Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Stefan Frühbeißer stattete sein Chamer Fraktionskollege Julian Preidl (beide FW) Frühbeißers Heimatgemeinde Pottenstein einen Gegenbesuch ab. In Pottenstein ging es nun um den Umbau kostenintensiver Freibäder zu Naturbadeteichen und um die Jugendherberge.
In Preidls Wahlkreis liegt die 2000-Selen-Gemeinde Grafenwiesen, die ein konventionelles Freibad aus den 1970er Jahren hat, das marode ist und vor der Schließung steht, wenn nicht investiert wird. Die Gemeinde hat fast keine Gewerbesteuereinnahmen und selbst für den Unterhalt des Bades fehlt das Geld.
Vorbild Pottenstein?
„Die Politik hat das Bad schon aufgegeben“, sagt Preidl. Eine Rettung wäre nach dem Vorbild des Pottensteiner Felsenbads vielleicht ein Umbau in ein Naturbad. Ob dies auch ein Modell für die Freibäder in Gräfenberg, Egloffstein und Streitberg sein könnte? In den drei Gemeinden im Landkreis Forchheim ist die Situation inzwischen jedoch eine andere.
Denn sowohl der Bund als auch der Freistaat haben hohe Fördermittel für die Sanierung der drei Bäder zugesagt. Eine Förderung, die es so nicht mehr geben wird. Dennoch müssen die drei Gemeinden jeweils einen hohen Eigenanteil stemmen, der eine freiwillige Leistung ist und vom Landratsamt genehmigt werden muss.
„In Gemeinden, in denen Tourismus ist, sollte man die Genehmigung lockern und es einer Pflichtaufgabe gleichstellen“, sagt Frühbeißer. Und es gehe ja auch um die Schwimmfähigkeit der Kinder. Für Frühbeißer ist das vor allem eine Frage, wie streng das die Rechtsaufsicht im Forchheimer Landratsamt wegen der Kreditaufnahme sieht.
Problem bleibt der Unterhalt
Hauptproblem wird dann aber der Unterhalt nach erfolgter Sanierung sein. Das sei dann nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Personals. Ist das Badewasser nicht tiefer als 1,30 Meter, könne man sich die Badeaufsicht sparen. Das Höhenschwimmbad Gößweinstein lässt grüßen.
In Pottenstein spare man sich Kosten für das Badewasser, weil das Naturbad aus der ehemaligen Trinkwasserversorgung Kirchenbirkig gespeist werde. Ähnlich sei es in Egloffstein und Streitberg.
Weiterhin müsse man schauen, dass man die Bäder dann intensiver nutzt. Nicht nur als Bad, sondern als ganzjährige Freizeitanlage mit Gastronomie. Als Beispiel nennt Preidl das Bad in Bad Kötzting. Dort sei das Freibad längst nicht mehr die Hauptattraktion, sondern die Saunalandschaft und der Erlebnisbereich. Das Freibad sei nur noch ein Zusatzangebot. Und man setze auch darauf, die Energiekosten zu senken: mit einer Freiflächenphotovoltaikanlage auf einem Teil der Liegewiese.
Alleinstellungsmerkmale gesucht
Ein weiterer Tipp von Frühbeißer für die Forchheimer Freibäder: „Jeder sollte schauen, was habe ich für ein Alleinstellungsmerkmal?“ Zum Beispiel einen Wohnmobilstellplatz oder Campingplatz direkt vor dem Bad. In Streitberg gebe es Ersteres schon, in Waischenfeld sei gleich nebenan ein Campingplatz.
In Pottenstein gab es auch die Idee, auf dem Freibadgelände ein Baumhaushotel zu errichten. „Das wäre genial gewesen, aber der Naturschutz hat das wegen dem FFH-Gebiet nicht zugelassen“, sagt Frühbeißer.
Seit 2019 hat Dieter Bauer das Felsenbad gepachtet. „Das würde nicht funktionieren, wenn ich alle Kosten selbst tragen müsste“, sagt Bauer, der zuvor alle drei öffentlichen Bäder in Bamberg betrieben hat. Dort musste er aber die Reißleine ziehen, weil er nicht mehr genügend Personal fand.
Weiter ging es für die Landtagsabgeordneten zur Jugendherberge, die 1981 eröffnet wurde. Die boomt mit jährlich 23.000 Übernachtungen, so Herbergsmutter Kathrin Püst. Allerdings sei die Bausubstanz in die Jahre gekommen und alles nicht mehr auf dem Stand der Technik. „Wenn wir Glück haben, kann nächstes Jahr die Heizung erneuert werden“, so Püst.
Es bräuchte aber auch neue Fenster, neue Waschräume oder neue Böden. Ein Manko sei auch, dass es in den Mehrbettzimmern keine Nasszellen gibt. Das sei heute Standard. Es gäbe schon einen Investitionsstau, aber die Jugendherberge befinde sich noch in einem Zustand, der eine Schließung aufgrund der baulichen Substanz nicht notwendig mache.
Alltagskompetenzen erlernen
„Die Nachfrage durch Schulen ist so groß, dass der Bedarf nicht gedeckt werden kann, was darüber hinaus wieder zeigt, wie wichtig die Jugendherbergen als außerschulischer Lernort sind“, erklärt Püst. Die Schüler würden Alltagskompetenzen lernen wie Betten beziehen, aber auch soziale Kompetenzen zur Stärkung der Klassengemeinschaft durch gemeinschaftliches Erleben, Teamfähigkeit durch die erlebnispädagogischen Bausteine wie Klettern, Märchenhöhle oder Bogenschießen in Kooperation mit dem Fränkische-Schweiz-Museum.
Auch die Lagerfeuerromantik würden viele Kinder und Jugendliche nicht kennen. Püst glaubt, dass die Kinder in einer Jugendherberge diese Kompetenzen besser lernen als in einem Klassenzimmer.
„Jede Jugendherberge ist ein Aushängeschild für eine Region, aber auch ein Wirtschaftsfaktor“, so Püst. „Bis zum Jahresende brauchen wir eine neue Küchenleitung“, schiebt sie hinterher. Bewerbungen unter Telefon 09243/92910 werden gerne entgegengenommen.
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