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Die Wahl nach der Wahl
Spannend und emotional: Die "Stichwahl Top 7" in der Region
Stichwahl-Ranking
Die Sieger der sieben spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region (von links): Sebastian Niedermaier, Hanngörg Zimmermann, Alexander Schulz, Cornelia Wehner, Dominik W. Heike (oben), Ralf Hartnack (unten) und Martina Hebendanz. // Illustration: Franziska Schäfer
Franken – Warum landet das kleine Untersteinach auf Platz 2 und die OB-Wahl in Bamberg nur auf Rang 3 der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region? Und wer steht in der Liste ganz vorne? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es in unserer Stichwahl-Top-7.
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Wo ging es am Stichwahlabend besonders hoch her?

Hier eine subjektive Einordnung der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region von unserem Redakteur Moritz Kircher, der die Kommunalwahlen am 8. März und die Stichwahlen am 22. März eng begleitet hat. 

Die Top 7

Springen Sie direkt zur Stichwahl Ihrer Wahl. Oder scrollen Sie sich durch die Liste.

  1. Landratswahl in Forchheim
  2. Stichwahl in Untersteinach
  3. OB-Wahl in Bamberg
  4. OB-Wahl in Neustadt bei Coburg
  5. OB-Wahl in Forchheim
  6. Stichwahl in Höchstadt
  7. OB-Wahl Kulmbach

Platz 1: Die Landratswahl in Forchheim

Alle haben auf die Stichwahl in Bamberg geschaut. Aber für die größte Überraschung in der Region sorgte Hanngörg Zimmermann im Landkreis Forchheim. Allenfalls Außenseiterchancen konnte man ihm nach dem ersten Wahlgang noch zugestehen - wenn überhaupt. Der Gößweinsteiner Bürgermeister hatte nichts zu verlieren - und machte das beste daraus. Auf der Zielgeraden zog er an seinem Kontrahenten Oliver Flake vorbei und wurde mit 50,6 Prozent der Stimmen neuer Landrat im Kreis Forchheim.

Das Wahlergebnis im Kreis Forchheim

Hanngörg Zimmermann reagierte vergleichsweise gefasst auf die Sensation, die ihm die Wählerinnen und Wähler im Kreis Forchheim da beschert hatten. Denn am Ende machen nur 0,7 Prozentpunkte, 610 Stimmen, den Unterschied für Zimmermann. „Es war ein unfassbar spannender Abend, wir haben bei unserer Wahlfeier in Pinzberg alle mitgezittert, da möchte ich vorwiegend erst mal meiner Familie und den Freien Wählern danken, die mich den Abend über begleitet haben“, sagte der künftige Landrat bei seiner Ankunft im Landratsamt am Wahlabend nüchtern.

Mehr als 13 Prozentpunkte hatte Zimmermann nach dem ersten Wahlgang noch hinter seinem Kontrahenten Oliver Flake von der CSU gelegen. Für diese fulminante Aufholjagd gebührt im Platz 1 bei den spannendsten Stichwahlen in der Region - wenngleich Zimmermann offenbar eher nicht zu öffentlichen emotionalen Ausbrüchen neigt.

Platz 2: Die Stichwahl in Untersteinach

Die Stichwahl wo? Das mag sich der ein oder andere vielleicht jetzt Fragen. Die Stichwahl in Untersteinach im Landkreis Kulmbach. Im beschaulichen Örtchen mit gerade einmal 1751 Einwohnern machten bei der Stichwahl 15 Stimmen den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Da sage nochmal einer, es lohne sich nicht, wählen zu gehen.

Das Wahlergebnis in Untersteinach

Die glückliche Siegerin in Untersteinach heißt Cornelia Wehner (SPD). Und der unterlegene Markus Weigel (UBG) mag sich jetzt vielleicht fragen, wo er die nötigen 15 Stimmen noch hätte holen können. Für diesen hauchdünnen Wahlausgang gibt es Platz 2 in der Liste der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region.

Platz 3: Die Stichwahl in Bamberg

Endlich. Auf Platz drei kommt sie: Die Stichwahl in Bamberg. Nicht, weil es am Wahlabend noch besonders knapp zugegangen wäre. Am Ende siegte SPD-Kandidat Sebastian Niedermaier relativ deutlich gegen Jonas Glüsenkamp (Grüne). Aber es ist eben Bamberg, um das es hier ging. Und die Frage, ob eine weitere große Stadt in Bayern an die Grünen geht oder nicht. Außerdem war es schon eine Überraschung, dass das Stichwahlduell überhaupt Niedermaier gegen Glüsenkamp lautete.

Das Ergebnis der Stichwahl in Bamberg

Der unterlegene mag sich nun fragen, ob es wohl anders ausgegangen wäre, wenn er es in der entscheidenden Wahlrunde nicht mit dem äußerst beliebten Niedermaier (Stimmenkönig bei der Stadtratswahl) zu tun gehabt hätte, sondern mit Melanie Huml (CSU), die den Einzug in die Stichwahl knapp verpasst hatte. "Wäre, wäre, Fahrradkette. So ungefähr oder wie auch immer", würde ein berühmter Franke zu solchen Überlegungen vielleicht sagen.

Wahlsieger Niedermaier konnte jedenfalls am Wahlabend nicht mehr aufhören, seinen Triumph zu feiern und über beide Ohren zu strahlen. Da reicht schon ein Blick auf die Bilder der Artikel. Es war gar nicht möglich, ein Foto von ihm ohne breites Grinsen zu schießen. Für den größten Partylöwen unter den Stichwahlsiegern gibt es Platz 3 der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region.

Und unser Reporter Sebastian Schanz hat bereits eingeordnet, warum Sebastian Niedermaier bei allen Übereinstimmung der beiden Kandidaten in Sachfragen die Wahl in Bamberg gewonnen hat:  Der eine ist grün (Glüsenkamp), der andere grün hinter den Ohren (Niedermaier), schreibt er. Aber es gebe kaum jemanden in der Stadt, den Niedermaier nicht duzt. Netzwerk und Ausstrahlung gaben den Ausschlag, kommentiert Schanz.

Platz 4: Die OB-Wahl in Neustadt bei Coburg

Frank Rebhan (SPD) gilt mit 31 Jahren im Amt als dienstältester Bürgermeister Bayerns. Weitere Jahre werden nicht hinzukommen. Denn sein Widersacher Dominik W. Heike (CSU) hat ihm den Job bei der Stichwahl in Neustadt nun erfolgreich streitig gemacht. Dafür gibt es Platz 4 im Ranking der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region.

Das Wahlergebnis in Neustadt bei Coburg

Nach einem hauchdünnen Vorsprung im ersten Wahlgang war es bei der Stichwahl eine klare Angelegenheit für Dominik Heike. 59,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler schenkten ihm das Vertrauen. Frank Rebhan brachte es entsprechend lediglich auf 40,1 Prozent.

„Wir haben gemerkt, es gibt eine Wechselstimmung. Aber dass es so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht“, sagte Dominik W. Heike am Wahlabend. Alle Reaktionen von Gewinnern und Verlierern gibt es hier:

Platz 5: Die OB-Wahl in Forchheim

Was war das für ein triumphaler Wahlabend für Martina Hebendanz in Forcheim ... ähm Forchheim? Am Ende war ein vergessenes "h", das im Wahlkampf für Unterhaltung und so manche Emotion in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke gesorgt hatte, komplett egal. Die Wechselstimmung in der Stadt zeichnete sich früh am Wahlabend ab.

Die CSU-Kandidatin siegte deutlich gegen Amtsinhaber Uwe Kirschstein (SPD). Ihr Vorsprung betrug fast zehn Prozentpunkte. Für diesen klaren Sieg gegen einen seit zehn Jahren amtierenden Oberbürgermeister gebührt Hebendanz Platz 5 bei den spannendsten Stichwahlen in der Region. Ein Spitzenplatz auch deshalb, weil sie die erste Frau an der Spitze des Rathauses in Forchheim ist.

Das Ergebnis der Stichwahl in Forchheim

Zuallererst wird die Familie geherzt. Martina Hebendanz (CSU) steht mit ihren Kindern Katharina und Maximilian sowie ihrem Ehemann Daniel Bayer-Hebendanz inmitten einer jubelnden Menge. Umarmungen, Küsschen. Feuchte Augen. Es ist der Moment des Abends bei der Stichwahl in Forchheim. Und es ist ihr Moment: Martina Hebendanz. Politikerin, Mutter, Unternehmerin, ordnet unser Reporter Stephan Großmann ein. Und schon bald Forchheims erste Frau im Oberbürgermeisteramt.

Ganz anders - verständlicherweise - die Stimmung beim unterlegenen Uwe Kirschstein. Nicht nur, dass der Sozialdemokrat die Wahlschlappe seiner Partei im Stammland Rheinland-Pfalz verdauen musste. Es setzte auch noch die persönliche Niederlage: Abwahl als Forchheimer Oberbürgermeister. Um kurz vor 19 Uhr ist es amtlich. „Klar bin ich enttäuscht“, sagt Kirschstein am Abend. Aber er zeigte in der Niederlage auch Größe: "Ich gratuliere Martina Hebendanz zum Sieg und wünsche ihr und der Stadt alles Gute."

Platz 6: Die Stichwahl in Höchstadt

Alle sechs Jahre das gleiche Spiel: Bürgermeisterwahl in Höchstadt – und am Ende wird’s Gerald Brehm für die Junge Liste. 30 Jahre lang war das so. Und zweimal hieß der Unterlegene dabei Alexander Schulz - in den Jahren 2014 und 2020. Für seinen demokratischen Durchhaltewillen gebührt Schulz Platz 6 in der Liste der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region. 

Das Ergebnis der Stichwahl in Höchstadt

Im Stichwahl-Showdown konnte Schulz die Tendenz aus dem ersten Wahlgang bestätigen. 52,1 Prozent der Höchstadter setzten ihr Kreuz beim CSU-Kandidaten. Und sie beendeten damit auch die Jahrzehnte andauernde Regentschaft der Jungen Liste im Höchstadter Rathaus. Doch erst als das letzte Wahllokal ausgezählt ist, fallen sich Alexander Schulz und seine Frau in die Arme.

Platz 7: Die Stichwahl in Kulmbach

Platz 7 in der Liste der spannendsten und emotionalsten Stichwahlen in der Region gebührt Kulmbach im Prinzip aufgrund des ersten Wahlgangs. Denn da stand schon fest, dass Kulmbach einen neuen Oberbürgermeister bekommen würde, weil Amtsinhaber Ingo Lehmann (SPD) auf Rang drei den Einzug in die Stichwahl verpasste.

Aber auch die Stichwahl selbst versprach noch einmal zur Zitterpartie zu werden, lagen doch die beiden Kontrahenten Ralf Hartnack (WGK) und Frank Wilzok (CSU/JU) nur 0,1 Prozentpunkte auseinander. Dass es am Ende nicht zu einem Platz weiter vorne in der Liste der 7 spannendsten und emotionalsten Stichwahlen gereicht hat, liegt am doch recht eindeutigen Ergebnis in der Stichwahl.

Das Ergebnis der Stichwahl in Kulmbach

Ralf Hartnack siegte mit 57,9 Prozent der Stimmen. Frank Wilzok brachte es entsprechend lediglich auf 42,1 Prozent. Zu einem der ersten Gratulanten zählte Noch-OB Ingo Lehmann, der nach der derben persönlichen Niederlage am 8. März nicht einfach auf Tauchstation ging, sondern demokratischen Stil bewies und seinen Nachfolger auf der Wahlparty besuchte, um zu gratulieren. Auch Frank Wilzok war unter den ersten Gratulanten, was die WGK-Anhänger mit Beifall quittierten.

Der Unterlegene war enttäuscht, richtete den Blick aber gleich wieder nach vorne. Mit Ralf Hartnack gebe es nun einen Oberbürgermeister, mit dem er schon zusammengearbeitet habe, sagte Wilzok noch am Wahlabend, nachdem er das Ergebnis etwas hatte sacken lassen. „Ich glaube, wir werden das auch nach vorne schauend tun.“

Welche Herausforderungen es sind, die vor dem neuen Kulmbacher Oberbürgermeister und vor dem Stadtrat liegen, das kommentiert der Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau, Mark Hildebrandt.

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