Keiner klatscht mehr. Der Corona-Gesellschaft scheint die Lust zu fehlen, den Pflegekräften ihre rhythmische Solidarität auszudrücken. Oder die Kraft? Zu nah erreichen die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gerade das Leben in Deutschland. Und doch rückt mit den steigenden Inzidenzen wieder eine Frage aufs Tableau, die kurzzeitig aus dem Blick geraten ist. Können wir unserer medizinischen Versorgung noch trauen?
Politik hat Pflegenotstand auf Agenda: Keine Lösung
Seit Jahren haben sich verschiedene Bundesregierungen die Lösung des Pflegenotstands auf die Agenda geschrieben. Ihnen fehlenden Enthusiasmus vorzuwerfen, wäre zu einfach. Und falsch. Aber dennoch haben sich die Zustände eher verschlimmert denn verbessert. Was im normalen Medizin-Alltag nur in einigen Einzelfällen auffallen mag, hat die Corona-Pandemie schonungslos offengelegt. Es gibt zu wenig Personal in beinahe allen medizinischen Bereichen. Lösung: Fehlanzeige.
Dass die Kliniken spätestens mit der verbindlichen Einführung der Fallkostenpauschalen im Jahre 2003 zum großen Teil privatwirtschaftlich agieren müssen, hat dem medizinischen Standard in Deutschland darüber hinaus mehr geschadet als genützt. Seither schreiben viele Häuser Verluste, die sie über die Einsparung von Kosten in den Griff bekommen müssen. Und stärkster Kostentreiber ist in aller Regel: das Personal.
Missstand im Pflegebereich angekommen
Den Missstand merken vor allem Patienten schon jetzt vor allem im Pflegebereich. Und die Lage wird sich zuspitzen. Laut des aktuellen Barmer-Pflegereports werden im Jahr 2030 etwa 146.000 Pflegekräfte gebraucht. Hinzu kommt, dass andere Sparten wie Altenpflege oder ambulante Pflegedienste ebenfalls nach Fachpersonal lechzen.
Die Probleme so schnell und nachhaltig wie möglich anzugehen, muss oberste Priorität der Politik sein. Bislang verstecken sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und sein Kabinett noch hinter dem Corona-Krisenmodus. Diese Ausrede werden wir uns aber nicht mehr lange leisten können.
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