Handgeflochtene Girlanden, über 10.000 Eier – der „größte Osterbrunnen der Welt“ in Bieberbach ist auch in diesem Jahr wieder ein Hingucker. Doch auch in unzähligen anderen Orten in der Fränkischen Schweiz erstrahlen die Brunnen bereits in vielen kunterbunten Farben. Rund 200 Osterbrunnen sind bei der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz erfasst.
Die Tradition lockt jedes Jahr viele Besucher aus nah und fern in die Region. „Mit dem Brauch des Schmückens der Osterbrunnen fängt bei uns die Saison an“, erklärt Matthias Helldörfer, Leiter der Tourismuszentrale. Wenn alles grün wird und das Wetter langsam wärmer, ziehe es die Menschen nach draußen. Da seien die Osterbrunnen ein schöner Anlass für eine Wanderung, eine Radtour oder eine Busrundfahrt.
Fränkische Schweiz: Osterbrunnen locken überregional Besucher an
Verschiedene Anbieter bieten Bustouren durch die Fränkische Schweiz zu den Osterbrunnen an. Hier geht das Angebot von Tagesausflügen ab Forchheim oder anderen Orten in der Region bis zu mehrtägigen Busreisen aus anderen Bundesländern. Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz bietet selbst auch zwei Bustouren an. Eine am Wochenende vor Ostern, eine die Woche danach. In der Regel sind die Osterbrunnen eine Woche vor und zwei Wochen nach Ostern geschmückt.
Die Osterbrunnen, die ihren Ursprung in der Region haben, ziehen nicht nur Tagesausflügler an. Sie erfreuen sich laut Helldörfer auch großer überregionaler Beliebtheit. Der Einzugsradius sei groß, viele Besucher würden beispielsweise aus den angrenzenden Bundesländern kommen, um die Brunnen zu bestaunen.
Besuchermagnet: Osterbrunnen und Kirschblüte in der Fränkischen Schweiz
Vor allem das Wetter spiele eine große Rolle, so Helldörfer. „Wenn das Wetter schön ist rund um Ostern, spürt man eine verstärkte Nachfrage“. Dieses Jahr sei Ostern sehr spät und falle mit der Kirschblüte zusammen. Diese Kombination sei ein großer Besuchermagnet, erklärt Helldörfer. „Dann ist wirklich was los.“
Auch die Vereine, die die Brunnen schmücken, spüren das Interesse der Touristen. Der Osterbrunnen in Muggendorf wird schon seit über 50 Jahren vom Trachtenverein D'Wiesenttaler in fränkischer Tracht geschmückt. Robert Zehntner ist Vorsitzender des Vereins. Früher sei der Brunnen immer am Ostersamstag geschmückt worden, erinnert sich Zehntner.
Inzwischen hat der Verein die Aktion auf den Palmsonntag vorverlegt. Ein Grund sei, dass immer mehr Busunternehmer anfragen würden, wann der Brunnen geschmückt werde. Aus Sicht des Vorsitzenden nicht weiter dramatisch: „Eigentlich ist es egal, wann.“
Osterbrunnen: Brauchtum und Tourismus im Wandel
Was sich auch verändert habe, sei die Art, wie die Besucher den Brunnen betrachten würden. Früher hätten die Busse am Marktplatz gehalten, man sei ausgestiegen, einige hätten Fotos mit ihren Fotoapparaten gemacht. Heute würden manche Gäste einfach nur schnell mit dem Smartphone aus dem Busfenster heraus fotografieren.
Zehntner beobachtet auch, wie sich das Brauchtum von seiner Wiege in der Fränkischen Schweiz verbreitet. Inzwischen gebe es auch in der Oberpfalz oder sogar in anderen Bundesländern Osterbrunnen im gleichen Stil. Grundsätzlich findet er es gut, dass der Brauch lebt und sich weiterentwickelt. Was allerdings doch etwas wegführe vom Ursprung sei, wenn nicht nur Brunnen, sondern auch alles Mögliche, wie Brücken, geschmückt würden.
Osterbrunnen: Tipps für Besucher
Mit der Kombination aus Osterbrunnen und Kirschblüte wird es am Osterwochenende viele Besucher in die Fränkische Schweiz ziehen. Um dem Andrang etwas zu entgehen, rät Helldörfer, bei den Osterbrunnen nicht nur die „Hotspots“ anzusteuern, sondern auch kleineren Brunnen einen Besuch abzustatten.
Inspiration für alternative Osterziele liefert unter anderem die Bildergalerie mit 20 wunderschönen größeren und kleineren Brunnen:
Wer dennoch zum Beispiel den großen Brunnen in Bieberbach sehen möchte, könne das am besten schon möglichst früh am Morgen tun. Der Besuch der Brunnen lasse sich außerdem ideal mit einer Wanderung oder einem Kellerbesuch kombinieren.
Besucher sollten die Eier an den Osterbrunnen möglichst nur anschauen und nicht anfassen, appelliert Robert Zehntner, denn das gehe im Zweifelsfall auf Kosten der Eier. Manchmal würden Besucher sich fragen, ob die Eier tatsächlich alle echt sind und deshalb auf die Eier drücken. Ein Plastikei überstehe das, aber ein echtes Ei eben nicht.
Kirschenweg Pretzfeld: Alternativen und Anreise
Da das Kirschenbarometer der Tourismuszentrale auf „Blüte“ steht, ist auch rund um Pretzfeld mit vielen Besuchern zu rechnen. Dort lockt der Kirschenweg in der Regel viele Wanderer an. Alternativ gibt es auch rund um das Walberla in den Gemeinden Kirchehrenbach, Leutenbach, Wiesenthau und Kunreuth Kirschblüten zu bewundern.
Wer mit dem Auto kommt, sollte unbedingt nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen parken, ansonsten droht ein Strafzettel. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei an nur einem Wochenende fast hundert Knöllchen verteilt. Helldörfer empfiehlt, auch den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Besucher könnten zum Beispiel in Forchheim oder Ebermannstadt parken und mit dem Zug nach Pretzfeld fahren.
An Wochenenden und Feiertagen ist der Andrang besonders groß. Wer die Möglichkeit hat, sollte überlegen, ob ein Ausflug auch unter der Woche möglich wäre.

















