Meistens rächt sich die Wissenschaft, wenn man sie zerstreut angeht. Falsche Daten oder Schlüsse führen zu entsprechend irreführenden Ergebnissen. Eindrucksvoll hat dies der Forchheimer Historiker Reinhold Glas in mühevoller Kleinarbeit bewiesen.
Es ist vier Jahre her, Glas hat gerade sein Buch „Biertradition in Forchheim“ beendet, als er vom zuständigen Heimatpfleger angerufen wird: Man plane, die Festungsanlage Forchheims vermessen zu lassen, es gäbe aber ein Problem. Für benötigte Hintergrundinformationen, erfährt Glas, wurde die Fachliteratur konsultiert. Die Angaben dort weichen aber stark voneinander ab. Glas, so die Bitte, müsse helfen. „Und das“, sagt der Lokalhistoriker ohne viel Aufhebens, „war mein Einstieg in die Materie.“
Der Blick auf die Quellen zeigte schnell, dass das bisher Überlieferte nicht korrekt ist
Daraufhin tut Reinhold Glas das, was er offensichtlich besonders gut kann: Er sucht ein Jahr lang in verschiedenen Archiven peinlich genau nach sogenannten Primärquellen, nach schriftlichen Zeugnissen aus erster Hand. Glas will auf diese Weise vermeiden, mit verfälschten Informationen zu arbeiten. „Ziemlich schnell“, erzählt er, „haben sich zeitgenössische Archivalien gefunden – und nicht immer bestätigte sich das bisher Überlieferte“.
Während dieser mühevollen Kleinarbeit öffnet sich für Glas nach und nach ein unverfälschtes Zeitfenster in die Geschichte Forchheims. Es soll der bislang tiefste Blick nicht nur in die Belange der Stadtbefestigung, sondern auch in das Leben der Stadt selbst werden.
So setzt Glas Schicht für Schicht unbekannte Details, aber auch gänzlich Neues über Forchheims Befestigungsanlage und dem Leben der Menschen hier frei. Das gefundene Material wird zunehmend umfangreicher und Reinhold Glas beschließt, es zu veröffentlichen. Das Vorhaben erfordert vier Jahre Arbeit. Vor einigen Tagen konnte der Historiker nun sein Buch vorstellen: „Wehrhaftes Forchheim. Von der mittelalterlichen Stadtmauer zur neuzeitlichen Landesfestung“.
Beeindruckendes Werk öffnet dem Leser eine fremde Welt vor der eigenen Haustür
Reinhold Glas' Werk ist beeindruckend detailliert und entsprechend umfangreich. Ein gut sortiertes Inhaltsverzeichnis erleichtert die gezielte Suche. Lässt man sich auf diesen Blick in die Vergangenheit Forchheims ein, offenbart sich eine zum Teil gänzlich fremde Welt in der die vertraut klingenden Namen beinahe irritieren.
Und es ist wie immer, wenn man einen Blick so weit zurück in die Vergangenheit werfen kann: Man wird demütig im Angesicht der Jahrhunderte, die Forchheim erlebt hat. Im Jahr 805, es ist die Zeit Karl des Großen, wird Forchheim bereits schriftlich erwähnt, als Handels- und Stapelplatz. Und der Königshof hier ist, so Glas, „einer der bedeutendsten Aufenthaltsorte der ostfränkischen Könige“.
Der kleine Handelsfleck verliert sich nicht im Laufe der turbulenten Jahrhunderte, im Gegenteil. Er wird zur Stadt und nachdem das Recht des Stärkeren gilt, muss der Ort in die Position versetzt werden, sich wehren zu können. Reinhold Glas findet erste schriftliche Erwähnungen einer Stadtmauer, es ist das Jahr 1326. Die Forchheimer belassen es aber nicht dabei, die kleine Mauer wächst, bis die Stadt schließlich von Festungsanlagen mit Bastionen profitiert.
Reinhold Glas' Arbeit ist beeindruckend gründlich und erhellend. Die Wissenschaft, so sehr sie zerstreute Arbeit bestraft, kann minutiöses Vorgehen durchaus fürstlich belohnen. Glas hat sie einen unverfälschten Blick in die Vergangenheit Forchheims geschenkt - und er jetzt uns.
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