Zu Halloween gehören nach amerikanischer Sitte auch schaurige Geschichten. Obwohl der Feiertag in der Fränkischen Schweiz keine Tradition hat, gibt es in der Region auch jede Menge solcher Erzählungen. Die folgende Auswahl ist nichts für schwache Nerven.
Hexen am Walberla
Die Ehrenbürg, auch bekannt als Walberla, galt für die Bewohner der Fränkischen Schweiz, bevor das Christentum Einzug erhielt, einst als Berg der Götter. Auch in der Neuzeit glaubten die Menschen jedoch, dass der Berg etwas Magisches an sich habe. So sollen hier Hexen und Dämonen ihr Unwesen getrieben haben.
Um ihren schändlichen Umtrieben entgegenzuwirken, bemühten sich die Bewohner einiger Rituale. So versuchten sie die Hexen etwa mit Wildkräutern und Kreuzen abzuwehren – oder indem sie Weihwasser auf ihre Felder träufelten. So ist es kaum verwunderlich, dass es auch in der Region Forchheim im 16. und 17. Jahrhundert zu Hexenprozessen kam.
Bekannt sind diese eigentlich eher aus dem Hochstift Bamberg wo laut Prozessakten fast 900 Menschen wegen des Verdachts auf Hexerei grausam gefoltert und hingerichtet wurden. Wie Forscher herausgefunden haben, gab es aber auch im Raum Forchheim zahlreiche Opfer, die von Nachbarn angeklagt und daraufhin verschleppt wurden. Über ihren Verbleib ist oft wenig bekannt – eine völlig reale Schauergeschichte.
Der versteinerte Ritter
Wer heute vom Ort Streitberg zur Burgruine läuft, der kommt auf seinem Weg an einer steinernen Felsensäule vorbei. Diese wird von den Einheimischen der Fränkischen Schweiz aufgrund einer alten Legende als „der Steinerne Ritter“ bezeichnet. Dieser soll vor langer Zeit sein Herz der Tochter des Schlossherrn versprochen haben. Bald darauf musste der Ritter jedoch fortgehen, um für den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Zum Abschied steckte er seiner Braut noch einen Ring an den Finger.
Während das Heer wieder zurückkam, blieb der Bräutigam jedoch verschwunden. Lange blieb die Frau ihrem Ritter treu, ließ sich irgendwann jedoch davon überzeugen, einen anderen zu heiraten. Am Tag der Trauung stand plötzlich jedoch eine Gestalt am Wegesrand – ein bleicher Wandersmann mit todtraurigem Blick und staubiger Kleidung. Der verlassene Bräutigam.
Als seine Braut ihn sah, entfuhr ihr ein Schrei, woraufhin ihr Neuer versuchte den vermeintlichen Angreifer zu erschlagen. Im Moment des Aufpralls verwandelte sich der Heimkehrer jedoch zu Stein.
Schwarzer Tod in Forchheim
Wie andernorts blieb auch die Stadt Forchheim nicht von der Pest verschont. So kam der Schwarze Tod im Jahre 1635 in die Königsstadt nachdem im Frühjahr – wie der Volksmund sagt – bereits die Pestilenzvögel über der Stadt kreisten. Nach wenigen Monaten verlor die Stadt bereits über 1000 Einwohner.
Aus Angst vor der Seuche flohen viele Bewohner aus der Stadt und brachten die Seuche in die umliegenden Ortschaften und Städte. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die alte oberfränkische Redensart: „Der flieht wie der Tod von Forchheim“.
Der Legende nach soll die Einwohnerschaft Forchheims im Oktober 1635 so dezimiert worden sein, dass nur noch sieben Männer übrig waren. Um dem Sterben Einhalt zu gebieten, entschieden diese sich schließlich dazu, beim heiligen Sebastian um Beistand zu bitten. Folglich veranstalteten sie von der Pfarrkirche aus eine Bittprozession bei der sie die Statue des Heiligen durch die Straßen trugen.
Noch bevor sie die Prozession zu Sankt Martin zurückkehren konnten, brachen jedoch zwei der Männer zusammen und verstarben.
Der Teufel bei Rabenstein
Nahe des Rabensteins lebte einst ein junger Knecht, der sich aufgrund seins bescheidenen Wesens überall großer Beliebtheit erfreute. Auch viele Mädchen waren in den feschen Jüngling verliebt. Besonders abgesehen auf ihn hatte es jedoch eine junge Frau, die auf der Burg arbeitete. Aus Verzweiflung über die Abweisung schloss sogar einen Pakt mit dem Teufel, um das Herz ihres Geliebten für sich zu gewinnen. Hierfür sollte der Dämon ihr das Ziel ihrer Begierde in der Nacht in die Gemächer bringen.
Zum vereinbarten Zeitpunkt schnappte sich der Teufel den Knecht folglich und versuchte mit ihm davonzufliegen. Der Jüngling wehrte sich jedoch lebhaft gegen die Entführung. Also versuchte sein Widersacher auf einem Dach zwischenzulanden. Dabei handelte es sich jedoch um die Klausensteinkapelle. Als der Teufel wieder zum Flug ansetzte hielt sich der Knecht am Kreuz auf dem Dach der Kirche fest, und rief um Hilfe. Daraufhin ließ der Dämon von dem Mann ab und flog davon. Am Folgetag fand man unweit jedoch die Leiche der jungen Burgdame, der jemand das Genick gebrochen hatte.
Brudermord bei Hundshaupten
Unweit des Schlosses von Hundshaupten soll sich ein von Menschen gemachter Hügel befinden, den ältere Bewohner der Gemeinde mitunter noch als „Kappel“ kennen. Dieser Name leitet sich von einer Kapelle ab, die hier einst stand – inzwischen aber längst verschwunden ist. Erbaut wurde sie der Sage zufolge von den Eltern zweier Brüder, deren Leben an diesem Ort ein vorzeitiges Ende fand.
Tatsächlich war kein wildes Tier oder gar ein Fremder Grund für ihr dahinscheiden. Stattdessen soll ein Streit die beiden Bauernsöhne dazu veranlasst haben, sich gegenseitig mit dem Werkzeug zu töten, welches sie gerade in der Hand hielten. Die Ursache soll eine absolute Geringfügigkeit gewesen sein, die heute kaum mehr bekannt ist.
Zwar gibt es die Kapelle vermutlich bereits seit der Reformationszeit nicht mehr. Unter Familien im Ort soll jedoch noch zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts der Brauch geherrscht haben, Jungen, sobald sie das zehnte Lebensjahr erreicht hatten, zu dem Hügel zu bringen und ihnen von dem Bruderstreit zu erzählen, um sie zur Sanftmut zu erziehen.
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