Ein Motto gilt allerspätestens seit September in ganz Forchheim mehr als jedes andere. Es muss gespart werden. Um das fast 56 Millionen Euro große Loch im städtischen Haushalt auszugleichen, muss künftig jeder Cent umgedreht und jede städtische Ausgabe ganz genau geprüft werden. Besonders kulturelle Ausgaben müssen wohl zum Ausgleich deutlich mehr einstecken, was sich auch im Abstimmungsverhalten der Forchheimer Stadträte bemerkbar macht.
So entging eine langjährige kulturelle Institution Forchheims nur knapp dem Sparzwang der Stadt. Mit 8:7 Stimmen stimmten die Forchheimer Stadträte für die Bezuschussung des Festivals im Jahr 2025.
ZirkArt Forchheim geht knapp weiter
Die Rede ist vom in Süddeutschland einzigartigen Zirkus- und Theaterfestival „ZirkArt“. Das vom Jungen Theater Forchheim (jtf) organisierte Festival lockt alle zwei Jahre Zirkus- und Akrobatentalente in die Königsstadt und steht 2025 wieder auf der städtischen Agenda, denn der benötigte Finanzzuschuss ist bereits vom Kulturausschuss bewilligt.
Eine knappe Entscheidung des städtischen Gremiums, die, wenn es nach dem künstlerischen Leiter des Jungen Theaters Martin Borowski geht, viel über die kommende Richtung der städtischen Kultur verrät. „Ich war überrascht, dass die Abstimmung so knapp ausging und so etwas macht einem natürlich schon Sorgen, was andere zukünftige Kulturprojekte in Forchheim angeht“, erzählt Borowski. Dass die finanzielle Unterstützung für 2025 nun aber dennoch steht, freut ihn natürlich trotzdem.
Festival bleibt reduziert
Ähnlich wie auch schon während der 2023er-Ausgabe wird das Festival nochmals in deutlich reduziertem und damit auch günstigerem Rahmen stattfinden. „Wir sind der Stadt in der Planung für 2025 auch schon ein großes Stück entgegengekommen“, erzählt Borowski. Eigentlich wäre das Festival wie in der Vergangenheit gerne wieder im großen Stile in die Forchheimer Innenstadt gezogen, was aber den derzeitig möglichen finanziellen Rahmen gesprengt hätte. So bleibt das ZirkArt ein weiteres Jahr im Rahmen des Kultur-Sommerquartiers erhalten.
Auch die vielen Baustellen, die die Innenstadt weiter plagen, hätten den Planungen für ein großes ZirkArt einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Solange der Paradeplatz und das Rathaus nicht beide fertig sind, bleibt es bei der kleineren Version“, erzählt Borowski. Mit derzeitigem Baustellenende Ende 2026 besteht die Hoffnung auf ein großes ZirkArt in 2027. „Wenn es dann auch die finanzielle Lage zulässt“, so Borowski.
CSU bleibt Kritiker
Und wenn es nach der CSU-Fraktion im Forchheimer Stadtrat geht, ist selbst die reduzierte Version für 2025 noch zu viel. „Es ist nicht sinnvoll, den Zuschuss dieses Jahr zu geben“, erklärt Fraktionsvorsitzender Josua Flierl auf Nachfrage der FT-Redaktion. Um etwa Gebühren und Steuererhöhungen zu vermeiden, hätte man mit der Kürzung des Zuschusses einen Teil des Haushaltsloches schon einmal schließen können.
„Uns ist dabei auch durchaus bewusst, dass mit unserer Entscheidung das Festival dann ausgefallen wäre, aber in solchen Zeiten müssen solche harten Entscheidungen getroffen werden“, so Flierl. Genauso kritisiert der CSU-Vorsitzende die bisherigen Entscheidungen anderer Stadtratsfraktionen. „Rot und Grün wollen eher die Gebühren und Steuern der Bürger direkt erhöhen, wie etwa bei der Hundesteuer, um die Kulturveranstaltungen zu erhalten“, erklärt Flierl.
„Kultur muss mit Einschnitten rechnen“
Generell sieht der künstlerische Leiter des Jungen Theaters erst einmal dunkle Zeiten für die Forchheimer Kulturszene. „In solchen schwierigen Zeiten müssen wir entsprechend mit Einschnitten rechnen“, erklärt Borowski. Neue Kulturprojekte, die mit der Stadt zusammen auf den Weg gebracht werden sollten, müssten dementsprechend auch erstmal zurückgestellt werden. „Wir haben Verständnis, dass an der Kultur gespart werden muss, um essenzielle Sachen weiter zu finanzieren“, so Borowski.
Was das gesamte Junge Theater angeht, ist trotz Sparmandat nicht mit einem kompletten Untergang zu rechnen. „Wir haben ja auch Verträge mit der Stadt, wodurch sich nicht so viel ändern wird“, erklärt Borowski. Gleichzeitig will das jtf nicht stillsitzen und plant schon etwas Neues für Forchheims Kulturszene. „Es wird nächstes Jahr etwas Neues geben, aber dieses Mal ohne Einfluss der Stadt“, verkündigt Borowski.













