„Kann ich noch eine haben? Meine Schoki ist auf den Boden gefallen“, sagt ein trauriger kleiner Junge und schaut Bürgermeisterin Christiane Meyer erwartungsvoll an. „Na klar bekommst du noch was. Hier, greif zu“, antwortet die und hält dem Kleinen ihren Korb mit Süßigkeiten hin. Der sucht sich etwas aus und rennt mit einem zufriedenen „Danke!“ wieder davon.
Eine Besonderheit
Am Ende des Zapfenstreichs in Ebermannstadt haben alle anwesenden Kinder eine Süßigkeit und einen Eis-Gutschein von Christiane Meyer bekommen.
„Ich kenne Zapfenstreich nur vom Militär“, meint dann auch ein Radfahrer, der kurz anhält, um sich das Treiben am Marktplatz anzusehen. „Stimmt, das ist eine Besonderheit hier in Ebermannstadt“, entgegnet ihm die Bürgermeisterin und erzählt von dem Brauch, auf den sie sich schon als Kind immer gefreut hat: „Unsere Angela Theiler von der Tourist-Information Ebermannstadt hat da mal recherchiert.“
Haarwickler und Kopftücher
Am Abend vor Fronleichnam war der Zapfenstreich, der früher wohl auch mit Böllerschüssen angekündigt worden war, die Aufforderung, die Arbeit ruhen zu lassen, um sich auf Fronleichnam vorzubereiten. Die Häuser entlang der Fronleichnamsprozession wurden mit „Maien“, grünen Ästen, und die Fenster mit Fahnen geschmückt. Außerdem wurden Altäre mit bestickten Decken, Vasen, Leuchtern und Figuren aufgebaut.
Auf dem Weg wurde früher auch noch Gras gestreut, denn der Herrgott, der bei der Fronleichnamsprozession durch die Straßen zog, sollte einen schönen Weg haben.
„Damit die Mädchen am nächsten Tag adrett aussehen, wurden sie am Abend vorher gebadet, die Haare wurden gewaschen und auf Lockenwickler gedreht. Danach wurden ihnen die Kopftücher, die „Maicherla“ umgebunden, denn die Mädchen mussten auf den Wicklern schlafen“, erzählt Christiane Meyer.
„Maicherla“ wie früher
Mädchen und Buben trafen sich dann am Vorabend von Fronleichnam zum Zapfenstreich und zogen mit einer Blaskapelle durch Ebermannstadt. Da die Jungs sich einen Spaß daraus machten, die Mädchen zu ärgern und sie sogar mit Brennnesseln an den Beinen kitzelten, hüpften diese durch den Ort. Am Ende wurde dann am Marktplatz „Ringelreihen“ getanzt.
Auch in diesem Jahr trafen sich etwa 40 Kinder und ihre Familien vor dem Landratsamt und wurden mit der Blaskapelle durch die Stadt zum Marktplatz geführt. Viele Mädchen trugen Maicherla, die Kinder hüpften hinter den Musikanten her und tanzten am Marktplatz im Kreis, bevor sie von Christiane Meyer belohnt wurden.
Im Kindergarten geübt
Die siebenjährige Lina Hübschmann ist zum zweiten Mal dabei. „Ich tanze gerne“, verrät sie und findet den Zapfenstreich gut. Ganz aufgeregt ist dagegen Kira Gibson. Die Vierjährige ist zum ersten Mal beim Zapfenstreich und erzählt, dass sie im Kindergarten schon mal für den Tanz am Markt geübt haben. Sie findet das Hüpfen und Tanzen klasse.
Seit wann es den Brauch schon gibt, kann Christiane Meyer nicht sagen. Sie hofft aber, dass er noch lange erhalten bleibt: „Schon alleine wegen der Freude der Kinder und der Erwachsenen ist der Zapfenstreich erhaltenswert“, meint sie und gibt auch noch einem Kind mit Migrationshintergrund eine Süßigkeit und einen Eis-Gutschein, das sich nicht mitmachen traute, sich aber riesig über die Belohnung freut.
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