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Rabbel Zabbel
Jobverlust wegen Kita-Mangel: Forchheimer Mutter verzweifelt
Arzthelferin muss wegen Betreuungsmangel kündigen.
Arzthelferin muss wegen Betreuungsmangel kündigen. // Andreas Wolfger
Forchheim – Ein fehlender Betreuungsplatz zwingt eine Forchheimer Mutter zur Aufgabe ihres Jobs in einer Arztpraxis. Grund ist die Schließung der Kindergartengruppe bei Rabbel Zabbel.

Anja Augsten ist stolze Mama von drei Kindern und arbeitet seit etwa einem halben Jahr in einer Forchheimer Facharztpraxis – bald ist sie möglicherweise jedoch wieder arbeitslos. Grund hierfür ist nicht, dass sie sich etwas zuschulden kommen lassen hat. Ihr Arbeitgeber, Neurochirurg Marc Schmidt, Chef des Forums Wirbelsäule in der Forchheimer Krankenhausstraße, würde sie eigentlich gerne weiterbeschäftigen. Seit dem Aus der Kindergartengruppe in der Forchheimer Kita „Rabbel Zabbel“ ist Augsten aber auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihr jüngstes Kind. Bislang vergeblich.

Schon überall angerufen

„Unsere Nerven liegen blank“, erklärt die dreifache Mutter. Bereits seit Wochen versuche sie einen neuen Kitaplatz zu finden, rufe diesbezüglich auch regelmäßig in der Stadt und beim Jugendamt an. Darüber hinaus habe sie auch schon alle Einrichtungen in der Region abgeklappert, die infrage kämen. „Wir sind überall inzwischen namentlich bekannt“, berichtet sie. Getan habe sich für sie bislang jedoch nichts – außer dass sie das Gefühl habe, dass die Mitarbeiter der Verwaltungen inzwischen von ihren Nachfragen genervt seien. „Ich wage mich kaum noch, mich dort zu melden“, betont die Mutter.

Als die Gruppe aufgelöst wurde, befand sich ihr Sohn gerade im Übertritt von der Krippe in den Kindergarten. „Wir hatten schon einen Betreuungsvertrag mit dem Träger unterschrieben“, erklärt sie. Daraus wird nun jedoch noch nichts. Spätestens ab August ist er aber zu alt für die Krippe.

Kein Betreuungsplatz – keine Arbeit

Zwar hätten die meisten Rabbel Zabbel-Kinder inzwischen ein passendes Betreuungsangebot erhalten. Ihr dreijähriger Sohn gehöre jedoch nicht dazu. „Es fühlt sich für uns an, als seien wir irgendwie durch das Raster gefallen“, berichtet Anja Augsten. So wie ihr gehe es noch mindestens zwei weiteren Familien.

Inzwischen sei es für sie an der Zeit, Konsequenzen aus der vergeblichen Suche zu ziehen. „Wenn ich keine Betreuung finde, muss ich meinen Beruf wieder aufgeben“, erklärt sie. Dies habe sie auch bereits mit ihrem Chef besprochen – der von der Situation alles andere als begeistert sei.

Folgen für Patienten

„Ich habe lange jemanden passenden für meinen Empfang und für das Terminmanagement gesucht“, erklärt Schmidt. Mit Anja Augsten habe er endlich jemanden gefunden. Wenn sie nun wieder gehen müsse, wäre das für ihn ein großes Problem. „Wir sind eine kleine Praxis“, erklärt er. Da sei jedes Teammitglied wichtig. „Ich kann nicht schon wieder jemand neues einlernen“, betont er. Falle die junge Mutter weg, käme es zu einer unheilvollen Kettenreaktion. So müsse er sich vorerst wohl selbst um die Terminvergabe kümmern. Das würden hunderte Senioren und Schmerzpatienten in der Region zu spüren bekommen, für die er deswegen weniger Zeit habe.

Und all das geschehe nur, weil die Stadt nicht in der Lage sei, ausreichend Betreuungsplätze bereitzustellen. „Es ist in meinen Augen ein Unding, dass jemand, der Arbeiten will, aus diesem Grund davon abgehalten wird“, erklärt der Arzt. Dabei habe die Familie Augsten doch einen Anspruch auf Betreuung, so sehe es der Gesetzgeber vor. Dass es nicht genug Plätze gebe, sei nicht nur für Eltern, sondern auch für Arbeitgeber ein riesiges Problem. Das interessiere bei der Stadt aber offenbar niemanden, erklärt der Arzt.

Keiner fühlt sich verantwortlich

„Es wirkt fast so, als ob der Stadt unsere Situation egal ist. Die haben einige Kinder untergebracht und denken nun, dass es alles vorbei ist“, berichtet die Mutter. Immer wenn sie bei den zuständigen Stellen angerufen habe, habe man ihr dort einen baldigen Rückruf versprochen. Dazu gekommen sei es bislang jedoch nie. Updates und Informationen über den Stand der Suche erhalte sie immer nur, wenn sie selbst nochmal anrufe. Oftmals werde sie nur von einer Stelle zur anderen verwiesen. Keiner fühle sich verantwortlich.

So habe ihr jüngst eine Mitarbeiterin der Stadt mitgeteilt, dass sie, falls sich überhaupt kein Platz finden lasse, möglicherweise Ansprüche auf alternative Leistungen habe. Diesbezüglich solle sie sich an das Jugendamt wenden. Dort habe man ihr jedoch wiederum erklärt, dass sie sich derartige Ansprüche bei der Stadt einklagen müsse.

Einklagen keine Option

„Welcher normal denkende Bürger hat für sowas denn die Zeit, das Geld und die Energie?“, erklärt Augsten. Zudem helfe ihr eine Klage in ihrer aktuellen Situation keinen Schritt weiter. Dem stimmt auch ihr Chef zu. „Wenn das Gericht seine Entscheidung trifft, dürfte das Kind schon reif für die Schule sein“, betont er. Ein solcher Vorschlag sei absolut realitätsfern.

Zwischenzeitlich habe es einen kurzen Lichtblick gegeben – eine Einrichtung habe mitgeteilt, Augstens Sohn möglicherweise übernehmen zu wollen. Hierfür wäre jedoch eine Erlaubnis zur Überbelegung durch die Stadt nötig. Diese sei offenbar bislang jedoch auch noch nicht erteilt worden.

Kündigung kam zu kurzfristig

Verärgert ist die Mutter nicht nur über die Stadt, sondern auch über die Betreiberin von „Rabbel Zabbel“. „Die hat uns viel zu kurzfristig mit einem Zettel im Umkleidefach informiert“, erklärt Augsten. Dass dies aus Sicht des Trägers nicht zuvor absehbar gewesen wäre, glaubt sie nicht. Wäre die Lage bereits im Vorfeld klarer kommuniziert worden, hätte man die Kinder vermutlich leichter in anderen Einrichtungen unterbringen können.

Das sagt die Stadt Forchheim zu den Vorwürfen

„Bei der Kita Rabbel Zabbel handelt es sich um eine private Kita, nicht um eine städtische Einrichtung", erklärt die Stadt Forchheim auf Nachfrage. Dennoch habe sich die Stadt Forchheim bis heute intensiv um die Familien bemüht, die von der Schließung betroffen seien. „Dazu haben wir von unserer Seite aus mit allen betroffenen Familien schriftlich und telefonisch Kontakt aufgenommen und nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht", heißt es weiterhin. Dies auch mit großem Erfolg, denn man habe den Kindern ab sofort oder spätestens zum September in verschiedenen Einrichtungen einen neuen Betreuungsplatz anbieten können. Selbstverständlich werde bei der Vermittlung von Plätzen die soziale Situation der Familien berücksichtigt.

„Wo dies noch nicht geklappt hat, bemühen wir uns weiter", versichert man. Dennoch könne die Stadt nicht eigenmächtig entscheiden, dass eine Einrichtung überbelegt werde. Diese Entscheidung liege beim zuständigen Jugendamt und stehe in einigen Fällen möglicherweise noch aus. Es besteht also noch Hoffnung für Familie Augsten.

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