Medwork-Triathlon in Höchstadt, es ist der 11. September 2017. Eine Schwimmerin hat im Becken eine Panikattacke, hält sich an der Leine fest und ruft gegen die Musik um Hilfe. Sofort springt Carsten Wink ins Wasser, beruhigt die Teilnehmerin und bleibt bei ihr, bis sie von den Helfern der Wasserwacht an Land gebracht wird. Der 57-Jährige ist bei der Veranstaltung weder als Sanitäter abgestellt, noch ist er Zuschauer oder ein auf seinen Start wartender Konkurrent. Nein, Carsten Wink ist der Moderator.
Farbe der Badehaube hilft
Für diese Aufgabe hat er zig Namen im Kopf, dutzende Zahlen auf seinem Notizzettel. Die durchs Wasser peitschenden Triathleten gilt es, anhand ihrer verschiedenfarbigen Badehauben auseinanderzuhalten. Dennoch behält Wink den Überblick – und erspäht die untergehende Frau. „Ihr ging es schnell wieder gut. Später hat sie zu mir gesagt: ,Als ich heute Morgen aufgewacht bin, hätte ich nicht gedacht, dass mich der Moderator aus dem Becken fischen muss’“, erzählt Wink.
Dass er die Teilnehmerin so schnell erreichte, verdankt er seinen eigenen Schwimmfähigkeiten. Denn Wink ist selbst Triathlet. Als er vor 20 Jahren aus Bergkamen im Ruhrgebiet kommend über seinen Frankfurter Arbeitgeber in Forchheim landet, wo er ein Projekt für Siemens betreut, wird er hier sesshaft und meldet sich beim SSV Forchheim an, findet bei den Schwimmern schnell Anschluss, später kommen die anderen beiden Disziplinen hinzu. „Ich wurde hier als fremde Gosche von Anfang an aufgenommen“, sagt er dankbar.
Mindestens genauso viel Energie wie ins Kraulen, Strampeln und Joggen steckt Wink in seinen Job als Moderator. „Die meisten Teilnehmer wollen angefeuert werden. Inzwischen mache ich das automatisch“, berichtet Wink. Was ihm dabei zugutekommt: Durch seine Vernetzung in der Szene kenne er viele Athleten bei „seinen“ Rennen, wie dem Brauereienlauf im Kreis Bamberg und dem Herzoman in Herzogenaurach persönlich. „Ich weiß, welche Verletzungen sie hatten, wo sie im Trainingslager waren, ihre Bestzeiten.“
Für den ersten Forchheimer Stadttriathlon im neuen Format im Jahr 2012 rückten Stefan und Maria Leidenberger an vorderste Front des Orgateams. „Für sie stand nach einem Planungstreffen fest, dass ich moderieren muss. Und ich habe mich nicht gewehrt“, erinnert sich der 57-Jährige an seine ersten Erfahrungen. „Damals war ich noch viel nervöser als heute.“
WM-Siegerin bei Challenge Roth getroffen
Seine eigene Triathlon-Karriere ist weniger von Spitzenzeiten geprägt. Winks Motto lautet, dass jeder ein Gewinner sei, der das Ziel erreiche. Dennoch waren viele Blicke auf ihn gerichtet, als er 2009 die Challenge in Roth absolvierte. Verantwortlich war Frauensiegerin und einstige Hawaii-Gewinnerin Chrissie Wellington, die ihm dort ein Bier reichte – mehr als fünf Stunden, nachdem sie selbst angekommen war.
Wie es dazu kam? „Am Vortag habe ich sie beim Rad-Check-in gesehen und nach einem Foto mit ihr gefragt. Im Laufe des Gesprächs habe ich ihr erzählt, wie nervös ich beim Rennen sein werde. Um mich zu motivieren, versprach sie mir, im Ziel auf mich zu warten. Auf der Radstrecke sind wir uns zufällig im Gegenverkehr begegnet, ich rief ihr spaßeshalber zu, dass sie mit einem Bier auf mich warten soll. Und sie hat es tatsächlich getan.“
Carsten Wink als Moderator empfohlen
Später schlüpfte Carsten Wink, der seit sechs Jahren in Erlangen wohnt, bei dem größten Sportevent Frankens in die Moderatorenrolle. Eine ihm bis heute nicht bekannte Person muss ihn ins Gespräch gebracht haben, vermutet er und sagt: „Es ist eine schöne Anerkennung, wenn man von Athleten für so einen Job empfohlen wird.“
Auch im Jahr 2023 wurde der 57-Jährige „angeschwärzt.“ „Irgendjemand muss meinen Namen fallen lassen haben.“ Denn plötzlich bekam er einen Anruf aus Berlin. Die Organisatoren für die Special Olympics fragten an. Und für Wink war sofort klar: Beim größten Sportereignis für Menschen mit geistiger Behinderung will er dabei sein.
Dabei ist noch nicht einmal klar, welche Rolle er bei der Veranstaltung übernehmen soll, die vom 17. bis 25. Juni zum ersten Mal in Deutschland stattfindet. „Ich weiß bislang nur, dass ich im Media-Team bin, das unter anderem die Moderatoren stellt, sich aber auch um die Vertreter der Presse für die weltweite Berichterstattung kümmert.“
Stadttriathlon Forchheim ohne Wink?
Für die anstehende Aufgabe – egal welche – verzichtet er sogar auf sein „Baby“, den Forchheimer Stadttriathlon. Denn der Wettkampf, bei dem Winks Moderatorenkarriere begann, steigt am 18. Juni. „Es wäre das erste Mal, dass ich fehle. Da blutet mir das Herz.“ Eine kleine Chance gibt es jedoch: „Wenn ich es irgendwie einrichten kann, fahre ich am Samstagabend von Berlin nach Hause und nach dem Stadttriathlon am Sonntagabend direkt zurück.“













