Sein Name könnte Programm sein. Doch ist er das? Augenscheinlich möchte der 34-jährige Matthias Machts in den bayerischen Landtag einziehen, zumindest wird er vom oberfränkischen Bezirksverband der Alternative für Deutschland (AfD) als Direktkandidat für den „Stimmkreis 405 Forchheim“ gelistet.
Viel mehr - vor allem, welche landespolitischen Ziele er verfolgt - ist über den gebürtigen Erlanger nicht bekannt. Matthias Machts, der Schattenkandidat.
Weil die in Teilen rechtsextreme Partei in Bayern zur Wahl zugelassen ist und mit Machts einen Forchheimer Direktkandidaten aufstellt, sollte hier eigentlich ein Porträt über den studierten Stadt- und Regionalforscher stehen; analog zu den Kandidaten der von seiner Parteilinie so verhassten „Altparteien“.
Auf die Anfrage des Fränkischen Tags, wann man sich für ein Gespräch treffen könne, winkt Machts schnell ab. Begründung: Er sei aufgrund eines vorherigen Interviews „Anfeindungen“ ausgesetzt gewesen, darum bittet er darum, seine Privatsphäre zu respektieren.
AfD Forchheim taucht komplett ab
Nun liegt im Vorfeld einer Wahl der besondere Auftrag der Presse darin, die Menschen in ihrer Wahlentscheidung mit Fakten zu unterstützen.
Also zweiter Versuch per Mail, doch wieder wird der Redakteur abgeblockt: „Mein Nein bleibt natürlich bestehen“, schreibt Machts.
Wer ist er, was will er – er scheint es seinen erhofften Wählern nicht mitteilen zu wollen. Sogar die Chance, die von ihm vorgebrachten angeblichen Anfeindungen gegen ihn näher zu erläutern, lässt er liegen. Nicht einmal die von der AfD so gerne eingenommene Opferrolle spannt er sich vor den Wahlkampfkarren.
Ebenfalls ins Nichts läuft die Kommunikation mit dem Forchheimer AfD-Kreisverband. Zwar bietet der Kreisvorsitzende Oliver Hammrich ein Interview mit dem neu zusammengesetzten Gesamtvorstand an; allerdings erst nach der Wahl. Vorher ginge nicht, man sei zu „intensiv im Wahlkampf eingebunden“.
Was er sich von der Präsenz in den Fußgängerzonen erwartet, wie er bewertet, dass sich seine lokalen Aushängeschilder wie etwa der AfD-Kreisrat Dominik Pflaum ihrer Verantwortung entziehen? All das bleiben unbeantwortete Fragen.
Machts propagiert Verschwörungstheorien
Planänderung: Internetrecherche.
Die Informationen im Netz und in den sozialen Medien sind allerdings ebenfalls zu dürftig, um ein aussagekräftiges Bild von Machts zu zeichnen. Auf seinem offiziellen Profil beschreibt er oberflächlich seinen Kurs, „der strikt auf das Wohl der Einheimischen und für Deutschland ausgerichtet ist“.
Er verurteilt weiter die „Einwanderungsflut“, propagiert die „deutsche Leitkultur“ und sieht sich und seine Partei als „einzigen wahren Gegenpol“ im „linksverdrehten NWO-System“ (Anm. d. Red.: NWO, Neue Weltordnung, Englisch: New World Order, bezeichnet in verschiedenen Verschwörungstheorien das angebliche Ziel von Eliten und Geheimgesellschaften, eine autoritäre, supranationale Weltregierung zu errichten).
Kein Wort über bayernspezifische Fragen, kein Wort über Landespolitik aus der Forchheim-Brille, kein Wort über regionale Themen. So bleibt anzunehmen, dass er sich wortlos dem Wahlprogramm seiner Partei anschließt, die unter anderem ein strengeres Waffenrecht verhindern möchte, Migration stark einschränken will und Bayerns Energie am liebsten wieder fest in Atomkrafthand sähe.
Kaum reelle Chance auf Einzug in Landtag
Die Kandidatur des 34-Jährigen wird auf der Homepage des Kreisverbands mit keiner Silbe erwähnt. Auch auf Facebook wird Machts erst im September erwähnt. Nichts zu spüren von breiter Brust ob der guten Umfragewerte der eigenen Partei.
Liegt dem Verstecken seiner Ambitionen die Angst vor der eigenen Courage zugrunde? Oder weil seine Chancen, als vorletzter Listenplatz sieben in Oberfranken überhaupt ins Maximilianeum einzuziehen, bei null stehen? 2018 kamen die Rechtspopulisten auf 10,2 Prozent, haben derzeit 17 Sitze im Landtag inne. Egal, wie die AfD im Herbst abschneiden wird, ein Einzug des Forchheimers würde an ein Wunder grenzen.
Bleibt dem politischen Beobachter in Forchheim, ausgehend von Machts bisheriger politischer Arbeit, Rückschlüsse auf seine Ambitionen für den Landtag zu ziehen. 2020 ist er mit 1,96 Prozent der Stimmen in den Forchheimer Stadtrat gewählt worden. Weil sich die Stadtverwaltung trotz mehrfacher Nachfrage weigert, die Protokolle der bisherigen Stadtratssitzungen dieser Legislatur auszuhändigen, lässt sich leider nicht detailliert nachweisen, inwieweit Machts sich bisher lokalpolitisch hervorgetan hat.
Lediglich anwesend
Ausgehend von eigenen Beobachtungen sowie der Einschätzung anderer Räte geht Machts’ Engagement jedoch nicht über die pure Anwesenheit und das Abstimmen (zumeist mit der Mehrheit) hinaus.
Die Erklärung, momentan keine Chance zu haben, eine Fraktion zu bilden, und auch nicht in Ausschüssen vertreten zu sein, reicht zu kurz. Er mag als Fraktionsloser keine Anträge stellen dürfen; Stellung nehmen und das Wort ergreifen dürfte er hingegen immer. Aber das tut er nicht. Macht(s) nichts.
Und das hat System. 2021 noch erklärte der damals zweite AfD-Kreisrat Alexander Bär, angesprochen auf die ausbaufähige Arbeit im Gremium, man sei noch in der Findungsphase. Das ist nun mehr als zwei Jahre her. Gesteigert haben sie sich nicht, im Gegenteil. Bär ist mittlerweile aus der Partei ausgeschieden, Kreistagskollege Dominik Pflaum analog zu seinem Kreisverband kommunikativ komplett untergetaucht.
Und Machts? Wird am 28. September nach der Sommerpause wohl wieder still in seiner rechten Ecke des Stadtrats sitzen und der Dinge harren. Daran, dass er sich am Wahlabend des 8. Oktober mit dem Einzug in den Landtag selbst ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen könnte, glaubt er sicher selbst nicht.
Ob er es überhaupt selbst wollte? Sagt er nicht.
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