Während andere feuchtfröhlich auf dem Annafest feiern, bleiben Markus Walz und Robert Engel nüchtern. Trotzdem verbringen die beiden nahezu jeden Tag auf Forchheims wohl bekanntestem Volksfest auf dem Kellerwald. Und das nicht zum ersten Mal: Sie gehören zum Sicherheitsteam des SDN, das heuer zum zehnten Mal sein Bestes gibt, damit alle anderen feiern können.
Dienstbeginn für die beiden am Montag ist um 17.45 Uhr mit einer Besprechung. In dieser stimmt SDN-Chef Lars Müller seine Leute auf das ein, was sie an diesem Abend erwartet. „Zunächst möchte ich euch ein ganz großes Lob von der Polizei überbringen“, erklärt er. Die Zusammenarbeit habe bislang sehr gut funktioniert. Daran gelte es nun anzuknüpfen. Hierfür sei der Kellerwald wie gewohnt in drei Ebenen unterteilt. Einsatzleiter der obersten Ebene, die vom Schützenkeller bis zum Schlössla-Keller reicht, ist Engel. Ihm unterstellt sind an diesem Tag insgesamt etwa 18 Personen, die teils von festen Posten, aber auch als Streifen das Gelände im Auge behalten.
Ruhiger Dienst erwartet
„Verboten auf dem Gelände sind Waffen, Pyrotechnik und Drogen“, fährt der Chef fort. Selbst mitgebrachte Getränke seien erlaubt, sofern sie keinen Alkohol enthalten. „Tests finden selbstverständlich nur über den Geruchssinn statt“, betont Müller. Schließlich solle das Team bis Schichtende einsatzfähig bleiben. Promis oder besondere Veranstaltungen seien nicht angemeldet. Der Dienst dürfe folglich ruhig bleiben.
„Wenn die Sanis ausrücken, werden sie von uns begleitet“, erklärt er. Leider würde es bekanntlich immer wieder zu Übergriffen auf Helfer kommen. „Funksprüche müssen immer bestätigt werden“, mahnt er. Sonst schicke er noch Leute zu einer Auseinandersetzung, die längst geklärt ist. Von einer Auseinandersetzung spreche man übrigens, wenn es nur zwei Beteiligte gebe. Ab drei oder mehr handle es sich um eine Schlägerei.
Auf Streife
Nach dieser Einweisung geht gegen 18 Uhr die Streife für Walz und Engel los. „Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick über meinen Bereich“, erklärt der Einsatzleiter der oberen Ebene. Hierfür steuert er gezielt jeden Keller an und spricht mit dem Personal. Auf dem Weg wird er immer wieder von Leuten angehalten und freundlich gegrüßt. „Man kennt sich“, scherzt Walz. Aus diesem Grund dauert es auch einige Zeit, bis die beiden ihre erste Runde durch ihr Revier abschließen können.
„Das Annafest ist für mich ein Heimspiel“, berichtet der Einsatzleiter. Gut 80 Prozent der Leute hier würden ihn inzwischen kennen und das Verhältnis zu Gästen und Wirten sei gut. Wohl auch aus diesem Grund habe er selbst beim Annafest bislang noch keine ernsthaften Verletzungen davongetragen. „Als Sicherheitsmann muss man nicht besonders stark sein“, betont er. „Viel wichtiger ist ein höfliches und hilfsbereites Auftreten.“ So deeskaliere man Situationen.
Unwetterwarnung kommt rein
Nach der ersten Runde geht es gegen 19 Uhr zurück in die Einsatzzentrale - zur kurzen Zwischenbesprechung. „Wir haben derzeit Unwetterwarnung“, berichtet Müller. Alle Teams und die Bands müssen informiert werden. Im Ernstfall würde der Krisenstab der Stadt das Kommando übernehmen. So weit kommt es glücklicherweise nicht: Gegen 19.50 Uhr gibt es Entwarnung. Dass im Hintergrund schon Vorbereitungen für eine Evakuierung angelaufen sind, bekommt das Feiervolk nicht mit.
Walz und Engel machen zu diesem Zeitpunkt Pause. Hierfür legen sie ihre Westen ab. „Das ist ein Signal an die Besucher“, erklärt Engel. Selbstverständlich dürften auch Sicherheitsmitarbeiter mal eine Pause machen, um eine zu rauchen oder etwas zu trinken. Alkohol sei dabei selbstverständlich tabu – auch Bier.
Kein Alkohol im Dienst
Für Walz ist das kein Problem. „Ich trinke bestenfalls daheim mal ein Gläschen, wenn ich nicht mehr fahren muss“, berichtet der 48-Jährige. Sein Einsatzleiter trinkt überhaupt nicht. „Ich habe sieben Kinder, die auf mich angewiesen sind“, berichtet er. Seine Frau unterstütze ihn bei der Tätigkeit. Außerdem habe er in jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Trotzdem sei er gerne auf dem Annafest und sorge für Sicherheit.
Tatsächlich sei das Sicherheitsgewerbe für ihn – obwohl er für den SDN im Raum Forchheim die Bereichsleitung übernehme – nur ein Nebenerwerb, den er am Wochenende ausübe. Für das Annafest habe er die ganze Woche frei.
Team breit aufgestellt
„Das ist in der Branche nicht unüblich“, bestätigt Lars Müller. Viele seiner rund 200 Mitarbeiter würden bei ihm als Zweitjob anheuern. „Ich beschäftige bei mir Bürokaufleute, Bänker, Lagerarbeiter und Altenpfleger“, berichtet er. Manche suchten Abwechslung von ihrem sonst eher eintönigen Berufsalltag, andere würden die Gelegenheit nutzen, um Geld für den Urlaub zu sammeln.
Ähnlich wie im Sanitätsdienst gebe es auch im Sicherheitsdienst unterschiedliche Qualifikationsstufen. Um für die Sicherheit auf Veranstaltungen infrage zu kommen, müssten Mitarbeiter mindestens über eine Sicherheitsunterweisung verfügen. Der SDN-Chef bevorzuge bei seinen eigenen Leuten aber eine abgeschlossene Sachkundeprüfung. Zudem sei eine Ersthelferausbildung beim SDN Pflicht. Er beschäftige aber auch ausgebildete Personenschützer und Detektive.
Irgendwas passiert immer
Wie erwartet, entpuppt sich der restliche Abend für die Sicherheitsleute als eher ruhig. „Das ist unter der Woche normal“, betont Engel. Kurz vor Dienstende wird es dann doch noch hektisch: Eine Frau stürzt, schlägt sich den Kopf an und ist desorientiert. Die Sicherheitsmitarbeiter sperren sofort den Unfallort ab und rufen den Rettungsdienst. „Wenn die Musik ausgeht, passiert immer was“, erklärt Engel. Zum Glück sei es diesmal keine Schlägerei gewesen.
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