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Mit neuen Friedhofsführern
Jüdische Friedhöfe: Wie Pretzfeld Heimatgeschichte rettet
Die Gemeinde Pretzfeld erneuert seine Jüdischen Friedhöfe.
Die Gemeinde Pretzfeld erneuert seine Jüdischen Friedhöfe. // Martin Landeck
Signet des Fränkischen Tags von Martin Landeck
Pretzfeld – Ein Teil der Pretzfelder Heimatgeschichte zeigt sich rundum erneuert. Die Gemeinde saniert ihre Jüdischen Friedhöfe. Warum das engagierten Bürgern zu verdanken ist.

Der Markt Pretzfeld hat im Rahmen eines LEADER-Projektes die Jüdischen Friedhöfe in Pretzfeld und Hagenbach in Wert gesetzt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am 9. September kamen auf Einladung von Bürgermeister Steffen Lipfert die Projektbeteiligten zum Projektabschluss zum Jüdischen Friedhof nach Hagenbach.  

Unter den Gästen waren Marion Rossa-Schuster, noch amtierende Kulturreferentin des Landkreises Forchheim mit ihrer Nachfolgerin Annette Schäfer, Rosi Kraus, stellvertretende Landrätin, Joino Pollak, Friedhofsdezernenten des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden Bayern, Susanne Klemm mit Kollegin Elisabeth Singer-Brem vom Landesamt für Denkmalpflege und 13 frisch ausgebildete Friedhofsführerinnen und -führer, sowie der Fotograf des Projekts. Bürgermeister Steffen Lipfert berichtete vom Projektstart am 27. Mai 2022 in Hagenbach. „Während der letzten drei Jahre konnte ich viel über die Jüdischen Friedhöfe erfahren“, sagte er.

Förderung macht Projekt möglich

In seiner Ansprache lobte er den Einsatz der ehrenamtlich engagierten Personen, insbesondere Elisabeth Gröbel, die das Projekt von Beginn an vorangetrieben hat.  Begonnen hat alles 2021, als das Festjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ gefeiert wurde. Als der Markt Pretzfeld mit der Projektidee für die beiden jüdischen Friedhöfe an das LEADER-Management und die LAG Kulturerlebnis Fränkische Schweiz herangetreten war, stieß er bei den Mitgliedern des LAG-Entscheidungsgremiums auf offene Ohren.

Zweck dieses LEADER-Projektes war die wissenschaftliche Erfassung, Dokumentation und Inwertsetzung der beiden Judenfriedhöfe Hagenbach und Pretzfeld. Die Ergebnisse wurden in einer Datenbank erfasst und einer breiten Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht. Dabei wurden hohe wissenschaftliche Standards an die Qualität der Datenerfassung gestellt. Somit können Ahnenforscher weltweit nach ihren Vorfahren suchen. Für das Projekt mussten die Friedhöfe exakt vermessen und allen Grabsteinen Nummern gegeben werden.

Neue Friedhofsführer in der Gemeinde Pretzfeld

Die Grabsteine wurden gereinigt und konserviert. Danach konnte der Fotograf mit seiner Arbeit beginnen. Die Fotos mussten exakt nach den Vorgaben des Landesamts für Denkmalpflege angefertigt werden. Dabei waren die Witterungs- und Vegetationsbedingungen ein entscheidender Faktor.  Ein weiteres wesentliches Element des Projekts war die Schulung ehrenamtlicher Friedhofsführerinnen und -führer. Sie sind die Leute, die die Erkenntnisse und Informationen zum Leben und Sterben der fränkischen Landjuden in Form von Exkursionen über beide Friedhöfe an alle Gruppen der Bevölkerung weitergeben.

Dazu wurden 13 neu ausgebildeten Friedhofsführerinnen und -führern ihre Zertifikate überreicht. Besonders gefreut hat sich die lange Zeit einzige Friedhofsführerin Elisabeth Gröbel über die Verstärkung. Sie war auch eine der Personen, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Beharrlich und mit viel Engagement hat sie das Projekt im Hintergrund angetrieben.  Da der Markt Pretzfeld die Finanzierung eines solchen Projekts nie aus eigenen Mitteln hätte bestreiten können, musste nach Geldgebern gesucht werden.

Gesamtkosten von über 95.000 Euro

Letztlich trugen von den Gesamtkosten in Höhe von 95.320 Euro LEADER 51.660 Euro, die Oberfrankenstiftung  19.000 Euro, der Landkreis Forchheim 6.100 Euro, die Zukunftsstiftung der Sparkasse 5.000 Euro, sowie das Landesamt für Denkmalpflege 5.400 Euro. Somit verblieben nur noch rund 10.000 Euro für den Markt Pretzfeld.

„Die Jüdische Kultur gehört zu unserer Geschichte. Wichtiges Wissen durch Weitererzählen gegen die von Gleichgültigkeit und von Vorurteilen geprägten Gesellschaft muss erhalten bleiben.“ sagte Lipfert. Marion Rossa-Schuster betonte bei ihrer Ansprache, dass ein besonders prägendes Merkmal von LEADER sei, dass die lokalen Akteure selbst entscheiden können, welche Projekte förderwürdig sind. „Genau hier passt dieses Projekt in besonders überzeugender Weise.  Es fördert, nicht nur die kulturelle und touristische Attraktion unserer Region, sondern auch die historische Bedeutung des Landjudentums in der Fränkischen Schweiz. Das ist von großer historischer Bedeutung.“ sagte Rossa-Schuster.

Wichtiges Projekt für Ahnenforschung in der Gemeinde Pretzfeld

Auch Rosi Kraus und Joinjo Pollak betonten die Wichtigkeit des Projekts, besonders in Bezug auf die Ahnenforschung, und sprachen Lob und Dank an die Projektbeteiligten aus. Tief beeindruckt davon war Elisabeth Gröbel, die zum Abschluss kurz von ihren Erfahrungen berichtete. Im Anschluss an die Veranstaltung am Friedhof waren die Teilnehmer noch im Gasthaus Mühlhäuser in Wannbach zu einem Abschlussessen eingeladen.

Dabei ergaben sich sehr interessante Gespräche. Neben dem Feedback zu den einzelnen Themen wurde unter anderem ein besonderer Grabstein auf dem Pretzfelder Judenfriedhof betrachtet. Die Nummer 116 fällt durch seine Säulenform auf. Elisabeth Singer-Brem vom Landesamt für Denkmalpflege wusste zu berichten, dass es eine Verbindung zu einem anderen, sehr außergewöhnlichen Grabstein (Nr. 66) gibt, der quasi als Nachfolger für den Erstgenannten dient.

 

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