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Unabhängige Buchhandlung
Wie 's blaue Stäffala zu einer Forchheimer Institution wurde
1998 haben Heike und Manfred Schade „‘s blaue Stäffala“ in Forchheim gegründet.
1998 haben Heike und Manfred Schade „‘s blaue Stäffala“ in Forchheim gegründet. // Liliana Wopkes
Forchheim – Heike und Manfred Schade haben 1998 „‘s blaue Stäffala“ in Forchheim gegründet. Wie sich die Buchhandlung zu einem Stück Forchheimer Kulturgut entwickelt hat.

Wie Sprenkel in der Landschaft sind unabhängige Buchhandlungen die Individuen der Branche. Obwohl sie im Schatten der großen Buchhandelsketten stehen, wollen sie nicht blenden. Ihre Kunden sollen sehend durchs Leben gehen, inspiriert von Büchern, die mit Bedacht ausgesucht wurden. ‘s blaue Stäffala ist Forchheims letzte unabhängige Buchhandlung. Zeit, uns seine Geschichte anzuhören.

's blaue Stäffala: Forchheims letzte unabhängige Buchhandlung

Alles beginnt damit, dass in Hamburg vor 30 Jahren keine Lehrkräfte gesucht werden. Studiert wird das Fach trotzdem, auch wenn sich im Verlauf des Studiums die Zweifel an der Berufswahl mehren. Manfred Schade zweifelt auch, und zwar so sehr, dass er sich das zweite Staatsexamen in Philosophie und Mathematik schenkt. Sein berufliches Glück sucht er jetzt woanders. Fürs Erste, schön unkonventionell, im Gefängnis: In der Justizvollzugsanstalt Rottenburg baut der junge Mann erfolgreich eine Schule auf.

Heike Schade ist es ein Bedürfnis, Kindern Bücher näherzubringen.
Heike Schade ist es ein Bedürfnis, Kindern Bücher näherzubringen. // Liliana Wopkes

Etwa zur gleichen Zeit studiert auch seine spätere Frau Heike Engeln Lehramt, Deutsch und Englisch. Auch sie zweifelt daran, eine Stelle zu bekommen, ihre Hoffnung ist aber zäher. Also absolviert sie beide Staatsexamen. Eine Stelle als Lehrerin bekommt sie nicht. Stattdessen wird sie beim Medien- und Bildungsunternehmen Bertelsmann angestellt und lernt dort Manfred Schade kennen. Dieser spielt bereits mit dem Gedanken, später einen Buchladen zu eröffnen. Die Idee zündet auch bei seiner Freundin.

 Schule in Rottenburg gegründet

Nun wäre Manfred Schade nicht der, der er ist, wenn er nicht Nägel mit Köpfen machen würde. Seine Nägel sind zudem gut durchdacht, das beweist nicht zuletzt die von ihm erfolgreich gegründete Schule in Rottenburg. Und das, was nicht durchdacht werden kann, das vielleicht problematische Unbekannte, „wird schon werden“ – Schade ist kein Mann unnützer Was-wenn-Gedanken. Und während Heike Engeln „immer einen Plan B“ braucht, der für ihre innere Sicherheit sorgt, marschiert der junge Mann selbstbewusst voran.

„Ich kenne das nicht, Angst haben“, sagt Manfred Schade über die Zeit der Neueröffnung des 's blaue Stäffala.
„Ich kenne das nicht, Angst haben“, sagt Manfred Schade über die Zeit der Neueröffnung des 's blaue Stäffala. // Liliana Wopkes

So auch bei der Planung ihres gemeinsamen Buchhändlerlebens: „Wir saßen in Hamburg in unserer Wohnung“, erzählt Heike Schade, „und haben so ein bisschen gesponnen: Oben wohnen und unten arbeiten – das wäre toll, habe ich dann gesagt. Mein Mann meinte: Was heißt es wäre toll?! Es wird toll!“. Er sollte recht behalten: „Genauso haben wir es dann gefunden“, lacht Heike Schade.

Als Vorbereitung auf den neuen Beruf wollen die beiden ein Praktikum in einem Buchladen absolvieren. Sie finden einen in Bad Oldesloe, wo man ihnen gern alles zeigt – mit einer Bedingung: „Wenn wir uns danach nicht neben sie setzen.“ Der Buchhändler muss mit der Distanz zwischen den beiden Läden ziemlich zufrieden gewesen sein.

's blaue Stäffala 1998 in Forchheim eröffnet

Die Schades kommen nach Forchheim, es ist 1998, angezogen von der hübschen Stadt und der guten Infrastruktur. Hier wird gerade das alte Stäffala-Gebäude umgebaut – unten ein Laden, oben eine Wohnung. Als hätten sie es bestellt.

Lesung mit Tessa Korber

War der Anfang hart? „Es war nicht schwierig“, sagt Manfred Schade, „es war langsam“. Geholfen haben auch Zufälle. Die inzwischen bekannte Autorin Tessa Korber, damals noch in Forchheim wohnend, hat gerade ihr erstes Buch herausgebracht. Das junge blaue Stäffala organisiert die Lesung einer jungen lokalen Autorin: „Es war voll bis zum Dach“, erinnern sich die beiden. „Das hätten wir selber so nicht hinkriegen können.“

Keine Angst vor der Neueröffnung

War diese Anfangsphase mit Ängsten verbunden? Die Frage ist bei Manfred Schade überflüssig: „Ich kenne das nicht, Angst haben“, sagt er. „Ich hab schon im Knast bei null angefangen. Das macht mir keine Angst.“ Aber auch Heike Schade steht diesbezüglich ihrem Mann nicht sehr nach.

Noch etwa fünf Jahre wollen Manfred und Heike Schade „‘s blaue Stäffala“ in Forchheim betreiben, wenn alles gut geht.
Noch etwa fünf Jahre wollen Manfred und Heike Schade „‘s blaue Stäffala“ in Forchheim betreiben, wenn alles gut geht. // Liliana Wopkes

Während der Planung für die Einrichtung des Ladens stoßen die beiden in Nürnberg auf einen Ladenbesitzer, der nicht glauben kann, was er hört: „Was wollt ihr machen?! In Forchheim eine Buchhandlung aufmachen?! Seid ihr verrückt?“ Heike Schade ist zwar etwas anfälliger für unruhige Gedanken als ihr Mann, wohl aber auch nicht sonderlich. Denn nach diesem Gespräch, erzählt sie, „sind wir gemütlich um die Ecke einen Espresso trinken gegangen, haben uns angesehen und gesagt: Machen wir!“

Diese Handhabung des Lebens, die scheinbar unbezwingbare Unerschrockenheit der beiden, sollte diesen Buchladen prägen und alles, was von dort aus in Forchheim passiert. Bis heute zieht ‘s blaue Stäffala die sprühende Unternehmungslust ihrer Besitzer wie einen Kometenschweif hinter sich.

 Literaturtage Blätterwald mitorganisiert

Von Anfang an ist Leben in dieser Bude. Es werden Kinderfeste und Lesewettbewerbe organisiert, Büchertische aufgestellt, an Schulen gelesen oder die Literaturtage Blätterwald mitorganisiert. Vor allem anderen ist es Heike Schade ein Bedürfnis, Kindern Bücher näherzubringen. Im Rahmen ihres „Büchersommers“ besucht sie nach wie vor Schulen mit Kisten voller Büchern, liest daraus, erzählt und inspiriert. „Ich kann mir nur schwer vorstellen“, sagt sie, „nur im Laden zu sitzen.“ Das kann sicher keiner, der sie kennt.

Noch etwa fünf Jahre wollen Manfred und Heike Schade ihre Buchhandlung betreiben, wenn alles gut geht. Und danach wird Forchheim ein bisschen ärmer sein.  

 

 

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