Ich liebe diese illustrierten Sprüche-Postkarten, kennen Sie die?
Unser Kühlschrank hängt voll davon. Eine meiner liebsten zeigt zwei Schafe. Das eine fragt motiviert einen Hügel hinauf laufend: „Mäh?“, worauf das andere sichtlich mit sich einverstanden im Grase fläzend antwortet: „Nö!“.
Das Herrliche an derlei Tiergeschichten ist das Fabelhafte, der tiefsinnige Verweis auf die Realität. Auch und gerade, wenn diese Realität nicht dem Wunschbild des Rezipienten entspricht.
Schaf 1: die Wähler, Schaf 2: die AfD
Stellen wir uns vor, der nett kolorierte Hügel auf dieser Postkarte steht für ein Umfragehoch. Etwa eins, mit der sich die in weiten Teilen rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland (AfD) aktuell selbst gerne in den abendländischen Himmel lobt.
Stellen wir uns weiter vor, das auf diesen Hügel zusteuernde Frage-Schaf („Mäh?“) sei die nicht außer Acht zu lassende Wählerschaft, die im März 2020 mit Dominik Pflaum und Alexander Bär zwei AfDler in den Forchheimer Kreistag wählte.
Auch jene will natürlich hin und wieder wissen, wie ihr damaliger Stimmenfang die so verhasste Politik der „Etablierten“ seither aufmischt. Die Antwort lautet ernüchternd: gar nicht. Treffend dargestellt von dem zweiten Postkarten-Schaf, das träge und hochnäsig der Dinge harrt („Nö!“).
Forchheimer Rechte und der Phlegmatismus
Und doch dürfen wir uns nicht blenden lassen von derlei Phlegmatismus. Vielleicht sind die Forchheimer Rechten einfach nicht so laut wie ihre Parteifreunde aus den täglichen Schlagzeilen, vielleicht steckt in dem einen oder anderen Schlafschafspelz doch ein hinterlistiger Wolf, wie ihn die Märchenwelt so gerne zeichnet.
So oder so, dem himmelblauen Gepolter gegen Minderheiten, Medien und Demokratie lauschen oder in der Mittagssonne auf einen Hügel spazieren, uns erwartet in beiden Fällen dasselbe: nur heiße Luft.
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