Kulturschaffende und alle, die sich nach Veranstaltungen sehnen, blicken weiter gespannt und hoffnungsvoll auf das marode Kolpinghaus in Forchheim. Die scheinbar unendliche Geschichte des Umbaus des historischen Gebäudes am Kolpingplatz in eine dringend benötigte, städtische Kulturhalle erhält 2022 ein neues Kapitel.
Die Stadt nimmt das Sanierungsvorhaben nach der Sperrung wegen des maroden Dachstuhls wieder auf. Nachdem die bisherigen Pläne für die städtische Eventhalle gescheitert sind, erfährt das Projekt Kolpinghaus nun eine weitere Wendung: Die geplante Spielstätte wird kleiner ausfallen, als manchen lieb ist.
Nach der Hiobsbotschaft vor eineinhalb Jahren, dass der gesperrte Kolpingsaal wegen Baumängeln nicht einmal vorübergehend für Veranstaltungen oder größere Versammlungen zur Verfügung steht, ist Lorenz Deutsch, der neue Kulturamtsleiter der Stadt, beauftragt worden, das Vorhaben nochmals neu zu eruieren.
Im vergangenen Jahr hat er deshalb in der Forchheimer Kulturszene, bei Musik-, Kulturvereinen, Theatermachern oder städtischer Musikschule nachgefragt, was für eine Spielstätte sie mit Blick auf das Kolpinghaus bräuchten und wie viele Plätze sie sich benötigen.
Deutlich kleinere Lösung für Kulturhalle Kolpinghaus
Die aktuelle Bedarfsanalyse habe gezeigt, dass für die lokalen Veranstalter ein Saal mit 800 Sitzplätzen, wie es die bisherige Beschlusslage des Stadtrates zum Umbau des Kolpinghauses vorsieht, „nur eine untergeordnete Rolle“ spielt. Diese große Kapazität könne im Kolpinghaus ohnehin nicht zufriedenstellend realisiert werden.
Die Stadt Forchheim solle zudem auf den angedachten zusätzlichen Veranstaltungssaal mit 150 Plätzen, der im Kolpinghaus ausgebaut werden sollte, verzichten.
Mit diesem überarbeiteten Raumprogramm wird der Ausbau des Kolpinghauses in eine Forchheimer Eventhalle allerdings nur für bis zu 400 Besucherinnen und Besucher optimiert, indem das Volumen des sehr großen Saals durch eine begehbare Galerie ausgenutzt wird. Es soll sowohl auf Reihenbestuhlung als auch für Bankette wie Tanzbälle ausgelegt werden.
Der städtische Kulturausschuss stimmte am Donnerstag diesen neuen Plänen einstimmig zu: Das aktualisierte Raumprogramm soll noch in diesem Jahr in einen Architektenwettbewerb für die Sanierung des Kolpinghauses münden.
Forchheims SPD beharrt auf größerer Halle mit 800 Sitzplätzen
Zwar stoßen die Pläne für die kleinere Lösung auf überwiegend Zustimmung unter den Stadträten und -rätinnen, aber Enttäuschung war dennoch zu spüren. „Das müssen wir erst einmal verdauen“, sagte FW-Stadtrat Manfred Hümmer. „Zehn Jahre Jubiläum, aber es gibt keinen Grund zur Freude“, erklärte CSU-Rat Thomas Werner zum aktuellen Stand des geplanten Kolpinghaus-Umbaus.
Forchheims SPD möchte sich nur mit dem abgespeckten Raumprogramm der künftigen Kulturhalle nicht zufriedengeben und fordert, dass die Stadt die 2015 gefasste Entscheidung für eine große Veranstaltungsmöglichkeit in Forchheim mit 800 Plätzen weiterverfolgt.
„Ich will den gefassten Beschluss nicht abhaken. Wir benötigen für die Zukunft schon mehr Plätze“, verdeutlichte SPD-Rätin Ute Samel. Das Gremium einigte sich darauf, die Stadtverwaltung zu beauftragen, einen weitergehenden Bedarf für eine 800 Besucher große Halle zu prüfen.
Geschichte der Kolpinghaus-Pläne: sieben Akte im Kulturstätten-Drama
1. Akt – 2012: Im Rahmen des „Runden Tisches Kultur“ beschäftigen sich Kulturszene und Stadtpolitik erstmals mit dem Kolpinghaus als mögliche Kulturstätte, weil Forchheim Raumbedarf für Veranstaltungen hat. Bis 2014 wird über Anforderungen und Konzepte des Kolpinghauses diskutiert.
2. Akt – 2015: Der Stadtrat befasst sich mit dem Kolpinghaus und beschließt, dass ein großer Saal für 800 Besucher und ein kleiner für 150 Besucher entstehen sollen.
3. Akt – 2016: Das Raumprogramm steht, ein Jahr später werden ein Wertgutachten und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorgestellt.
4. Akt – 2018: Die Vertragsverhandlungen mit der Kolpingfamilie laufen. Im März 2018 findet im Kolpinghaus die Kulturpuls-Veranstaltung statt. Forchheims Kulturschaffende ziehen eine positive Bilanz. Wegen der Rathaussanierung und dem Ende der Jahnhalle soll zunächst ein provisorischer Umbau des Kolpinghauses einen Kulturbetrieb bis zur Fertigstellung des Rathauses gewährleisten.
5. Akt – 2019: Die Stadt Forchheim unterzeichnet den Erbpachtvertrag über 99 Jahre für das Kolpinghaus.
6. Akt – 2020: Bei den Vorbereitungen zum Umbau werden im Mai 2020 gravierende Baumängel entdeckt: Wegen Schädlingsbefall am Holz im Dachstuhl, muss das Kolpinghaus wegen möglicher Einsturzgefahr der Decken sofort gesperrt werden.
7. Akt – heute: Die Stadt will das Sanierungsvorhaben Kolpinghaus dieses Jahr wieder aufnehmen. Bevor der Realisierungswettbewerb in 2022 wieder aufgenommen werden soll, hat der neue Kulturamtsleiter Lorenz Deutsch das Raumprogramm und die Bedarfe erneut eruiert.
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