwin Dippacher (CSU), weil Barrierefreiheit ohne Eingriffe in die Natur äußerst schwierig sei.

Der Wildpark müsse sich seiner Meinung nach anpassen, sein Charakter müsse aber erkennbar bleiben. „Trotz allem muss man weiterhin wegen der Tiere kommen, nicht wegen der Türme“, fasste Werner Wolf (FW) die durchgängige Meinung des Kreisbauausschusses zusammen.

Begehungshilfe und zugleich Attraktion soll eine gekurvte Schrägseil-Hängebrücke werden, die den steilen Taleinschnitt zwischen den zwei Plateaus überwindet. Dies sah besonders Striebich skeptisch, weil „Rauf-runter“ zum Landschaftscharakter der Fränkischen Schweiz gehöre. Ihm wären auch hier Rampenkonstruktionen zur Erleichterung für Menschen mit Handicap lieber.

Stumpf betonte, dass sich die Brücke noch in einem frühen Planungsstadium befinde. Zu den Fördervoraussetzungen gehöre aber auch ein einzigartiges Objekt, ein Alleinstellungsmerkmal.

Striebich und sein Fraktionskollege Christian Kiehr erinnerten noch daran, dass eine bessere ÖPNV-Anbindung und barrierefreie Sanitäreinrichtungen an mehreren Standorten auch nicht beeinträchtigten Menschen entgegenkämen.

Bis auf Hermann Greif (CSU) sprachen sich alle Ausschussmitglieder für das vorgestellte Vorhaben aus. Noch im Juli will Kämmerin Stumpf die Förderanträge stellen.

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