Starke Erschütterungen, zu viel Lärm und verunreinigte Luft bedingt durch Sprengungen und Weiterverarbeitung des abgebauten Gesteins im Steinbruch, darüber machten Bürger in der Bürgerversammlung in Gräfenberg im vorigen Jahr ihrem Unmut Luft. Der Wunsch nach Sicherheit durch mehr Überwachung der Steinbrüche hinsichtlich Erschütterungen, Lärm und Luft wurde laut. Die Stadt hat wegen der Forderungen den Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber angeschrieben. Dieser veranlasste das Landesamt für Umwelt (LFU) in Gräfenberg zwei Wochen lang die Erschütterungen zu messen und informierte Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW).
„Dass diese Messungen stattfinden, wurde nicht nach außen kommuniziert“, sagt Kunzmann. Niemand könne Vorwürfe erheben, die Steinbruchbetreiber hätten sich auf die Messungen einstellen können. Das LFU hat demnach keine Grenzüberschreitungen festgestellt. Nur am 23. Mai 2024 konnte eine erhebliche Belastung nicht ausgeschlossen werden. Diese stünde aber nicht im Zusammenhang mit einer Sprengung.
Gräfenberg: Fragen an Gewerbeaufsichtsamt
Woher dann, wollte die Stadt wissen und fragte beim Gewerbeaufsichtsamt der Bezirksregierung von Oberfranken nach. Es könnten andere Ursachen sein, beispielsweise Baumfällarbeiten, war die Antwort. Nach den Messungen wurden die Sprengprotokolle von den Steinbrüchen angefordert. Da sich jedoch sowohl ein Anwohner als auch ein Bürger, der weiter entfernt wohnt, zum Thema Sprengung meldeten, forschte die Stadt abermals nach. Eine Sprengung fand den Angaben zufolge statt, sie sei nur beim Übermitteln übersehen worden.
Das Protokoll sei nachgereicht worden. Die Meinungen über diese Sprengung gehen auseinander. Das Gewerbeaufsichtsamt erklärte, die Werte seien im zulässigen Bereich und es seien keine schädlichen Belastungen auf Mensch oder Gebäude zu befürchten. Das LFU hingegen sagte, eine erhebliche Belastung gemäß DIN 4150-2 könne nicht ausgeschlossen werden. Allerdings wurde die mögliche Überschreitung nicht gemessen, sondern rechnerisch ermittelt.
Kritik an Umweltminister Thorsten Glauber
Eine Dauermessstelle werde nicht als notwendig erachtet. Der Stadt stünde aber frei, einen unabhängigen Gutachter für die Immissionsermittlung zu beauftragen, antwortete Umweltminister Glauber. Der Grünen-Stadtrat Matthias Striebich meinte, die engen Verflechtungen von Glauber senior und dem Steinbruch seien bekannt und es sei fragwürdig, warum eine Dauermessstelle als nicht notwendig betrachtet werde. „Familie Glauber Verflechtungen zu unterstellen, ist eine Frechheit“, warf Werner Wolf (FW) ein und forderte Striebich auf, das zu unterlassen. Striebich forderte dann sowohl einen Luftreinhalteplan als auch eine Dauermessstelle für Luftqualität.
In Egloffstein sei das auch möglich. Die Beurteilungen durch das Landratsamt Forchheim, das Gewerbeaufsichtsamt und die Regierung gehörten nicht zur Aufgabe der Stadt, merkte Wolf an. Die Stadt könne die Stellungnahmen zur Kenntnis nehmen und nicht zur Dauereinrichtung machen, da der Stadt die Kompetenz fehle. Das große Problem liege beim Landratsamt. „Es kann nicht sein, dass eine Behörde Genehmigungen ausspricht und dann nicht einhält“, schimpfte Wolf über die fehlende Überwachung des Landratsamts.
Dauermessstelle für Luft in Egloffstein
Als zuständige Stelle sollten sie ihren Job erledigen. „Selbst das LFU sagt, das Landratsamt sei zuständig“, ergänzte Bürgermeister Kunzmann. Auch die Grünen-Rätin Christine Scheumann plädierte für die Dauermessstelle Luft. „Man kann auch sagen, unsere Bürger liegen uns am Herzen“, erklärte Scheumann, warum die Stadt in Egloffstein wegen der Dauerluftmessstelle nachfragen solle.
„Es wird hier versucht, gegen das Nein der Stellungnahmen zu diskutieren. Das Nein gefällt niemanden. Aber wir können noch hundert Forderungen einstellen, es ändert nichts“, sagte Christoph Kasch (GBL). Deshalb plädierte er zu entscheiden, ob man selbst eine Dauermessstelle errichten möchte oder ob man den Fachbehörden Vertrauen entgegenbringe. Lars Laufer (CSU) fand die Luftdauermessstelle fraglich.
Luftreinhalteplan der Regierung von Oberfranken
„Wo stellen wir sie auf? Überall werden auch Feinstaub und Stickoxide gemessen“, sagte Laufer. „Die Werte werden überschritten und dann? Dann stellen wir ein Windrädchen auf, um zu wissen, woher es kommt?“, fragte Laufer. „Dann wissen wir, dass es Luftverschmutzung ist, aber nicht, wer der Verursacher ist“, fügte Konrad Hofmann (FW) an.
Und doch hoffte Laufer, dass eine Dauerstelle genehmigt werden würde, damit auf die Sache Steinbruch endlich einen Deckel käme. Nun wird das Landratsamt aufgefordert, durch ergänzende Auflagen in den immissionsrechtlichen Genehmigungen sicherzustellen, dass alle Sprengungen von den Steinbruchbetreibern lückenlos und in unveränderbarer Form protokolliert werden. Die Regierung von Oberfranken solle einen Luftreinhalteplan erstellen sowie eine Dauermessstelle für Luftreinhaltung und eine Lärmmessstelle auf Gemeindegebiet errichten, um zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen.
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