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Von Syrien in die Fränkische
Neuanfang zwischen Flüchtlingsheim und Hoffnung
Ali Al Dahhak pendelt für seinen Sprachkurs mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Streitberg nach Forchheim.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ali Al Dahhak pendelt für seinen Sprachkurs mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Streitberg nach Forchheim. // Katharina Steinhäuser
Streitberg – Regelmäßig kommen Geflüchtete vom Ankerzentrum nach Forchheim. Ali Al Dahhak ist einer von ihnen. Wie er die Situation in den Unterkünften erlebt hat und wie sein Alltag aussieht.

Ali Al Dahhak hat sein Smartphone fest im Blick. Seine Schwester habe heute ein Kind bekommen, erzählt der 32-Jährige und zeigt stolz ein Bild des Neugeborenen. Kennenlernen wird Al Dahhak seine Nichte erstmal nicht.

Seit Oktober 2022 ist er in Deutschland, seine Familie lebt noch in Syrien. Keine leichte Situation. „Mein Sohn wird bald vier Jahre alt“, erzählt Al Dahhak. Ein ganzes Jahr sei er schon von ihm getrennt.

Der 32-Jährige lebt – wie rund 1800 Asylsuchende – in einer Unterkunft im Landkreis Forchheim. Weitere 110 Geflüchtete werden im Oktober aus der ANKER-Einrichtung Oberfranken (AEO) in Bamberg nach Forchheim kommen. Das erklärt Frithjof Dier, Geschäftsbereichsleiter Kommunale und Soziale Angelegenheiten, ÖPNV beim Landratsamt.

Die Situation ist angespannt. Professionelle und ehrenamtliche Helfer sind überlastet. Deshalb hatte zuletzt die Caritas Alarm geschlagen.

Unterkunft: Zu dritt in einem Zimmer

Auch Ali Al Dahhak wurde von der AEO nach Forchheim verlegt. Seit April wohnt er in einer Unterkunft in Streitberg. Dort teilt er sich das Zimmer mit zwei anderen Bewohnern. Am Anfang habe er im Erdgeschoss gewohnt. Hier hätten manche Räume keine Türen gehabt, sondern seien nur mit einer Decke abgehangen gewesen. Privatsphäre Fehlanzeige. Auf Nachfrage habe er erfahren, dass das aus Feuerschutzgründen so sein müsse.

„Du kannst dir den Stress und die Depression nicht vorstellen, wenn alle Menschen – ich mag es nicht, sie Flüchtlinge zu nennen – in das Heim kommen und mit der Realität konfrontiert werden, dass sie dort erstmal bleiben müssen“, sagt Al Dahhak.

Natürlich sei er dankbar. Die deutsche Regierung versuche ihr Bestes, um Unterkünfte bereitzustellen. Auch die Mitarbeiterinnen der Caritas seien eine gute Hilfe. „Aber manchmal denke ich, die Situation ist wirklich schlecht“, fügt er hinzu.

Ankerzentrum BambergForchheim & Fränkische Schweiz
Im Ankerzentrum in Bamberg sind aktuell 2772 Geflüchtete untergebracht (Stand 25.09.) // Katharina Steinhäuser

Über seine Zeit in Bamberg und das Leid dort will der 32-Jährige am liebsten gar nicht sprechen. „Stell dir eine Gesamtzahl von 2500 Menschen vor, die in einem geschlossenen Bereich gehalten werden. Keine Aktivitäten. Nur Essen und schlafen“, zeichnet Al Dahhak ein Bild. Er wolle sich nicht anmaßen, das Vorgehen zu kritisieren, aber er halte es für falsch. Die AEO sei eine „Zeitbombe“.

Einen kleinen Vorteil habe seine Zeit in Bamberg allerdings gehabt, denn im Camp habe er dank seiner Englischkenntnisse als Übersetzer gearbeitet. Sein Tag sei voll gewesen. „Von da in ein kleines Dort wie Streitberg zu ziehen, hat mich sehr geschockt“, sagt Al Dahhak. Drei, vier Monate lang habe er nichts für seine Zukunft tun können.

Deutsch lernen in Eigenregie

Seit August darf er einen offiziellen Deutschkurs besuchen. Da er vorher schon selbstständig Deutsch gelernt habe, sei er gleich im Level A2 eingestiegen, erzählt der 32-Jährige. Für den Sprachkurs pendelt Al Dahhak mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Streitberg nach Forchheim. Dadurch ist er rund sieben Stunden am Tag unterwegs.

„Ich hatte zwei Jobs und zwei Abschlüsse in Syrien“, sagt Al Dahhak. Er habe im Schichtsystem im technischen Bereich in den Öl- und Gasfeldern und als Englischlehrer gearbeitet. Da er fließend Englisch und relativ gut Deutsch spricht, hilft er anderen Geflüchteten bei Arztbesuchen oder beim Anwalt.

Trotz der Umstände fühlt Al Dahhak sich in der Region wohl. Die Streitberger habe er bisher als sehr freundlich erlebt. Manchmal, wenn er auf den Bus warte, würden ihn Leute im Auto mitnehmen. Ihm sei bewusst, dass es auch Geflüchtete gebe, die Probleme machen. Der schlechte Ruf einiger würde hier aber den der anderen Menschen überschatten.

Asylverfahren erfordert Geduld

Al Dahhak ist von Syrien mit dem Auto und zu Fuß über Länder wie die Türkei, Bulgarien und Tschechien nach Deutschland gekommen. „Eine schwierige und harte Erfahrung“, sagt er. Aber das sei es wert gewesen. Damit er in Deutschland richtig ankommen kann, wartet der 32-Jährige zum Zeitpunkt des Gesprächs noch auf seinen Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Den braucht er zum Beispiel, um in eine Wohnung ziehen zu dürfen. Auch zum Arbeiten ist in der Regel der Bescheid vom Amt nötig.

Warum das Verfahren so lange dauert, dazu schreibt ein Sprecher des Bamf: „Asylsuchende sollen grundsätzlich so schnell wie möglich Gewissheit darüber erhalten, ob sie in Deutschland ein Aufenthaltsrecht und damit eine Perspektive haben.

Jedes Asylverfahren stellt jedoch einen Einzelfall dar, der individuell geprüft und entschieden wird.“ Insbesondere „Herkunftsland, Gesundheitszustand oder Verfügbarkeit und Validität von Ausweisdokumenten“ würden sich auf die Bearbeitungszeit auswirken. Komplexere Verfahren würden umfangreiche Recherchen, Anfragen beim Auswärtigen Amt oder medizinische Gutachten erfordern.

Immerhin stehen die Chancen grundsätzlich nicht schlecht. Zwischen Januar und August seien rund die Hälfte aller Asylentscheidungen  positiv ausgefallen, heißt es vom Bamf.  Bei Asylanträgen syrischer Staatsangehöriger liege die Quote bei 85 Prozent.

Warten auf den Neuanfang

Al Dahhak erzählt, er habe vor vier Monaten eine Mail an das Bamf geschrieben. Nach drei Monaten sei die Antwort gekommen: Er solle abwarten und sich gedulden. „Also mache ich das jetzt“, sagt der 32-Jährige. Er hofft, dass der Bescheid bald kommt und er einen Job in der Industrie anfangen kann.

Damit auch seine Frau irgendwann beruflich schneller Fuß fassen könne, lerne sie in Syrien bereits Deutsch. „Ich hoffe, wenn sie kommt, können wir unser Leben zusammen beginnen“, sagt Al Dahhak. 

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