Sein Denkmal hat er sich noch selbst gesetzt. Die Wässerwiesen im Landkreiskreis sind von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit ausgezeichnet worden – als erstes deutsches Ökologieprojekt. Es war sein Projekt, auch wenn er das nie in den Vordergrund gerückt hätte. Johannes Mohr gilt als einer der Väter des Wässerwiesenprojekts, als rastloser Naturschützer und findiger Artenkenner, leidenschaftlicher Grünen-Stadtrat, Familienvater und weltoffener Philanthrop. Nun ist er im Alter von 68 Jahren überraschend gestorben.
Die Nachricht von Johannes Mohrs Tod löst Bestürzung in Forchheim aus und weit darüber hinaus. Wohl an den Folgen eines Schlaganfalls stirbt er am 10. Juni 2024, knapp einen Monat nach seinem 68. Geburtstag. Er hinterlässt nicht nur drei erwachsene Kinder und seine Frau Christine. Er hinterlässt auch im politischen und gesellschaftlichen Forchheim eine große Lücke. Eigentlich hätte Johannes Mohr am Nachmittag des 11. Juni – wie gewohnt – in der Soccerhalle Platz genommen und mit anderen Stadtratsmitgliedern im Planungs- und Umweltausschuss darüber gestritten, Forchheim noch ein bisschen grüner zu gestalten.
Johannes Mohr: Fürsorge für andere und die Natur
An diesem Dienstagnachmittag steht eine brennende Kerze dort, wo er seine Sitzungsvorlagen studiert und seine Ellbogen nachdenklich auf den Tisch gestützt hätte, um auch noch den letzten Mehrwert für Forchheims Naturschutzbelange aus der Diskussion herauszuholen. Ein Idealist sei er gewesen, von der ganz positiven Sorte, so beschreibt ihn FGL-Stadträtin Edith Fießer. Sein Leben und Wirken sei bestimmt gewesen von der Fürsorge für andere und seinem Einsatz für die Natur.
Johannes Mohr, am 11. Mai 1956 in Forchheim geboren, studierte Biologie und arbeitete seit 1989 unter anderem mehr als 20 Jahre lang in der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim, 2012 wechselte er in den Bereich Landschaftspflege, Obst- und Gartenbau. Im Juli 2022 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Während dieser Zeit und auch danach prägte Mohr viele Naturschutzprojekte entscheidend mit.
Da wären wie bereits erwähnt die Pflege der einzigartigen Wässerwiesen. Da wäre aber auch die Einführung des Artenkennerpasses 2018, mit dem Mohr und seine Mitstreiter wie der Vorsitzende des Bundes Naturschutz Ulrich Buchholz jungen Menschen die Natur näher bringen und ihr Interesse für die heimischen Tiere und Pflanzen zu wecken. Das war, wie sich langjährige Weggefährtinnen und Freunde Mohrs erinnern, stets sein Leben. Biologisch auf dem Laufenden bleiben, seine Umwelt nicht nur wahrnehmen und fühlen, sondern vor allem schützen.
Enge Weggefährtin erzählt aus Mohrs Leben
Eine seiner engsten Vertrauten ist Corinna Koch von Helversen. Sie ist ebenfalls Biologin, reiste mit Mohr zur Erforschung der örtlichen Fauna nach Kuba und Costa Rica, kennt „den Johannes“ und seine Familie als gute Freundin seit vielen Jahren. Sie wirkt am Telefon halbwegs gefasst, nur ab und zittert ihre Stimme, wenn sie Anekdoten aus Mohrs Zeit erzählt. Immer wieder muss sie hörbar schmunzeln, es sind freudige Erinnerungen. Lustige. Besondere.
Etwa das Gansessen, zu dem Mohr einmal im Jahr so viele Menschen zu sich nach Hause eingeladen hat, dass die Stühle kaum reichten. „Er kochte gerne und gut, lud immer Menschen zu sich ein“, erinnert sich von Helversen. Wie in seiner politischen Arbeit habe er es selbst als umtriebiger Gastgeber stets verstanden, den Mittelpunkt anderen zu überlassen. „Er wollte die Menschen zusammenbringen. Dabei ging es ihm immer um die anderen; dass sie sich vernetzen, neue Projekte anstoßen und wie er auch so viel wie möglich für den Naturschutz tun können.“
„Seine Tür stand immer und für jeden offen“
Die Tür zu seinem Elternhaus in der Nähe des Kellerwaldes, wo er mit seiner Frau bis zuletzt lebte, habe immer offen gestanden, erzählt von Helversen. Einst für sie selbst, als ihr Mann starb. Ebenso für eine ganze Gruppe Studierender, die für eine Exkursion in der Gegend war. Ebenso für eine ukrainische Familie, die 2022 vor dem russischen Angriffskrieg nach Forchheim geflohen war. „Wenn man Johannes fragte, ob man bei ihm unterkommen könnte, wurde er manchmal böse. Und zwar, weil man fragte. Für ihn war das selbstverständlich.“
Solche Anekdoten könne sie unzählige erzählen. Von kleinen lustigen Streichen, die er gerne spielte. Von kleinen Verrücktheiten, die er sich immer wieder gerne leistete. Von seiner puren Leidenschaft für das Erforschen von Schmetterlingen, Fledermäusen und anderen Tieren. Von seinen leuchtenden Augen, wenn er einem Freund wieder einmal ein selbst eingekochtes Gelee oder einen aus seltenen Obstsorten selbst gebrannten Schnaps schenken konnte.
Nicht nur politisch konsequent und meinungsstark
Und von seinen rastlosen Ideen, wie man die Natur noch ein Stück mehr schützen könnte. Diese Idee verteidigte er oft mit einer solch vehementen Konsequenz, dass er sich bei seinen politischen Gegnern im Laufe der Jahre gelegentlich unbeliebt machte. Doch, so erzählen es seine Begleitenden, das nahm er in Kauf, wenn es der Sache diente. Der richtigen Sache. Seiner Sache.
Mit Johannes Mohr verliert die Stadt Forchheim einen ihrer glühendsten Kämpfer für den Natur- und Artenschutz, die Forchheimer Grüne Liste einen fleißigen Stadtrat, die Familie Mohr einen lieben Ehemann und Vater, bald sogar Großvater. Sein Wirken aber wird überdauern, ohne dass es eines Denkmals bedürfte. Eines Denkmals, das er selbst wohl nie gewollt hätte.
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