Ein besonderes Highlight in der Fränkischen Schweiz ist das Schmücken des Osterbrunnens in Muggendorf. Seit weit über 50 Jahren wird der Brunnen aus dem 19. Jahrhundert am Marktplatz vom Trachtenverein D'Wiesenttaler in fränkischer Tracht geschmückt. Anfänglich am Ostersamstag früh, dann am Karfreitag, wird nun am Sonntag vor Ostern geschmückt.
„Der Druck der Touris wird immer schlimmer“, sagt Robert Zehntner, der Vorsitzende des Vereins. Aus ganz Deutschland kommen die Touristen, viele mit organisierten Busreisen – Aussteigen sei mittlerweile bei vielen Fehlanzeige. Vom Busfenster aus wird fotografiert und weiter geht’s zum nächsten Osterbrunnen. Wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in jedem einzelnen, von Hand bemaltem Ei steckt, ist so kaum auszumachen.
Osterbrunnen Fränkische Schweiz: Tradition und Symbolik
Wie die Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz erläutert, liegt das besondere Augenmerk beim Muggendorfer Brunnen in der Symbolik und Tradition. Reisigbesen aus vergangener Zeit wurden früher zur Brunnenreinigung und danach als Schmuck, mit bunten Bändern versehen am Brunnen aufgestellt. Nachdem man den Brunnen gereinigt hatte, wurde an die Spitze der Brunnensäule ein Fichtenstämmchen befestigt, so wussten die Bürger, dass der Brunnen frisch gesäubert ist und man dort wieder Wasser holen konnte. Diese Schmückung wurde wieder mit aufgenommen. So wird an diesem besonderen Brunnen Tradition, Brauchtum und Moderne gezeigt.
Sylvia Simon aus Fürth beobachtet zusammen mit ihrer Mutter Ilse Mayer beim Schmücken das Treiben am Brunnen in Muggendorf. An dessen Pumpsäule sind in der Mitte vier Wasserhähne befestigt, sodass mehrere Menschen gleichzeitig Wasser entnehmen konnten. Die beiden haben Verwandtschaft unter den Helfern und versuchen deshalb jedes Jahr mit dabei zu sein.
Verein mit fränkischer Tracht
Die fränkische Tracht lassen sich die Vereinsmitglieder von speziellen Schneiderinnen und Schneidern nähen, greifen auf alte Stücke aus der Familie zurück, oder besuchen Trachtennähkurse im nahegelegenen Morschreuth, wie Zehntner erläutert.
Die Frauen tragen weiße Blusen, Röcke in verschiedenen Farben und Schürzen zu weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen. Über der Bluse wird ein bunt bedrucktes Tuch mit wunderschönen Blumenmotiven getragen. Komplettiert wird die Tracht bei einigen mit der entsprechenden Kopfbedeckung – der Bänderhaube oder dem Schlotfeger, einem gebundenen Tuch
Die Männer tragen Dreispitz
Die Männer sind einheitlich in weißen Hemden mit rot-schwarzer Weste, schwarzen Kniebundhosen, weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen gekleidet. Auf den Köpfen thront ein sogenannter Dreispitz.
Viele Eier müssen jedes Jahr ersetzt werden, weil die Besucher testen möchten, ob es sich um echte Eier handelt und der Versuch bei tatsächlich echten Eiern leider zum Bruch führt. Aufgrund dessen setzen mittlerweile nicht nur die Muggendorfer zum Teil auch auf Kunststoffeier.
Das Grün für den Osterbrunnenschmuck haben D'Wiesenttaler dieses Jahr glücklicherweise von einer Privatperson bekommen. „Wir haben wahnsinnig viele Wälder, aber es ist trotzdem jedes Jahr schwierig, an genügend Grün zu kommen“, erklärt Robert Zehntner seine Freude darüber.
Unterwegs zu den Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz
Anja und Adrian Schlaug aus Burgebrach sind spontan vorbeigekommen, um beim Schmücken zuzusehen. Die beiden interessieren sich für die fränkische Tracht und haben sich schon einige Osterbrunnen angesehen. Vor allem Anja Schlaug erinnert sich gerne an frühere Fahrten mit ihren Eltern, bei denen sie zur Osterzeit unzählige Brunnen in der Fränkischen Schweiz besichtigt haben. „Das ist eine schöne Kindheitserinnerung“, wie sie schwärmt.














