Es sind die eher Stillen im Land, die sich mit Idealismus und Ausdauer einer Sache hingeben, die Freude und Zusammenhalt vermitteln und anderen gerne eine Freude bereiten. Und ab und zu nicht still sind, wenn sie musikalisch an die Öffentlichkeit treten. So einer der „Stillen“ trägt die Initialen HMF. Die Harmonika-Musikfreunde Forchheim sehen mit berechtigtem Stolz auf 50 Jahre Bestehen zurück und schmückten ihr Jubiläum in der voll besetzten Eggerbachhalle in Eggolsheim mit einem Herbstkonzert.
Es präsentierten sich alle drei Musiziergruppen, das Akkordeonorchester, der Junge Chor Genial Vocal und das Akkordeon-Ensemble. Dazu waren als „Achtzylinder“ die Männer vom Hans Kobl-Oktett aus Regensburg eingeladen. Eine A capella-Formation, die von Thomas Übelacker, einem ehemaligen HMF-Mitglied, geleitet wird. Begrüßt wurden vom Vorsitzenden Horst Hallmann der Bezirksvorsitzende des Deutschen Harmonika-Verbandes, Erik Popp, der Leiter des Kulturamtes Forchheim, Lorenz Deutsch, Stadtrat Thomas Werner und der Vorsitzende der Rhythmischen Harmonika, Michael Kredel. Musikalische Freunde und Wegbegleiter, wie Hallmann ausdrücklich bemerkte.
Moderation des Abends ist unverstellt fränkisch
Es kommt wohl selten vor, dass einem Moderator die Worte so über die Zunge gehen, wie sie ihm gewachsen ist, nämlich unverstellt fränkisch. Aber damit hatte Hallmann sofort den familiären Geist aufgerufen, der die Harmonika-Musik-Freunde von Anfang an prägte und die Gemeinschaft 50 Jahre am Leben erhielt. Wobei er nicht verhehlte, dass es – wie bei vielen Vereinen – an Nachwuchs mangelt.
Die meisten Mitglieder im Orchester sind über 70, Waltraud Kraus, Otto Roppelt, Siegfried Cejpekt, Peter Wolf und Dirigent Reinhard Gojowsky von Anfang an dabei. Die Älteste, Renate Dotterweich, feierte an diesem Tag ihren 81. Geburtstag, was der Vorsitzende mit der Überreichung von Blumen würdigte. Zu erwähnen auch Werner Wagner, populär in Forchheim als „der Baggers“, der schon 70 Jahre musiziert und vorne links vom Dirigenten als Stimmführer eine Säule des Orchesters ist. Aber immerhin senkt die Chorgemeinschaft aus jungen Frauen und Männern den Altersdurchschnitt.
Eine große Bilderwand dokumentierte das Vereinsleben. Begründet wurde es durch junge Akkordeonspieler, die unter den heute legendären Lehrern Kurt Leonhard und Herbert Bartl Unterricht hatten und beschlossen, das Erlernte in einem Verein und bei Konzerten weiterzutragen. 1976 bildete sich dann ein Chor vorwiegend aus Frauen, die Horst Roske, damals auch Dirigent des Fränkischen Landesorchesters, zu einem beachtlichen Niveau brachte. In der Blütezeit hatten die HMF über 200 Mitglieder und verfügten dabei über ein Jugendorchester, eine Volksmusikgruppe und sogar ein Mundharmonika-Trio.
Langjähriger Dirigent Reinhard Gojowski geehrt
Horst Hallmann betonte in seiner Rückschau, dass das Orchester von Anfang an ein Teil der städtischen Stadtparkserenade und jetzt der Stadtbadserenade ist. Man spielte viele Jahre auf dem Rathausplatz für das Müttergenesungswerk und war Botschafter in den Partnerstädten Le Perreux/Paris, Roppen/Tirol und Berlin-Wilmersdorf.
Unter dem Beifall des Publikums dankte er Reinhard Gojowski, der von Anfang an als Dirigent die Fäden in der Hand hält. Die Anerkennungsurkunde für 50 Jahre überreichte Erik Popp an den Vereinsvorsitzenden, und mit einer Urkunde ehrte er Reinhard Schwarz, der bis zu seiner Erkrankung das Ensemble leitete und als aktiver Unterhaltungsmusiker die Faschingsbälle des Vereins inszenierte.
Buntes Programm begeistert das Publikum
Bei der Programmgestaltung schöpften die Harmonika-Musikfreunde aus dem Vollen. Vor allem im zweiten Teil ließ es mit Film-Klassikern von Ennio Morricone und der West-Side-Story aufhorchen. Das Akkordeon-Ensemble unter der Leitung von Thomas Jüttner fühlte sich in Andalusien, Israel mit orientalischen Anklängen (Klarinette Anna Jüttner) und Irland gut zuhause. Lena Samel (Leitung) und Lea Haus (Klavier) führten den engagiert auftretenden Jungen Chor sicher durch die Herausforderungen populärer Lieder aus der Welt der Popmusik. Die acht Männer in schwarzem Anzug und Zylinder ließen vor allem die große Zeit der Comedian Harmonists aufleben, und der Schlager „Es wird in 100 Jahren wieder Frühling sein“ war für den feiernden Verein wie eine Aufforderung, den Frühling ihrer Aktivitäten bis dahin fortleben zu lassen.
Lesen Sie auch:













