0
Mit Dampf durchs Wiesenttal
Er ist die rechte Hand des Lokführers
Lokführer Johannes Obenauf kontrolliert die Anzeigen, Heizer Matthias Günzel die Strecke.Forchheim & Fränkische Schweiz
Lokführer Johannes Obenauf kontrolliert die Anzeigen, Heizer Matthias Günzel die Strecke. // Carmen Schwind
Lokführer Johannes Obenauf dockt an den Waggons an.Forchheim & Fränkische Schweiz
Lokführer Johannes Obenauf dockt an den Waggons an. // Carmen Schwind
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Ebermannstadt – Um die Museumseisenbahn zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle unter Dampf zu bringen, ist der Heizer unerlässlich. Jeder Griff muss sitzen.

„Ich wiederhole: Bremsen in Ordnung“, bestätigt Lokführer Johannes Obenauf eine Durchsage per Funk und dreht an einer großen Kurbel. Zuvor hat Heizer in Ausbildung Nils Pickert noch mit der Schaufel Kohlen aufgelegt, das Feuer brennt und der Kessel steht unter Dampf. Heizer Matthias Günzel schaut auf der anderen Seite aus dem Fenster und bestätigt, dass die Schienen frei sind. Langsam setzt sich die Dampflok vom Bahnhof Behringersmühle Richtung Muggendorf in Bewegung.

„Der Heizer ist die rechte Hand des Lokführers, denn er schaut auch auf die Signale und dass sich nichts auf der Strecke befindet“, erklärt Johannes Obenauf, der eigentlich Jurist und Stadtrat in Ebermannstadt ist. Im Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) ist er einer der Lokführer und örtlicher Betriebsleiter. Der Heizer Matthias Günzel ist Arzt und Gründungsmitglied des Vereins. Azubi Nils Pickert hat Physik studiert und arbeitet als Systemingenieur bei einer großen Firma.

Doch an diesem Wochenende ziehen sie lachende Menschen gemütlich in altmodischen Waggons mit Dampf durch die schöne Landschaft der Fränkischen Schweiz.

Lokomotive aus dem Jahr 1940

Die Lok aus dem Jahr 1940 ist ein Ungetüm. Im Inneren findet man keine neumodische Technik. Dort kann man drehen, hier kann man ziehen. Johannes Obenauf erzählt, dass man eine alte Dampflok mit Gefühl und Intuition führen muss: „Die Lok redet mit einem.“

In den engen Kurven auf der Strecke muss er wissen, wie schnell er mit dem langen Zug fahren kann. Die Lok darf nicht zu viel oder zu wenig unter Dampf stehen. „Sonst kann sie sich verschlucken“, stellt Obenauf fest. Ständig schauen Lokführer und Heizer auf die Anzeigen und links und rechts aus dem Fenster, um die Strecke zu kontrollieren.

Es ruckelt und zischt

„Das ist ein Injektor, mit dem schieße ich Wasser in den Kessel. Und wenn man mit dem Druck zu nah an den Strich kommt, kann man den Kessel wieder ein bisschen herunterkühlen“, erklärt Nils Pickert und zeigt auf eine Anzeige. Es dampft und zischt. Durch einen Schlitz am Boden kann man die Räder und die Schienen sehen. Es ruckelt und Lokführer und Heizer rufen sich Meldungen und Bestätigungen zu. Immer wieder ertönt laut das Signal.

Bereits am Vortag war die Lok in Ebermannstadt am Bahnhofsgelände eingeheizt worden. Bahnhöfe und Bahnstrecke Ebermannstadt – Behringersmühle gehören der DFS und werden von den Vereinsmitgliedern gewartet. Im Sommer bietet die DFS Fahrten durch die Fränkische Schweiz an. Die Besucher sitzen in alten und vom Verein restaurierten Waggons auf Holzbänken.

Es werden auch Sonderfahrten angeboten. Am Muttertag zum Beispiel erwartete am Nachmittag eine Reihe von Müttern in Behringersmühle ein kleiner, von Florian Lochner vom „Schnapsstodl“ und Marcus Müller vom Landgasthof Lahner organisierter Empfang im Bahnhofsgebäude.

Ein Spaß für Kinder

„Bei uns haben Kinder jeglichen Alters viel Spaß“, verrät Nils Pickert und lacht. Lena Eberlein zum Beispiel war mit Vater und ihren beiden Kindern zu einem Sonntagsausflug mit der Dampfbahn gekommen. Die fünfjährige Lina erzählt, dass sie schon mal mit der Dampfbahn gefahren ist. Ihr neunjähriger Bruder Lennard liebt es, bei der Fahrt aus dem Fenster zu schauen und die Wiesent und die Felsen zu betrachten.

Die beiden Kinder sind ganz aufgeregt, als die Lok dampft. „Und genau deswegen machen wir das und stecken viel Zeit und Arbeit da rein: Es ist einfach schön zu sehen, wie viel Spaß und Freude die Dampfbahn den Leuten macht“, fasst Nils Pickert zusammen.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!