Corona ist längst nicht vorbei. Im Gegenteil. Lockerungen politischer Maßnahmen und das Frühlingswetter können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pandemie den Alltag der Menschen wieder zunehmend bestimmt – gerade im Gesundheitssektor. Wie in vielen Regionen in Deutschland erreicht das aktuelle Inzidenz-Rekordhoch auch die medizinische Versorgung im Landkreis Forchheim. Noch sprechen die Verantwortlichen nicht von einem Kollaps, zeigen sich aber in Alarmbereitschaft.
3541. So hoch meldet das Robert Koch-Institut am Mittwoch die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis. Etwas niedriger zwar als in den vergangenen Tagen. Aber alleine seit dem Wochenende bis zum Mittwoch sind fast 1500 Infektionen registriert worden. Nicht wenige davon müssen im Krankenhaus behandelt werden.
Aktuell liegen laut Angaben von Sven Oelkers, Geschäftsführer des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz, 30 mit Corona infizierte Patienten auf der sogenannten Corona-Normalstation. Und ständig kämen neue hinzu. „Das ist über eine Dauer von fünf Tagen der höchste Stand seit Ausbruch der Pandemie 2020“, so Oelkers.
Volle Intensivbetten, kein Personal
Zwei Corona-Patienten müssen aktuell intensiv betreut werden, einer beatmet. Nun sind die Intensivstationen schon im Normalbetrieb mit Schlaganfällen oder Motorradunfällen beschäftigt. So meldet das Intensivbettenregister Divi, dass aktuell nur eins der zehn Intensivbetten frei ist. Doch selbst wenn alle Betten frei sein sollten, gibt es ein ganz anderes, sich seit Jahren verschärfendes Problem: fehlendes Personal.
Von den knapp 770 medizinischen Mitarbeitern in den Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt ist derzeit fast jeder dritte nicht im Dienst. Wegen Urlaub und Erkältungen, aber auch wegen Corona. „Wir sehen ja auf den Krankschreibungen nicht die Diagnose“, erklärt Oelkers. „Aber der Krankenstand ist im Moment etwa doppelt so hoch wie normal.“ Die Ausfälle finden sich in allen Bereichen und Berufsgruppen, treffen aber besonders die Pflege.
Immerhin: Abteilungen mussten bisher noch nicht geschlossen werden. So beruhigt der Klinik-Chef, dass sich die Patienten keine Sorgen machen müssten, die Notfallversorgung sei auf jeden Fall sichergestellt.
Operationen werden wieder verschoben
Und jetzt das Aber. Abstriche gebe es noch und wieder bei geplanten Operationen, die als nicht dringend eingestuft werden. „Leider mussten durch das Auf und Ab der Fallzahlen und teilweise durch die Vorgaben der Regierung geplante OP-Termine mehrmals verschoben oder kurzfristig abgesagt werden.“ Manche der Patienten reagierten darauf mit Unverständnis. Auch wenn sie etwa später als gedacht entlassen werden, weil Nachsorger wie etwa Rehabilitationszentren oder Transportdienste keine Kapazitäten haben. Auch hier: Personalmangel.
Rettungsdienste appellieren an Bevölkerung
So appellierte etwa der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) dieser Tage erst an die Bevölkerung, die Schutzmaßnahmen gegen Corona so ernst wie möglich zu nehmen. „Die Krise ist bei uns in den Rettungsdiensten angekommen“, sagt ZRF-Geschäftsführerin Christine Feldbauer.
„Uns geht es nicht anders als den Kliniken: Wir müssen mehr Patienten bedienen, haben aber immer weniger Personal zur Verfügung.“ Etwa 15 bis 20 Corona-Transporte habe es im Zuständigkeitsbereiche Bamberg-Forchheim in den vergangenen Wochen gegeben – pro Tag. Hinzu reißen Krankheitsfälle Lücken in den Dienstplan. „Dass kein Rettungsdienst mehr kommt, wird nicht passieren. Aber die Wartezeiten für manche Transporte steigen wohl an.“
Nur, was tun gegen den Personalmangel? Die Forchheimer Kliniken setzen auf Ausbildungsoffensive, die Kapazität wurde von 45 auf 60 Auszubildende erhöht. Kurzfristig aber ist der Klinik-Chef auf sein Stammpersonal angewiesen. Die Pandemie und damit ihr weiterer Verlauf sei nicht planbar, sagt er. Dass sich die Lage an den Kliniken und im Gesundheitswesen weiter zuspitzt, ist jedoch nicht ausgeschlossen.
Kommentar des Reporters Stephan Großmann:














