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Betreuungs-Mangel
Geduldsspiel Kitaplatz: Viele gehen leer aus in Forchheim
Fehlende Puzzleteile: Für viele Eltern im Landkreis wird sich der Wunsch nach einem Kitaplatz wohl nicht erfüllen. Der Grund liegt nicht nur darin, dass es zu wenige Plätze gibt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Fehlende Puzzleteile: Für viele Eltern im Landkreis wird sich der Wunsch nach einem Kitaplatz wohl nicht erfüllen. Der Grund liegt nicht nur darin, dass es zu wenige Plätze gibt. // Ronald Rinklef
Forchheim – Die meisten hatten Glück, viele aber auch nicht: Warum im Landkreis Forchheim nach wie vor nicht alle Kinder Platz in einer Kita finden und was betroffene Familien tun können.

Hana Köhler kann ihr Glück kaum fassen. Die 35-jährige Wimmelbacherin hat einen Kitaplatz für ihren fast einjährigen Sohn bekommen.

„Ohne Krippe könnte ich nicht arbeiten gehen“, sagt sie, „einen Plan B hätte es nicht gegeben“. Wie Familie Köhler geht es vielen im Landkreis; nur haben längst nicht alle so viel Glück.

Hanna Köhler hatte Glück, musste aber lange bangen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Hanna Köhler hatte Glück, musste aber lange bangen. // Stephan Großmann

Krippenplätze sind im Landkreis Forchheim besonders rar

Vor allem im Krippenbereich, also bei den Ein- bis Dreijährigen werden manche Eltern leer ausgehen.

„Die Anmeldungen liegen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, wir können auch in diesem Jahr nicht alle berücksichtigen“, sagt Jens Kuppert von der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Katholische KiTas am Tor zur Fränkischen Schweiz.

Jens Kuppert,  Arbeitsgemeinschaft  (ARGE) Katholische KiTas am Tor zur Fränkischen SchweizForchheim & Fränkische Schweiz
Jens Kuppert, Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Katholische KiTas am Tor zur Fränkischen Schweiz // FT/Archiv

In seinen 17 Einrichtungen könne er zwar wieder viele Kinder aufnehmen, aber längst nicht alle.

Jugendamt Forchheim: „Können Bedarf nicht decken“

Ähnlich klingt Claudia Uhlig vom Jugendamt Forchheim. Anfang dieser Woche haben die städtischen Kitas die Zu- und Absagen per Post versendet.

„Wir können den Bedarf nach wie vor nicht decken“, räumt sie ein. Genaue Zahlen, wie viele Familie keinen oder später einen Kita-Platz bekommen können, lägen noch nicht vor. 2022 waren es 130 Krippenkinder auf den städtischen Wartelisten.

Es werde sich heuer wohl wie im vorigen Jahr einpendeln, schätzt sie.

Viele Familien im Landkreis Forchheim auf Wartelisten

Das bedeutet: Hunderte Familien müssen zittern und sich Alternativen suchen. Zwar versucht Uhlig zu beruhigen: „Die jetzigen Listen sind nicht in Stein gemeißelt. Immer wieder springen welche ab, rücken andere nach“, sagt sie.

Den nach Planungssicherheit für die Betreuung ihrer Kinder dürstenden Eltern dürfte das aktuell nur ein schwacher Trost sein. Sie müssen sich selbst um eine Betreuung kümmern und enthalten ihren Kindern ungewollt ihr eigentliches Recht auf professionelle Betreuung.

Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen fast 400.000 Plätze

Dies ist gewiss kein landkreiseigenes Problem. Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen 2023 gemessen an den Betreuungswünschen bundesweit voraussichtlich bis zu 383.600 Plätze.

Zwar seien die Kommunen dran, vielerorts entstehen neue Einrichtungen oder es werden Gruppen angebaut. Das Problem liege aber ganz woanders.

ARGE: „Kitas alleine reichen nicht, es braucht Fachkräfte“

Jens Kuppert von der ARGE: „Kitas zu bauen, reicht nicht. Wir brauchen mehr Fachkräfte.“ Die seien aber nicht auf die Schnelle zu bekommen, sagt er.

Heißt im Klartext: Auch wenn der Bund allein in diesem und im kommenden Jahr jeweils rund zwei Milliarden Euro im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes investieren will, dürfte sich so schnell nichts an der Mangelverwaltung verbessern.

Was Eltern tun können, wenn sie keinen Kita-Platz bekommen

Seit 2013 haben Kinder ab einem Jahr und sogar seit 1996 schon Kinder ab drei Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen ortsnahen Betreuungsplatz.

Dabei gelten zehn Kilometer im ländlichen und fünf Kilometer im städtischen Bereich als zumutbare Entfernungen. Wer trotzdem keinen Platz angeboten bekommt, hat die Chance, einen Platz einzuklagen. Dies komme laut Uhlig und Kuppert aber im Landkreis Forchheim nicht oft vor.

Ob Hana Köhler geklagt hätte. „Vermutlich nicht“, sagt sie. „Aber ich hatte ja Glück.“

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