Hoch aufs Walberla und danach spontan auf ein frisch gezapftes Bier in die Wirtschaft. Aktuell ist das noch ziemlich leicht. Doch bald könnte das schwieriger werden. Denn voraussichtlich Ende Juli schließt Familie Trautner das Lokal „Zum Walberla“ am Fuße von Forchheims Hausberg.
Ab Herbst Eventgastronomie
Florian Lochner, Inhaber des „Schnapsstodl“, wird dann neuer Pächter. Unter ihm wird das Haus eine reine Eventlocation für Hochzeiten und Firmenfeiern. Heißt im Umkehrschluss: kein täglicher Wirtschaftsbetrieb mehr. Und somit auch keine Einkehrmöglichkeit für die vorbeilaufenden Tagestouristen.
„Wo sollen denn dann all die Leute hin, die vom Walberla runter kommen?“, gibt eine Spaziergängerin am Fuße des Walberlas zu bedenken. „Auch wir waren dort immer gerne zum Essen. Da muss doch wieder eine richtige Wirtschaft her.“ Vielen, die rund ums Walberla regelmäßig unterwegs ist, dürfte es ganz ähnlich gehen.
Spontan ein Bier trinken
Rein wirtschaftlich gesehen könnte sich Alexander Sponsel freuen. Denn in nur wenigen Monaten betreibt er dann die letzte verbleibende Wirtschaft in Kirchehrenbach. Doch Freude sieht anders aus. Er betrachtet die Entwicklung, nachdem bereits auch das Gasthaus „Zur Sonne“ geschlossen hatte, eher mit Sorge. „Vielfalt wäre schöner. Wir haben mit der ganzen Familie gut zusammengearbeitet“, beschreibt Alexander Sponsel das Verhältnis zu den Trautners.
Er ist traurig über den Verlust. Persönlich, aber auch für die gesamte Gemeinde. „Jede Wirtschaft, die man weniger hat, ist schlecht.“ Florian Lochner wünsche er aber, dass seine neue Idee gut angenommen wird. „Da könnten wir uns gut ergänzen.“
Sponsels Gasthaus in der Hauptstraße ist mehr als gut besucht. So gut, dass es auch bei ihm oft keine freien Plätze mehr gibt, wenn Wanderer bei ihm einkehren wollen. „Wir haben auch unsere Stammgäste und man muss schauen, wie sich das dann entwickelt“, sagt Sponsel im Hinblick auf die baldige Schließung des Gasthauses „Am Walberla“. Auf einen Betrieb, der allein auf Reservierungen beruht, hat er eigentlich keine Lust. „Die Leute sollen ja auch spontan ihr Bier bei uns trinken können.“
An den Wochenenden „rappelvoll“
Auf der anderen Seite des Walberlas in Schlaifhausen betreibt Bernhard Schüpferling sein Gasthaus. Auch hier ist es gerade an den Wochenenden oft schon „rappelvoll“. Immer wieder muss er Leute wegschicken, weil er keinen Platz mehr hat. Mit der Schließung des Gasthauses in Kirchehrenbach rechnet er mit einem noch größeren Ansturm. „Da muss man schauen, ob und wie wir das bewältigen können. Das wird ein Problem.“
„Der Job ist vielen zu stressig“
Mit aktuell nur zwei Servicekräften sei es ohnehin schon schwierig genug. Mittlerweile habe er montags, mittwochs und donnerstags Ruhetag. „Mehr geht einfach nicht. Es fehlen die Leute. Der Job ist vielen zu stressig.“ Das Wirtshaussterben erschüttert ihn: „Irgendwann kommen dann vielleicht nicht mehr so viele aufs Walberla. Und eines Tages kann man gar nicht mehr in der Fränkischen essen.“
Auch Matthias Helldörfer, Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, rechnet damit, dass es manchen nicht schmecken wird, dass es direkt am Walberla bald kein Gasthaus mehr geben wird: „Da werden einige böse überrascht sein. Aber die Leute orientieren sich auch um.“ Ganz so schwarz wie Bernhard Schüpferling sieht Helldörfer es allerdings nicht: „Wir sind mit unseren Wirtschaften noch gut aufgestellt verglichen mit anderen Regionen. Wir waren da recht verwöhnt.“
Gastronomieführer mit Ampelsystem
Immer wieder bekommen sie in der Tourismuszentrale aber die Rückmeldung von Wanderern, dass sie aufgrund ausgeweiteter Ruhetage nicht einkehren konnten. „Wir sensibilisieren deshalb alle, im Vorfeld einer Wanderung zu gucken, welche Einkehrmöglichkeiten es gibt und wie die Öffnungszeiten sind“, so Helldörfer.
Auf der Homepage der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz gibt es zudem einen Gastronomieführer mit Ampelsystem, welche Gasthäuser gerade geöffnet sind und welche nicht. „Wir suchen auch immer wieder die Gespräche mit den Gastronomiebetrieben, um sie zu sensibilisieren, ihre Ruhetage aufeinander abzustimmen.“
Abwarten, wie es angenommen wird
Personalmangel, kein Nachfolger in Sicht oder andere Gründe: Immer mehr Wirtschaften sehen sich gezwungen, ihre Türen zu schließen. Im Sommer trifft es nun auch Familie Trautner. Anja Gebhardt, Bürgermeisterin in Kirchehrebach, bedauert die Schließung sehr: „Jede Wirtschaft, die schließt, ist etwas ganz Schlimmes für unsere Region. Und natürlich wäre es schön gewesen, wenn es auch künftig einen regulären Wirtschaftsbetrieb gäbe.“
Sie wolle nun aber abwarten, wie die neue Eventgastronomie von Florian Lochner, dem sie von Herzen alles Gute wünsche, angenommen werde. „Ich freue mich, dass überhaupt der Zapfhahn noch fließt. Und wer weiß, vielleicht ist die Hoffnung noch nicht verloren, wenn Herr Lochner sieht, wie viel Geld da oben vorbei läuft.“
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