Als zwei Freunde vor 42 Jahren in einem Erlanger Biergarten gemütlich auf ein Seidla beieinandersaßen und beschlossen, einen alternativen Reiseführer über die Fränkische Schweiz zu schreiben, konnten sie den Erfolg des Buchs nicht voraussehen.
Jetzt ist der Titel „Fränkische Schweiz – Bamberg, Bayreuth“ in der 14. überarbeiteten Auflage erschienen – und wurde seit 1984 über 100.000 Mal verkauft. Die Autoren, damals wie heute: Michael Müller, von Beruf Automechaniker, der als Weltenentdecker den gleichnamigen Verlag für individuelle Reisebücher 1979 in Ebermannstadt gegründet hatte. Und Hans-Peter Siebenhaar, seinerzeit Student und freier Mitarbeiter des Fränkischen Tags.
Letzterer erinnert sich gern an die Anfänge, als die Texte auf einer elektrischen Schreibmaschine in Druck gegeben und die Karten abgepaust wurden. Fotos? Viel zu teuer! „Heuer schmunzelt man darüber, aber es war alles handgemacht“, sagt der 64-jährige gebürtige Heroldsbacher, der heute noch engen Kontakt zum Heimatort pflegt und regelmäßig zu Besuch bei seinem Vater ist.
Seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat er - nach Stationen als Redakteur beim Fränkischen Tag und Jahrzehnten beim Handelsblatt - seit 2022 als Chefautor und Mitglied der Chefredaktion bei Focus Money in München. Dem Reisejournalismus blieb er nebenberuflich treu. Unter seinem Namen erschienen Titel über Griechenland, Madrid, den Bodensee und Franken beim Michael Müller („MM“) Verlag.
Sie wollten keine Schönfärberei, sondern ein alternatives Reisebuch schreiben
Während die Bücher heute natürlich farbig bebildert sind, professionelle Karten und zeitgemäß GPS-Daten enthalten, war vor 42 Jahren alles schwarz-weiß. Nicht nur im Buch – auch die fränkische Heimat erschien den beiden Autoren damals bei aller Pracht auch ein bisschen engstirnig. „Die anderen Reiseführer waren schönfärberisch“, sagt Siebenhaar. „Wir wollten aber ein alternatives Buch über die Fränkische Schweiz machen“.
Als die Erstauflage erschien, war es ein kleiner Skandal. Das fing schon beim gezeichneten Titelbild des Karikaturisten Peter Göschel an. Unter anderem war darauf ein Angler zu sehen, der statt einer Forelle nur eine Gräte aus der Wiesent zog. „Wir haben ökologische Probleme thematisiert“, sagt Siebenhaar, „und wir waren kritisch in Sachen Geschichte. Die Etablierten fanden das Buch nicht nur gut, wir bekamen viel Gegenwind.“
Auch von Gastronomen, die keine echten Bewertungen gewohnt waren. „Was, mei Bier schmeckt, aber unser Schäuferla soll net knusprig sein?“ lautete so manche empörte Reaktion. Siebenhaar denkt mit einem Lächeln zurück und erzählt, dass selbst die Kritiker in den Folgejahren erkannten: Die Autoren haben den Reiseführer mit Begeisterung für ihre Heimat geschrieben. „Wir haben neue Menschen in die Fränkische Schweiz gebracht, der Band wurde bundesweit verkauft. Somit bekam der Verlag eine gewisse Kompetenzzuweisung für die Region.“
Titelbild von 1982: Feine Ironie mit Gräten an der Angel
Für Siebenhaar, damals 21, war es außerdem „eine tolle Möglichkeit, mein erstes Buch zu schreiben“. Und für den neun Jahre älteren Michael Müller, der viel in Portugal (erster Reiseführer des Verlags) und in der Toskana unterwegs war, eine Erleichterung, dass er sich nicht um die ganze Fränkische Schweiz kümmern musste. Noch heute ist die Aufteilung: Zwei Drittel schreibt Siebenhaar und ein Drittel steuert Müller bei, der in Ebermannstadt und Portugal lebt. „Für mich als junger Autor war es schön, durch Bamberg und Bayreuth zu flanieren, aufs Kirschenfest zu gehen, mit Leuten zu reden, Bier zu testen und Geschichten auszugraben“, sinniert Siebenhaar. „Der Spaß hat sich ein Stück weit auf die Leser übertragen“, ist der Autor überzeugt.
In der 14. Auflage ist das Buch „komplett anders geworden. Wir sind mit der Zeit gegangen, ohne die Wurzeln zu verleugnen“. Deshalb ist ganz vorne immer noch die alte Illustration abgebildet, die gar nicht mehr korrekt ist. Denn heute würde ein Angler einen Fisch und keine Gräte aus der Wiesent holen, und diese vollbusigen Frauen am Wiesentstrand … uj. Aber – das Wimmelbild hat Tradition, ist schön, knackig ironisch und gehört nun mal zum Buch.
Die Überarbeitung des Reisebuchs „Fränkische Schweiz“ dauerte ein Jahr
Der Prozess der Überarbeitung dauerte ein Jahr. Die Vorarbeit lief ab wie im Sommer 1982: „Wir laufen und fahren viel herum und recherchieren zwischen dem Frühjahr und Herbst vor Ort, wenn alles offen hat.“ Im Herbst wird geschrieben, um die Weihnachtszeit folgen Lektorat, Layout und Druck, im Frühjahr die Veröffentlichung.
Apropos Schreiben: Was sagt Siebenhaar zu einer potenziellen Konkurrenz durch die KI? Da ist er ganz klar: „Wir kennen, worüber wir schreiben, weil wir vor Ort recherchieren. Wir haben uns eine eigene, kritische Meinung gebildet. Das kann eine KI nicht substituieren. Sie kann auch kein Essen und kein Bier probieren.“
Was er ebenfalls eindeutig bewertet, ist der Stellenwert der Fränkischen Schweiz. „Sie ist ein ökologisches und unzerstörtes Juwel. Seit unserem ersten Reisebuch blieb mehr oder weniger alles beim Alten, das ist ein Riesenvorteil.“ Auch werde der Umweltschutz längst ernstgenommen. „Heute kann man durch die Fränkische Schweiz spazieren, ohne von Einkaufszentren, Straßen und Fabrikschloten gestört zu werden“, sagt der Autor anerkennend. „Dafür kann man den Verantwortlichen dankbar sein.“
Auch sei viel Geld investiert worden in die Denkmäler, denen Siebenhaar einen „Topzustand“ attestiert. Dazu Privatleute, die Höfe restaurieren: „Man merkt, dass die Menschen in der Region ihre Heimat lieben. Da geht einem das Herz auf.“
Die persönlichen Glücksorte des Autors in der Fränkischen Schweiz
Wo ihm außerdem das Herz aufgeht, wenn man ihn nach seinen Lieblingsplätzen fragt: „Ein absoluter Glücksort ist Sanspareil mit seinem Garten, das ist in Deutschland einmalig. Das hat für mich Magie.“ Und natürlich das Walberla, „der fränkische Fujiama“, sei mit seinem Ausblick zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter „sicherlich einer der schönsten Stellen in Franken“. Zu guter Letzt schwärmt der Autor vom Kellerwald in Forchheim: „Ein Unikat in seiner Größe und Schönheit, ich wünschte, München hätte so einen Ort.“
Um bei der Gastronomie zu bleiben: Sie hat sich in der Fränkischen Schweiz aus Autorensicht nicht gut entwickelt in den zurückliegenden Jahrzehnten. „Leider mussten wir immer wieder Gasthäuser und Hotels aus unserem Buch streichen. Viele bodenständige Wirtschaften sind verschwunden. Das ist ein Verlust für diese wunderbare Region.“
Vermutlich, so Siebenhaar, gehe diese Tendenz weiter. „Jetzt muss man aufpassen, dass sich das nicht noch mehr auf die Brauereien auswirkt. Ich hoffe, dass die Fränkische Schweiz mit ihrer vielfältigen Brauereienlandschaft die Herausforderungen des Marktes überlebt.“ Einen kleinen Beitrag leistet der Autor, da ist er ganz selbstlos: Bei ihm zuhause in München wird nur fränkisches Bier getrunken. Logisch. Nicht zuletzt hat mit einem Seidla auch die ganze Geschichte vor 42 Jahren begonnen.
44 Orte in fünf Landkreisen auf 312 Seiten
Das Reisebuch „Fränkische Schweiz – Bamberg, Bayreuth“ ist 2026 im Michael Müller Verlag, Erlangen, in der 14. Auflage erschienen. Es umfasst 312 Seiten plus Karten, Pläne, einen herausnehmbaren Plan sowie GPS-Daten. Beschrieben werden Sehenswürdigkeiten, Besonderheiten, Kultur- und Freizeittipps, Festivitäten, zwölf Wanderrouten und vieles mehr in sechs Kapiteln: „Bamberg und Umgebung“, „Forchheim und das Walberla“, „Ebermannstadt mit Leinleiter- und Trubachtal“, „Der Süden der Fränkischen Schweiz“, „Von Streitberg bis Pegnitz“ und „Der Norden der Fränkischen Schweiz“.
In gewohnter Müller-Manier bietet das Reisebuch eine übersichtliche Aufteilung und ausführliche Beschreibungen. Man kann sich über 44 Orte in fünf Landkreisen informieren, hinzu kommen Tipps zu Unterkünften, Gastronomiebetrieben, Brauereien, Brennereien und Einkaufsadressen sowie Geschichtliches, Humoriges und Hintergründiges. Buchpreis: 19,90 Euro.
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