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FT-Exklusivinterview
El Hotzo: Ein Twitterstar aus Heiligenstadt
Sebastian Hotz aus Heiligenstadt ist im Internet unter dem Pseudonym El Hotzo bekannt. Ihm folgen 800.000 Leute bei Instagram.Forchheim & Fränkische Schweiz
Sebastian Hotz aus Heiligenstadt ist im Internet unter dem Pseudonym El Hotzo bekannt. Ihm folgen 800.000 Leute bei Instagram. // Max Sand
Heiligenstadt – Mit lustigen Tweets erreicht El Hotzo Hunderttausende Internetnutzer. Trotz des Berliner Exils hat der 25-Jährige starke Gefühle für seine Heimat.

Sebastian Hotz kommt aus der Fränkischen Schweiz und hat es im Internet unter dem Pseudonym El Hotzo zu großer Bekanntheit geschafft. Mehr als 150.000 Follower bei Twitter und fast 800.000 Abonnenten bei Instagram verfolgen, welche Sprüche er ins Netz schickt. Im Interview mit dem Fränkischen Tag spricht er über seine Heimat, das Gefühl berühmt zu sein und darüber, welches fränkische Bier er am liebsten trinkt.

Servus, wie man in Franken so schön sagt. Und damit direkt zum Thema. Sie sind Franke und deshalb gerade im FT-Interview. Woher kommen Sie genau?

Sebastian Hotz: Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz. Allerdings aus dem Teil, der touristisch nicht so beliebt ist. Es ist ein Ortsteil von Heiligenstadt.

Jetzt wohnen Sie aber in Berlin und haben es zu Berühmtheit geschafft.

Ich tu mir schwer mit dem Begriff „Berühmtheit“. Aber ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Ich werde teilweise schon angesprochen und erkannt. Aber das schränkt mich nicht in meinem Alltag ein. Begonnen hat das exponentielle Wachstum meiner Follower vor gut einem Jahr. Das war unverhofft und unstrategisch. Ich gehe davon aus, dass es daher kommt, dass ich zwei Plattformen, also Instagram und Twitter, bespiele.

 

Und damit verdienen Sie jetzt Geld?

Das ist eine weit verbreitete Fehlannahme. Viel Reichweite bedeutet nicht gleich Reichtum. In den sozialen Medien wird in der Regel mit Werbung Geld verdient. Ich würde mir aber die Glaubwürdigkeit nehmen, wenn ich an einem Tag einen Tweet gegen den Kapitalismus schreibe und am nächsten dann Werbung für ein x-beliebiges Produkt mache.

Okay, dann mal so gefragt: Wenn Sie beim Geburtstag Ihrer Oma ihr und ihren Freundinnen erklären müssten, was Sie beruflich machen, wie würden Sie es erklären?

Exakt diese Frage hat mir meine Mutter schon mal gestellt. Und da habe ich geantwortet, sie soll sagen, dass ich Autor bin. Das klingt so langweilig, da fragt keiner weiter nach. Aber es stimmt auch, denn ich schreibe. Für meine Social-Media-Kanäle, aber auch für andere Seiten, bei denen ich fürs Schreiben bezahlt werde. Außerdem schreibe ich für Fernsehformate.

Da gebe ich mal das Stichwort „Jan Böhmermann“. Sie arbeiten ja auch für die ZDF-Sendung des bekannten Satirikers.

Ja, das stimmt. Ich genieße den Job auch sehr und verbringe einen Teil meiner Zeit damit. Aber ich will nicht, dass das als mein einziges Merkmal gesehen wird. Ich bin dort Teil eines Autorenteams. Es ist eines meiner vielen Projekte, die ich mache.

Sie leben und arbeiten in Berlin, werden aber immer als der Franke vorgestellt. Stört Sie das?

Man hört es mir sehr an, dass ich aus Franken komme. Und das stört mich nicht. Aber es ist für mich kein identitätsstiftendes Merkmal. Ich habe einen Heimatbezug, ja. Aber ich bin nicht lokalpatriotisch oder so. Wenn jetzt jemand sagt, dass ich aus Bayern komme, dann verbessere ich ihn nicht und sage, dass es eigentlich Franken ist.

Was aus der Heimat fehlt Ihnen denn in Berlin?

Berlin besteht ja zur Hälfte aus zugezogenen Süddeutschen, deshalb ist es irgendwie nicht so, als wäre ich wo ganz anders. Aber klar, mir fehlt die Familie. Und jetzt geografisch betrachtet… Mir fehlt die Möglichkeit, einen Berg zu sehen. Dort, wo ich aufgewachsen bin, da waren Berge die Begrenzung des Sichtfeldes. Jetzt sind es Häuserblocks. Es wohnen mittlerweile mehr Menschen in dem Block, in dem ich meine Wohnung habe, als in dem ganzen Dorf, in dem ich früher gelebt habe.

Und kulinarisch betrachtet: Sind Sie ein Verfechter des fränkischen Bieres?

Ich hatte eine schwierige Bierphase. Als ich nach Nürnberg bin, habe ich immer betont, dass das Bier, das es dort gibt, nicht so gut ist wie das aus der Fränkischen Schweiz. Mittlerweile bin ich genügsamer. Aber hier gibt es hauptsächlich Pils oder mal ein Helles. Ich bevorzuge aber Kellerbiere. Die gibt es hier nicht wirklich. Und die muss es auch nicht geben. Ich will nicht, dass es jetzt die fränkischen Biere überall in Berlin zu kaufen gibt. Mein liebstes Bier ist, wenn ich mich festlegen müsste, das Reh-Bier aus Lohndorf. Aber bitte, lasst das in Franken.

Jetzt kommt ein Klischee: Hippe Berliner leben vegan. Gibt’s im Berliner Hause Hotz also kein Schäuferle?

Ich bin nicht vegan, nein. Aber ich lebe schon zu 99 Prozent vegetarisch. Ich will aber niemandem absprechen, Fleisch zu essen.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, wo sehen Sie sich in fünf oder zehn Jahren?

Das ist eine Frage, die mich nachts wachhält. Wohnortmäßig kann ich da noch gar nichts sagen. Meine jetzigen Jobs kann ich von fast überall aus machen. Vielleicht nicht aus der Fränkischen Schweiz, weil es da manchmal noch Probleme mit der Internetverfügbarkeit gibt, aber ob ich da in Berlin, Köln oder Bielefeld lebe, ist eigentlich egal. Aber ich wünsche mir, dass ich mein Geld dann noch immer damit verdienen kann, lustige Dinge zu schreiben und die Menschen zu unterhalten. Wenn sich aber rausstellt, dass das nur eine Phase jetzt war, dann würde für mich auch keine Welt zusammenbrechen. Ich habe ein duales Studium bei Siemens gemacht und könnte sicherlich wieder einen anderen Job finden. Aber jetzt gerade ist meine Arbeit mein Lebensinhalt, aber es ist auch okay, wenn die Arbeit den Lebensinhalt finanziert.

Gibt es noch etwas, das Sie den Lesern in der Heimat mitgeben wollen?

Entfolgt mir, wenn ihr nicht gut findet, was ich mache. Es ist okay für mich, denn nicht jeder muss das gut finden. Ansonsten bin ich einfach gespannt, wie es wird, wenn ich dann mal wieder zu Hause bin und man unter Menschen darf. Vielleicht erkennt mich durch diesen Artikel dann auch jemand in der Heimat. Und wenn nicht, dann ist das auch vollkommen okay.

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