Was machen die mit unserem schönen Kellerwald? Wenn Jürgen Rödel durch den schattigen Laubwald und seine geliebten Bierkeller streift, steigt mitunter Ärger in ihm auf. Zwei- bis dreimal in der Woche radelt der 62-Jährige hoch auf die Keller, die er seit der Kindheit kennt. Natürlich wächst auch bei dem „Ur-Forchheimer“ die Vorfreude auf das Annafest.
Doch seit dem Kellerwald-Auftakt im April plötzlich das: Rot-weiße Flatterbänder und Bauzäune versperren einige Treppen und Wege. Bierbänke und Tische mussten von den provisorisch abgesicherten Geländern einen Meter weggerückt werden.
Gefährliche Stellen, aber Stadt tut nichts
Das Vorgehen, wie und wo der Kellerwald umgestaltet und sicherer gemacht werden soll, hält Rödel für irrsinnig und widersprüchlich. Bei einem Rundgang von unten bis zu den oberen Kellern zeigt er seine größten Ärgernisse. Bestes Beispiel sei die mittlere, marode Treppe am großen Kellerwald-Parkplatz, die seit langem eine Stolperfalle sei.
Ebenso marode seien die Stufen zu den öffentlichen Toiletten mitten im Kellerwald-Gelände. Für wirklich sanierungsbedürftig hält Rödel auch die schlecht abgesicherte Treppe unterhalb der Standfläche des Weinstadels während des Annafestes. Doch die Stadtverwaltung verbessere an diesen öffentlichen Problemstellen offensichtlich nichts, kritisiert Rödel.
Kellerwirte hingegen haben hohe Auflagen
Auf der anderen Seite müssten die Kellerbesitzer und -wirte hohe Auflagen der Stadt erfüllen und ihre Treppen und Geländer sicherer machen. Wie Greifkeller-Betreiber Christian Schuster, der seinen Treppenaufgang sanieren wird.
„Gelten unterschiedliche Gesetzesvorgaben für Kellerbesitzer und kommunaler Verantwortung?“, moniert Rödel. Auch die Aussicht auf die neuen, vom Stadtrat bereits beschlossenen, Kellerwald-Umwehrungen aus dünnen Stahlstangen samt Holzstreben gefällt dem eingefleischten Kellerwaldfan gar nicht.
Die Sicherheit im Kellerwald, besonders mit Blick auf die Massenveranstaltung Annafest, beschäftigt die Stadt bereits seit langem. 2019 mussten die Kellerbetreiber beispielsweise provisorische Zäune an den Geländern der bewirteten Flächen anbringen. Und heuer, nach zwei Jahren coronabedingter Annafest-Ausfälle, müssen sich die Wirte auf noch größere Herausforderungen einstellen.
Zusätzliche „Schutzstreifen“ am Annafest
Die Schankberechtigten im Kellerwald sind laut Bauordnungsamt in der Pflicht, absturzsichere Umwehrungen sowie Flucht- und Rettungswege zu gewährleisten. „Der Status Quo ist leider der, dass wir kaputte Geländer haben, die nach zwei Jahren leider schon verwittert sind“, erklärt Forchheims Bauamtschef René Franz. „Weil wir es aus Sicht der Statiker nicht verantworten können, dass die Geländer halten, müssen wir zum Annafest in medias res gehen.“
Auf den Kellern müssen während der elf Tage Annafest „Sicherheitsstreifen“ zu den Geländern errichten. Das bedeutet, die Wirte müssen 1,50 Meter Abstand zwischen den Bierbänken und -tischen bis zu den Geländern beziehungsweise der Absturzkante einhalten. Zudem muss eine „bauliche Barriere“ die Sicherheitspufferzone abgrenzen, die auch beispielsweise Kinder nicht überschreiten können.
Die Barriere muss mindestens 90 Zentimeter hoch und ausreichend standsicher und befestigt sein. Denkbar sind beispielsweise ein Zaun, Stehboxen oder Tische. „Die Schankberechtigten können auch kreativere Lösungen wählen“, sagt Franz.
Um den Sicherheitsstreifen abzunehmen, sind Mitarbeiter des Bauordnungsamtes am 7. und 8. Juli bei einem Vor-Ort-Termin im Kellerwald – also zwei Wochen vor dem Annafest. Bereits am 1. und 2. Juni bietet das Bauordnungsamt den Wirten an, sich über die Vorschläge für die Sicherheitsstreifen beraten oder abklären zu lassen.
Im schlimmsten Fall droht eine Sperrung
Der Bauamtsleiter betont deutlich: „Diejenigen, die für ihre Bewirtschaftungsflächen den geforderten Schutz nicht nachweisen können und deren Rettungswegkonzept nicht gesichert ist, werden während des Annafestes leider auch gesperrt werden müssen.“
Bereits seit 2018 arbeite die Stadtverwaltung daran, gemeinsam mit Statikern und Geologen herauszufinden, wo auf den Forchheimer Bierkellern Sicherheitsmängel sind. „Diese wurden aufgenommen und den Schankplatzberechtigten und Wirten am 3. Februar zugestellt“, verrät Franz. Bis zum Kellerwald-Auftakt am 23. April habe es seitdem viele Abstimmungen zwischen Forchheimer Kellerwirten und Bauordnungsbehörde geben.
Bei den Mängeln gehe es beispielsweise um Fluchtwege, Stufen oder Hangläufe, sagt Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder. Wo jedoch die größten Sicherheitsmängel im Kellerwald liegen, will die Stadtverwaltung nicht bekannt geben. Jedoch wurden nach einer Begehung der Stadtverwaltung an mehreren Stellen im Kellerwald Flatterbänder angebracht und auch Wege gesperrt. „Wenn gewisse Maßnahmen zum Annafest nicht realisiert werden, kann es zu Sperrungen von Flächen kommen. Denn Sicherheit geht vor“, sagt Schönfelder.
Das Ziel der Stadt Forchheim sei es, dass in ein bis zwei Jahren alle sicherheitsrelevanten Geländer gemäß der städtischen Satzung ausgetauscht werden. „Aber auch mit dem neuen Geländer wird gelten: Bänke und Tische müssen während des Annafestes einen Meter abgerückt werden, damit keiner herunterfallen kann, da auf den Tischen getanzt wird“, betont Franz.
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