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Wetter, Größe, krummes Tor
Wann führen äußere Umstände zum Abbruch?
Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Pegnitzgrund: Luca Fritsch. // Uwe Kellner
Signet des Fränkischen Tags von Uwe Kellner
Landkreis Forchheim – Unerwartete Spielabbrüche sorgen immer wieder für Aufregung. Wann der Abbruch gerechtfertigt ist und was dann passiert, erklärt ein Lehrwart.

Wenn Platz, Wetter oder äußere Bedingungen nicht mitspielen, muss ein Spiel im Amateurfußball unterbrochen oder sogar abgebrochen werden. Wann das zulässig ist und wie Schiedsrichter vor Ort entscheiden, erläutert Luca Fritsch, Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Pegnitzgrund. Er erklärt die wichtigsten Regelgrundlagen und schildert typische Situationen aus der Praxis.

Dass ein Schiedsrichter ein Spiel nicht anpfeift oder eine laufende Partie abbrechen muss, ist im Amateurfußball keine Seltenheit. Oft ist jedoch unklar, welche äußeren Faktoren zu einer solchen Entscheidung führen dürfen. Luca Fritsch, seit 2021 Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Pegnitzgrund, erklärt die wichtigsten Regelgrundlagen und schildert typische Situationen aus der Praxis. Die Spielordnung bietet klare Leitlinien, doch die letztverantwortliche Entscheidung trifft immer der Schiedsrichter vor Ort.

In seiner eigenen aktiven Laufbahn musste Fritsch nur selten eingreifen. „Das ist bei mir tatsächlich erst zwei Mal vorgekommen“, sagt er. Einmal musste er ein Jugendspiel abbrechen, weil dichter Nebel plötzlich die Sicht unmöglich machte. Ein anderes Ereignis erlebte er als Assistent in der Kreisliga, als ein Gewitter das Spiel zunächst stoppte. „Nach einer Wartepause konnte damals aber weitergespielt werden.“ Gerade bei Wetterlagen gilt ein klares Prinzip: unterbrechen, Sicherheit herstellen, abwarten – und erst abbrechen, wenn die Gefahr anhält.

Entscheidend sind Sicherheit und Regelkonformität

Ob ein Spiel angepfiffen werden kann, entscheidet sich vor allem über die Beschaffenheit des Platzes. „Die Spielordnung ist da eindeutig: Ist die ordnungsgemäße Austragung nicht gewährleistet oder die Gesundheit der Spieler gefährdet, darf das Spiel nicht stattfinden“, zitiert Fritsch aus § 63 der SpO. Da bewusst keine exakten Messwerte – etwa zur Tiefe von Löchern oder zum Grad der Nässe – vorgegeben sind, muss der Schiedsrichter die Lage eigenständig beurteilen. Abweichende Einschätzungen bei ähnlichen Bedingungen sind daher normal. „Ausschlaggebend ist, ob ein sicherer und fairer Spielbetrieb möglich ist.“

Auch während einer Partie kann sich der Zustand des Spielfelds drastisch ändern. Setzt starker Regen ein oder bildet sich Matsch, kann ein Platz innerhalb weniger Minuten unbespielbar werden. „Dann schreibt die SpO vor, dass das Spiel zu unterbrechen oder abzubrechen ist, wenn das Spielfeld unbespielbar wird“, so Fritsch unter Verweis auf § 66. Zunächst werde immer unterbrochen und rund 30 Minuten gewartet. Erst wenn sich die Situation nicht verbessert, folgt ein Abbruch.

Wenn eine Mannschaft nicht mehr weiterspielen möchte

Gelegentlich kommen Teams in der Halbzeitpause zum Schiedsrichter und äußern Sicherheitsbedenken – manchmal auch, weil sie sportlich zurückliegen. Fritsch stellt klar: „Ich höre mir das an, entscheide aber allein.“ Weigert sich ein Team trotz Fortsetzungsanordnung weiterzuspielen, entsteht ein verschuldeter Spielabbruch mit entsprechenden Konsequenzen. „Ich dokumentiere das, breche ab und das Sportgericht entscheidet über die Wertung.“

Platzwechsel nur in Ausnahmefällen zulässig

In vielen Vereinen stehen ein A- und ein B‑Platz zur Verfügung. Dennoch kann ein laufendes Spiel fast nie einfach auf ein anderes Feld verlegt werden. „Ein verbindlicher Platzwechsel ist nur zugelassen, wenn wegen Dunkelheit oder Flutlichtausfall nicht mehr weitergespielt werden kann“, erklärt Fritsch. In solchen Fällen kann der Schiedsrichter anordnen, dass auf einen abgenommenen Alternativplatz gewechselt wird.

Bei wetterbedingten Problemen ist das anders: Hier dürfen Spiele nur fortgesetzt werden, wenn beide Mannschaften einem Wechsel zustimmen. Verweigert ein Team die Zustimmung, bleiben nur Abwarten oder Abbruch.

Gewitter, Nebel, schlechte Sicht – klare Grenzen

Besonders bei Gewitter müssen Schiedsrichter schnell handeln. „Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen, wird sofort unterbrochen“, so Fritsch. Erst wenn eindeutig keine Gefahr mehr besteht, kann weitergespielt werden. Gleiches gilt für Nebel: Sobald wesentliche Spielsituationen – Strafraum, Torraum, Ballaktionen – nicht mehr klar zu erkennen sind, ist zu unterbrechen. Klärt sich die Sicht nicht, wird abgebrochen.

Auch beim Flutlicht ist die Lage klar: Reicht die Beleuchtung nicht aus, um Spieler, Ball und Linien sicher zu erkennen, darf gar nicht erst angepfiffen werden. Fällt die Beleuchtung während der Partie aus, wird unterbrochen und, sofern möglich, auf einen beleuchteten Alternativplatz ausgewichen.

Spielfeldmaße und Beanstandungen – was gilt wirklich?

Selten kommt es vor, dass Gastmannschaften die Spielfeldgröße beanstanden. Als Schiedsrichter kann man das Problem zwar registrieren, aber nicht selbst entscheiden. „Ein Platz, der im SpielPlus eingetragen und vom Bezirk abgenommen wurde, gilt als zugelassen“, sagt Fritsch. Natürlich könne ein Verein selbst messen, auch unter den Augen des Schiedsrichters. Verbindlich zuständig seien aber Spielleiter und Sportgericht. Gespielt wird dennoch. Beschwerden müssen vor dem Spiel erfolgen; werden sie erst nach Abpfiff geäußert, bleibt das Ergebnis bestehen. Vereine können anschließend den Spielleiter oder das Sportgericht einschalten.

Krumme oder beschädigte Tore: ein Sonderfall

Anders verhält es sich beim Torbau. Tore können sich im Spiel verschieben oder beschädigen – ein Fall für die Kategorie „ernsthafte Störungen“. „Wenn ein Torwart sagt, sein Tor sei schief oder zu groß, muss ich das prüfen“, sagt Fritsch. Kann der Mangel vor Spielbeginn nicht behoben werden, darf das Spiel nicht angepfiffen werden. Tritt der Defekt während des Spiels auf, wird unterbrochen. „Lässt sich das Problem nicht beheben, muss abgebrochen werden.“ Tore können sich tatsächlich verändern, deshalb werden sie auch während der Partie kontrolliert.

Ratschlag des Lehrwarts: Ruhe bewahren und klar kommunizieren

Zum Schluss gibt Fritsch seinen Kolleginnen und Kollegen einen wichtigen Rat: „Wenn man unsicher ist, gilt immer: Sicherheit vor Spielbetrieb.“ Eine klare Kommunikation mit beiden Teams helfe, Situationen einzuordnen und Druck zu nehmen. Der Wunsch der Mannschaften könne gehört werden, sei aber nicht entscheidend. „Am Ende zählt allein, ob die Bedingungen ein sicheres und faires Spiel zulassen.“

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