Doris und Reinhold Lützelberger hängen ihr Geschäft an den Nagel. Ob und wie die Lücke neben der Schießbude und Schiffschaukel ihres Bruders Marco in der „Lützelberger-Kurve“ im Forchheimer Kellerwald im kommenden Jahr geschlossen wird, bleibt den Geschwistern zufolge noch offen.
Doris Lützelberger nutzt eine kurze Kaffeepause in der Ruhezone hinter ihrer Süßwarenbude auf dem Annafest, um durchzuschnaufen. Nach wenigen Sätzen spürt man die beiden Herzen, die in ihr schlagen: „Mein Mann und ich haben uns zu diesem Entschluss durchgerungen. Es ist die berühmte Situation mit dem lachenden und weinenden Auge, die uns auch beide betrifft.“
Lange Tage
Über all die Jahre hätten sich nicht nur am Annafest und den Kirchweihen viele liebe Bekanntschaften und herzliche Freundschaften ergeben, sagt die inzwischen 60-Jährige, die schon als Baby im Wagen ihrer Eltern Werner und Angelika im Kellerwald dabei war: „Diese Treffen mit den liebgewonnenen Menschen werden uns sicher sehr fehlen. Auf der anderen Seite sehen wir uns am Ende jenes Weges, um den immensen Stress, den eine Jahressaison mit sich bringt, übers ganze Jahr kräftemäßig durchzuhalten.“
Der Tagesablauf am Annafest beginnt nicht erst um 11 Uhr, da schon zuvor die Nassreinigung der Bude und Verkaufstheke auf dem Plan steht. Zudem müssen die Auslagen mit Mandeln und Nüssen sowie Süßigkeiten nachgefüllt werden. „Unser Arbeitstag endet auch nicht pünktlich zum eigentlichen Ende um 23 Uhr. Nach zwölf Stunden, hauptsächlich stehend, muss unser Standplatz vorgereinigt sein.“ Der Kaffee ist leer, die kurze Pause ist vorbei, Doris steht wieder im Wagen und bedient Kunden.
Historie der Dynastie Lützelberger
Die Schaustellerfamilie Lützelberger entstammt den Zweigen Kreppner aus Fürth und Kramer aus Buttenheim. Von Familie Kreppner sind ab 1919 erste verbriefte Eintragungen zu finden zu Buden auf Jahrmärkten, die die Familie als Schausteller auswies. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die junge Familie vor dem Nichts. Mit viel Mühe entstand 1945 die erste Schießbude, mit zwei Gewehren, die im Krieg versteckt wurden.
Mit dem ersten Wohnwagen und der Schiffschaukel, die 1948 den Fuhrpark erweiterten, waren die Kramers ab 1950 am Annafest vertreten. Berta Kramer wurde 1956 sogar Schützenkönigin im Kellerwald. Die Mädchen Hanne und Angelika besuchten im Winter eine Schule in Nürnberg und in den Sommermonaten die Schulen der Orte, in denen sie Station machten.
Fuhrpark vergrößert
1960 lernte Angelika ihren Ehemann Werner Lützelberger auf der Kirchweih in Burk kennen. Um für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen zu können, bekam die Jungfamilie als Mitgift die Schießbude, einen kleinen Wohnwagen und einen Lanz-Bulldog geschenkt. Der Fuhrpark wurde in den Folgejahren um stärkere Zugfahrzeuge, einen Spielwarenwagen, neue Wohnwagen und die Schiffschaukel vergrößert.
Nach Ende ihrer Schulzeit begann Doris im Schaustellergeschäft der Eltern. Ihr späterer Ehemann Reinhold Lützelberger, geborener Kahla, unterstützte den Familienbetrieb nach seinem Job. Als die Töchter Nadja (1982) und Christina (1985) geboren waren, stieg er Vollzeit ganz mit ein. Beide übernahmen 1986 das Karussell und den fertiggestellten Mandelwagen. Ebenso trat Bruder Marco nach Schulende ins Schaustellerleben ein und heiratete 1996 seine jetzige Frau Manuela Grötsch.
Im Jahr darauf wurden die Geschäfte unter den beiden Geschwistern aufgeteilt und zuvor schon wurde die Saison um den Forchheimer Weihnachtsmarkt erweitert. Durch das frühere Bobbycar-Rennen kam es zum Namen „Lützelberger-Kurve“, in der die drei Geschäfte schon lange stehen.
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