Zwischen 2005 und 2025 liegen neun Studioalben, unzählige Konzerte und Festivals sowie lautstarkes Engagement gegen Atomkraft und Rechtsextremismus. 20 Jahre Madsen. Aktuell sind die drei Brüder Johannes Madsen, Sebastian Madsen und Sascha Madsen mit ihren Liveunterstützern Niko Maurer, Lisa Nicklisch und Martin Krüssel auf großer Jubiläumstour unterwegs.
Nachdem sie im Herbst bereits in Erlangen zu Gast waren, kommen sie noch einmal nach Franken: am 28. März nach Würzburg in die Posthalle. (Alle Infos und Tickets gibt’s unter madsenmusik.de.)
Wir haben mit dem jüngsten Madsenbruder Sascha über ihre aktuelle Tour, betagte Musiker und den aktuellen Rechtsruck in der Gesellschaft gesprochen.
Interview mit Sascha Madsen von der Band Madsen
Sascha, vor 20 Jahren erschien euer erstes Album. Von Beginn an habt ihr unter den Major-Labels produziert. Glückssache oder seid ihr wirklich so gut?
Sascha Madsen: (lacht) Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass es von Qualität zeugt, wenn einen ein Major Label unter Vertrag hat. Das war viel Glück, wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das war damals die neue Neue Deutsche Welle, von der wir profitiert haben. Damals hatten die Plattenfirmen auch noch das Geld, um zu sagen: Macht mal! Das war total geil, weil wir trotzdem absolute künstlerische Freiheit hatten.
Drei Brüder, eine Band: Wie kam das eigentlich?
Wir haben immer schon zusammen Musik gemacht, in unterschiedlichen Konstellationen. Es gab immer ein bis zwei konstante Bands. Mit der Vorgängerband von Madsen, Hörsturz, hatten wir auch schon einen Plattenvertrag, das hat aber gar nicht funktioniert. Eigentlich wollten wir ab dann alles selber machen, haben aber mit Universal Music einen kongenialen Partner gefunden. Vor kurzem haben wir dann trotzdem unser eigenes Label gegründet – das war wohl trotz der guten Zeit mit Universal eine der besten Entscheidungen unseres Lebens.
Wie geht’s euch damit, nun so langsam zu den betagteren Größen zu gehören?
(lacht ausgiebig) Wir fühlen uns nicht so. Wir mögen mittlerweile zu den alten Hasen gehören – aber betagt sind wir noch lange nicht.
2020 habt ihr euch selbst eine „Frischzellenkur“ verordnet und plötzlich ein Punkalbum aufgenommen. Warum?
Es gab kein Warum. Wir haben es gefühlt und es dann einfach gemacht. Wir hatten wegen der Pandemie quasi Berufsverbot, durften nicht spielen. Da hat sich viel Energie angestaut. Nicht nur negative wie Wut, sondern auch Spielfreude. Aber natürlich auch Frustration. Wir haben das Album nicht mit dem Willen aufgenommen, jetzt eine Punkplatte machen zu wollen. Sondern: Wir machen jetzt Punk. Schnell war klar: Das müssen wir machen, auch weil es uns so viel Spaß bereitet hat.
Und macht es immer noch Spaß?
Absolut. Schon die Art und Weise, wie die Punkplatte entstanden ist, war völlig unverkopft und frei. Das haben wir gerne mitgenommen, auch für die Produktion der weiteren Songs danach.
Ein mutiger Schritt, Punkt scheint aktuell nicht gerade den Zeitgeist der jungen Menschen zu treffen…
Die Frage haben wir uns gar nicht gestellt. Wir haben nicht beschlossen, ein Punkalbum zu machen, weil das der Zeitgeist verlangt. Wir haben es einfach gemacht und uns danach Gedanken gemacht, wie und ob wir es überhaupt veröffentlichen wollen. Klar ist es nicht hoch in die Charts eingestiegen, aber das war auch nicht unser Antrieb. Aber viele kamen zu uns und sagten, „das war eure geilste Platte“. Darum geht es doch vielmehr. Wir machen nie Musik, weil es der Zeitgeist erfordert. Wir machen Musik, die wir gerade fühlen.
Verschiedenste Labels hafteten euch schon an, Indieband, Rockband, Punkrockband. Auch eine Protestband?
Ich mag Labels nicht. Meinetwegen sind wir alles davon, aber auch nix. Bands und ihre Musik sind immer viel mehr als diese Labels, die ihnen aufgedrückt werden. Aber ich könnte mit allen davon leben.
Du sagtest einmal in einem Interview, dass ihr mit Protest aufgewachsen seid. Wie meintest du das?
Wir sind im Wendland groß geworden, da ist das Atommüllzwischenlager Gorleben gleich daneben. Wir sind damit aufgewachsen, auf die Straße zu gehen und gegen Atomkraft zu protestieren.
Tatsächlich engagiert ihr euch seit Jahren politisch, gegen Rechtsextremismus zum Beispiel.
Absolut. Wir sind politisch denkende Menschen. Wir unterstützen keine Parteien. Aber wir haben Reichweite und weil wir politisch denkende Menschen sind, auch das Bewusstsein, diese Reichweite nutzen zu müssen. Um auf Missstände aufmerksam zu machen. Und wenn wir merken, dass es eine Ungerechtigkeit gibt, dann machen wir gerne darauf aufmerksam. Dinge, die wir nicht hinnehmen können wie beispielsweise den Rechtsruck in diesem Land.
Darf Musik heutzutage noch unpolitisch sein?
Natürlich darf Musik auch unpolitisch sein. Wir haben uns auch lange geziert, politische Texte zu schreiben. Das ist auf Deutsch schwierig, weil es dann schnell nach gehobenem Zeigefinger klingt. Man muss auch nicht in jedes Lied seine politische Meinung packen, man darf genauso auch über Liebe singen.
Die Frage ist, ob ein Mensch an sich unpolitisch sein kann? Das geht eigentlich nicht (mehr). Auch wenn einen Politik nicht sehr interessiert, sollte man das Bewusstsein haben, wie viel Glück man hat, in einer Demokratie aufzuwachsen. Wer sagt, „ist mir alles scheißegal“, darf sich dann aber über gar nichts beschweren. Und wie ein Lemming überall hinterherlaufen. Dass dies einer will, kann ich mir nicht vorstellen.
Ihr seid derzeit auf großer Jubiläumstour unterwegs. Wie erlebt ihr die Stimmung auf den Konzerten?
Wir versuchen, die politisch aufgeheizte Stimmung nicht mit auf die Konzerte zu nehmen. Wir äußeren uns auch auf der Bühne politisch, sagen aber, unsere Konzerte sollen ein geschützter Rahmen sein für die Menschen. Um den Alltag auch einmal zu vergessen. Ein Balanceakt: Auf der einen Seite die Menschen aufmerksam machen, vielleicht sogar mobilisieren. Das machen viele Künstler gerade, was ich gut finde. Demokratie muss man leben, man muss um sie kämpfen, für sie auf die Straße gehen. Zum anderen muss man ein Konzert auch einfach einmal zwei Stunden lang genießen können. Das so hinzukriegen, ist eine kleine Kunst.
Euer letztes Album erschien 2023, war sogar kurzzeitig auf Platz 1 der Charts. Wann dürfen wir uns auf was Neues freuen?
Wir haben ja im Dezember eine Weihnachtsplatte mit eigenen Liedern herausgebracht, das hat ganz viel Spaß gemacht. Und wir sind auch schon wieder fleißig am Schreiben und am Produzieren. 2025 konzentrieren wir uns auf unsere Jubiläumstour, aber 2026 wird definitiv wieder ein Album erscheinen.
Und da steht wieder Punk drauf?
(lacht) Da steht bestimmt auch wieder Punk drauf. Aber es wird eher ein klassisches Madsen-Album.
Sascha, danke dir für das Gespräch.













