„Stadtjubiläum 700 Jahre Ebermannstadt“ – das Logo für die Jubiläumsfeier führt manchen zu der irrigen Annahme, die ehemalige Kreisstadt würde heuer 700 Jahre alt. Nein! Das sind nur die sieben Jahrhunderte, seit denen der Ort vom Dorf zur Stadt erhoben wurde.
In Wirklichkeit ist Ebermannstadt fast doppelt so alt. Als das Römische Weltreich unterging und die Hunnen vom Osten her einfielen, suchten die germanischen Stämme neue Wohnstätten, gingen bis Mitte des sechsten Jahrhunderts auf Wanderschaft, bis sich langsam neue Herrschaftsstrukturen ausbildeten. Aus dem Dunkel der Geschichte traten Adelsgeschlechter hervor, die Besitz nahmen von Grund und Boden in unserer Region.
Ein Gedicht zum Jubiläumsfest
Die historische Landnahme hielt Christoph Beck (1874 bis 1939) vor Hundert Jahren in der damaligen Festschrift zum 600. Stadtjubiläum in Versform fest: „Am Wiesentstrande kehrten ein, die Leute vom Thüringerlande, die stolzen Franken von Rhein und Main, die Bayern vom Donaustrande. Dazu ein Völkchen vom Böhmerwald, die Wenden mit fremder Sitte, sie machten an der Wiesent halt, zu wohnen in ihrer Mitte. Herr Ebermar mit seiner Schar, wohl aus dem Bayernlande, den ersten Grundstein legt fürwahr zur Stadt am Wiesentstrande.“
Über diesen Ebermar, der Namensgeber für den Ort war, wissen wir so gut wie gar nichts. Ruprecht Konrad vermutete 1981, dass er zu einem namhaften Sippenverband der „karolingischen Reichsaristokratie“ gehörte, auf den in Oberfranken auch Ortsnamen wie die von Eggolsheim und Amlingstadt zurückgehen. Vermutlich hat er also zum obersten Dienstadel gehört, der vom König Land und Leute als Lehen – also zur Leihe – erhielt und ihm dafür zu Diensten sein musste: sowohl mit der Waffe als auch in der Verwaltung.
Ersterwähnung Ebermannstadts im Jahr 981
Schriftlich taucht der Ortsname erstmals als „ebermarestad“ in einer Urkunde vom 30. März 981 auf, die in Rom ausgestellt und vom damaligen Kaiser Otto II. (955-983) bestätigt wurde. Sie ist nicht mehr im Original erhalten, sondern nur in einer Abschrift aus dem Jahr 1293. In Latein heißt es darin, dass ein Adliger namens Razo dem Kloster St. Peter in Aschaffenburg die „Stätte des Ebermars“ schenkt, der Kaiser die dort Wohnenden aus der Gerichtsbarkeit weltlicher Grafen befreit und sie ausschließlich dem Abt des Klosters St. Peter unterstellt.
Ein solches Vorrecht, so interpretierte 1973 Hans Max von Aufsess in seiner Festrede zum 650. Stadtjubiläum humorig, habe nicht einmal Bamberg erhalten; denn nach moderner Lesart hieße das: Für „euch, liebe Ebermannstädter, ist künftig weder ein Landrat in Ebermannstadt, Forchheim, Bamberg, Bayreuth, Pegnitz oder wo auch immer noch eine Regierung, ein Gericht oder ein Finanzamt in Oberfranken oder München zuständig. Ihr braucht euch um keinen Deut mehr um diese lästigen Gebietsherren scheren. Ihr genießt vielmehr ab 981 in eurer nachbarlichen Umgebung absolute Immunität, das heißt Unantastbarkeit.“
Der Name wandelt sich
Seitdem hat sich die Schreibweise des Ortsnamens immer wieder geändert von „Ebermarestad“ (981) über „Ebermanstat“ in der Urkunde von 1323 zur Stadterhebung hin zum heutigen „Ebermannstadt“. Das taucht so erstmals im Jahr 1740 in einem Schreiben des Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim auf.
Die Orts- und Namensgeschichte lässt sich bildhaft schon aus dem ältesten Siegel der Stadt ablesen. Es enthält seit dem 14. Jahrhundert die kennzeichnenden Merkmale für das heutige Stadtwappen: Königshaupt, Schlüssel und Eber. Sie stehen für Kaiser Ludwig den Bayern (1314 bis 1347), der dem Schlüsselberger Grafen Konrad II. für Ebermannstadt 1323 die Stadtrechte verliehen hat, und den vermutlichen Ortsgründer Ebermar. Bleibt noch der Ortsneckname für die „Ermasteta“ (auch „Ärmaschdooder“) als „Hungerleider“.
Herkunft des bissigen Spitznamens
Es gibt zwei Versionen über die Herkunft des Spottnamens: Christoph Beck hat sie beide 1926 im Dialekt festgehalten: „As haßt, die Ermasteta hittn amol, wis Kerwa ghatt ham, an Bedlmo nex zessen gebm, daß a vahuat is. Su wos, o da Kerwa, wu da größt Geizhols an arma Menschn was gätt! Des is nu net do gwen, habm do die annan Örta, wi sis dafoarn habm, räsanniert und to, wenn's gleich an net vill bessa gwen sen. Des sen doch rechta Hualeida, die Ermasteta!“ Hochdeutsch: Es heißt, die Ebermannstadter haben einmal während ihrer Kirchweih einem Bettler nichts zu essen gegeben, so dass er verhungert ist. So etwas an einer Kirchweih, bei der der größte Geizhals einem armen Menschen etwas gibt − das hatte es noch nicht gegeben, sagten die anderen Orte, nachdem sie davon erfahren hatten − obwohl sie selbst nicht viel besser waren, stellten sie fest: Das sind doch richtige Hungerleider, die Ebermannstadter!
Die zweite Legende zum Spottnamen
Die andere Version geht auf den Dreißigjährigen Krieg zurück. Angeblich habe da der Geiz der Ebermannstadter Hungerleider sogar die Schweden davon abgehalten, die Stadt zu stürmen. Als sie wegen der Gefahr, bei der Erstürmung der Stadt von den wackligen Mauern erschlagen zu werden, überlegten, es mit Aushungern zu probieren, soll ein Hauptmann mit den Worten Christoph Becks gesagt haben: „Des ist widda nex, wenn’s do drauf okünt, noch vahuan die Schwedn era wie di Ermasteta, wall di s Hualeidn bessa vasten.“ Hochdeutsch: Das ist wieder nichts, wenn es darauf ankommt, dann verhungern die Schweden noch vor den Ebermannstadtern, weil die das Hungerleiden gewohnt sind.
Die erste Version hat Erich Arneth dann 1973 nach der Erzählung von Karl Theiler, dem volkstümlichen Bürgermeister (von 1972 bis 1990), noch ausgebaut und den Bettelmann zu einem Handwerksburschen gemacht. Der soll wegen des Diebstahls einer Gans ins Gefängnis geworfen worden und – weil in Ebermannstadt gerade Kerwa war – hier drei Tage lang vergessen worden und verhungert sein. Um das schändliche Versäumnis zu vertuschen, riet einer angeblich: „Steckt ihm doch einen Zipfel Stadtwurst ins Maul, dann ist der arme Hund nicht verhungert, sondern hat sich einfach überfressen.“ Es hatte nichts genutzt, der Spott über die „Ermasteta Hualeida“ hielt sich.












