Wird das jetzt auch Geschichte? An einem sonnigen Donnerstagmorgen im Oktober trifft sich die Forchheimer Prominenz vor dem alten Rathaus zur Grundsteinlegung. Dabei gibt es das Gebäude schon seit mehr als 600 Jahren, nämlich seit 1402, wie Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) in seiner Rede zum historischen Anlass anmerkt.
Nun, Grundsteinlegungen für Bestandsgebäude gibt es hin und wieder schon mal, wie eine kurze Web-Suche verrät. Aber beim Haus der Begegnung, wie das Alte Rathaus in der Zukunft heißen soll, war das Richtfest auch schon in der vergangenen Woche und damit vor der Grundsteinlegung. Aber das wurde nur im kleinen Kreis gefeiert, mit Archäologen, Restauratoren, Fachplanern, Handwerkern, Bauhofmitarbeitern, Bauherren und Zimmerern.
Zur Grundsteinlegung wird dagegen das volle Programm aufgefahren. Landrat Hermann Ulm (CSU) ist da, den Bund vertritt der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD) und für den Freistaat schaut der Stimmkreisabgeordnete Michael Hofmann (CSU) vorbei. Daneben Stadträte, Vertreter der Regierung von Oberfranken, Projektsteuerer, Architekten, zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung und auch die Nachbarn hat die Stadt eingeladen. Hinterm Bauzaun wurde ein kleines Festzelt aufgebaut, nach der feierlichen Zeremonie gibt es Sekt, Saft und Schnittchen.
Ganz klar: So ein Bau wie Forchheims Altes Rathaus braucht eine Feier
Es ist offensichtlich: Die Stadt wollte unbedingt einen feierlichen Akt für die Mega-Baustelle. „Kein gewöhnliches, sondern ein ganz außergewöhnliches Gebäude und Denkmal nationalen Ranges, weit über die Grenzen Forchheims und Oberfrankens hinaus“, sei das Forchheimer Rathaus, so der Oberbürgermeister in seiner Rede. So werde das Sedimenttransferpräparat, das Archäologen aus den Gesteinsschichten des Rathauses (und darunter) geschnitten haben, derzeit im Museum im österreichischen Villach ausgestellt.
Grundsteinlegung für das Alte Rathaus in Forchheim.
Die Grabungen unter dem Rathaus gelten als die bedeutendsten Stadtkerngrabungen in Oberfranken. Die ältesten Funde sind mehr als 1500 Jahre alt. 100.000 Einzelfunde haben die Forscher verzeichnet. Das alles verrät den Wissenschaftlern auch vieles über das Leben im mittelalterlichen Forchheim.
Aber die archäologischen Untersuchungen haben dann doch etwas länger gedauert als geplant. Hinzu kommt: Auf keiner Baustelle, das weiß jeder Hausbesitzer, läuft alles wie geplant.
Bis Ende 2025 soll das Haus der Begegnung im Alten Rathaus fertig sein
Architekt Stephan Fabi hat daher in der jüngsten Sitzung des Rathaussanierungssausschusses eine Fertigstellung bis Ende 2025 als „sportliches Zeitfenster“ bezeichnet.
Kirschstein spricht in seiner Rede dagegen von leichten Verzögerungen, aber klar, die Baustelle werde Forchheim noch über Jahre beschäftigen. Am Ende sind da ein paar Wochen mehr oder weniger wahrscheinlich wirklich egal.
Da die Mauern schon stehen, ist die Grundsteinlegung am Ende auch eher symbolisch. Kirschstein vergräbt im Eingangsbereich eine Zeitkapsel aus Edelstahl. Darin: ein paar Euro-Münzen, Auszüge der Architektur-Pläne, ein Forchheimer Geburtstaler 2023, eine Informationsbroschüre der Forchheimer Tourist-Information, die offizielle Einladungskarte und die tagesaktuelle Ausgabe des Fränkischen Tags. Ein bisschen stolz sind wir da ja schon - auch wenn eine NN neben uns liegt.
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