HC Erlangen
Die wenigen Profi-Sekunden des Stefan Bauer
Stefan Bauer (re.) spielt meist für den HC Erlangen II (hier gegen Balingens Reserve im Februar 2020).
Stefan Bauer (re.) spielt meist für den HC Erlangen II (hier gegen Balingens Reserve im Februar 2020).
Foto: Zink
Forchheim – Der Forchheimer wartet seit seinem Wechsel vom HC Forchheim zum HC Erlangen auf seine Chancen. Am Donnerstag gelang ihm sein erstes Bundesliga-Tor.

Stefan Bauer macht sich keine Illusionen: „Dass ich jetzt dabei bin, liegt daran, dass wir ein straffes Programm und viele Ausfälle haben“, sagt der Forchheimer in Diensten des Handball-Bundesligisten HC Erlangen. Normalerweise geht Bauer für die zweite Mannschaft des HCE in der 3. Liga auf Torejagd. In den ersten beiden von vier Partien innerhalb von neun Tagen durfte der 24-Jährige aber nach längerer Zeit mal wieder für die Profis ran.

„In Minden waren es nur ein paar Sekunden in der Deckung. Bei den Rhein-Neckar-Löwen etwas mehr“, erzählt der ehemalige Rückraumspieler des HC Forchheim. Auch die direkte Weiterreise nach Leipzig tritt Bauer mit dem dem Team von Trainer Michael Haaß an. Am Samstag sollte er eigentlich wieder bei der U23 aufkreuzen, die nach zuvor einem halben Jahr Spielpause gerade im Ligapokal antritt. „Wir dürfen als Reserve zwar nicht aufsteigen, aber es ist endlich mal wieder Sport auf Wettkampfebene“, sagt Bauer.

Inzwischen entschied sich Haaß anders:

Ob er sich mit den Kurzeinsätzen in der Bundesliga für höhere Aufgaben empfehlen kann, weiß der 24-Jährige nicht, für den Traum des Profihandballers will er aber auch nicht zwingend weg aus Franken. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Außerdem studiere ich in Nürnberg.“

Einzugreifen, wenige Augenblicke, nachdem der Coach das Signal gibt, sieht Bauer als seine momentane Rolle. „Wenn ich gebraucht werde, muss ich da sein. Ich bin natürlich aufgeregt, aber das ist normal.“ Die Zeit zum Aufwärmen vor Anpfiff und in der Halbzeitpause müsse reichen.

So lief das Spiel in Leipzig:

HCE-Teamkollege Nico Büdel trug am Dienstagabend bei GWD Minden unfreiwillig seinen Teil dazu bei, dass Stefan Bauer zum Einsatz kam. Durch die umstrittene rote Karte gegen den 31-jährigen Routinier dezimierte sich die Auswahl für Haaß schon vor dem Seitenwechsel weiter.

Von außen hatte Büdel den Forchheimer gut im Blick: „Er ist ein muskulöser Riese und stellt schon etwas dar. Gerade in dieser Phase kann er uns gut entlasten. Da er relativ spät mit dem Handball begonnen hat, sehe ich bei ihm noch Entwicklungspotenzial.“

Am Sonnerstag in Leipzig gelang Bauer sogar sein erstes Profi-Tor. Zwar kassierte er auch zwei Zwei-Minuten-Strafen, doch der Forchheimer überzeugte zumindest so weit, dass er auch am Pfingstsonntag im Kader des Bundesligisten steht. Simon Jeppsson lobte seinen Rückraumkollegen hinterher und entschuldigte seine Strafen: „Er ist unser kleiner Hulk. Ich kann verstehen, dass es wehtut, wenn man gegen eine Wand rennt. Er hat die Physis und den Charakter, um sich bei uns zu behaupten.“