Mitte März sah es in ihrer Unterkunft noch schlimm aus: Schimmel im Bad, die Küche total verdreckt, im Treppenhaus blätterte der Putz ab und die Wände in den Schlafzimmern waren stellenweise feucht. Als Olha Bevz das erste Mal die dezentrale Flüchtlingsunterkunft in Forchheim sieht, in der die Ukrainerin mit ihrem Ehemann und den vier jungen Kindern vorübergehend leben soll, war sie schockiert. Jetzt hat sich ihre Situation verbessert, obwohl noch lange nicht alles perfekt ist.
Die sechsköpfige Familie ist vor dem Ukraine-Krieg aus ihrer Heimat nach Forchheim geflohen. Gemeinsam mit den ersten zugewiesenen ukrainischen Flüchtlingen kamen die Bevz am 16. März im Landkreis an. Noch am selben Tag wurde die Familie einer dezentralen Unterkunft zugeteilt, die im Westen der Königsstadt liegt.
Weil diese vom Landratsamt angemietete Flüchtlingsunterkunft stark verdreckt und teilweise verschimmelt war, wendete sich die Ukrainerin Hilfe suchend an zwei ehrenamtliche Forchheimer Flüchtlingshelferinnen. Die beiden haben daraufhin sofort Alarm geschlagen und den Hausverwalter kontaktiert.
Als der Fränkische Tag Forchheim damals erstmals darüber berichtet und das zuständige Landratsamt sowie den privaten Forchheimer Hausbesitzer der Unterkunft mit der offenen Kritik an den katastrophalen Zuständen konfrontiert, versprachen die Verantwortlichen tätig zu werden. Was ist vor Ort seitdem passiert?
Dreckige Unterkünfte: Landratsamt Forchheim sei allen Vorwürfen nachgegangen
„Wir hatten hier eine Sondersituation, weil die Unterkünfte zum größtenteils weitgehend unbelegt waren und die Zuweisung sehr kurzfristig war, so dass im Vorfeld nicht mehr reagiert werden konnte“, erklärt Frithjof Dier, Geschäftsbereichsleiter für kommunale und soziale Angelegenheiten, die mangelhaften Zustände in einigen Flüchtlingsunterkünften. Das Landratsamt sei allen Vorwürfen nachgegangen und habe die Mängel beseitigen lassen.
„Die Wohnung ist besser geworden. Sie haben etwas gemacht und man sieht schon den Fortschritt“, freut sich eine der beiden ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen heute. Tatsächlich sei der Hausverwalter mit Handwerkern ab 24. März in der kritisierten Unterkunft in Forchheim am Werk gewesen, um die schlimmsten Mängel zu beseitigen.
Innerhalb einer Woche sei der Schimmel im Bad entfernt, die Sanitäranlagen gereinigt und Wände neu gestrichen worden. Ebenso hätten die Arbeiter das Treppenhaus in Schuss gebracht, kaputte Verblendungen an Wänden und Decke entfernt und weiß gestrichen.
„Dennoch müssen noch weitere Kleinigkeiten gemacht werden“, räumt der Hausbesitzer, der anonym bleiben möchte, auf FT-Nachfrage ein.
Einblick in eine Flüchtlingsunterkunft in Forchheim
Mutter Olha hofft dennoch weiter sehr, dass ihre Familie die Forchheimer Flüchtlingsunterkunft so schnell wie möglich verlassen kann. „Wir wollen in Forchheim bleiben – aber nicht hier“, bekräftigt sie. Insgesamt wohnen 26 Personen zusammen in dem Haus unter einem Dach. Die sechsköpfige Familie Bevz lebt in einem einzigen, rund 30 Quadratmeter großen Zimmer im Erdgeschoss. Küche und Toilette müssen sie sich mit anderen Flüchtlingen teilen.
Olha Bevz hat den Großteil des Putzens der stark verdreckten Unterkunft selbst übernommen. Sie freut sich sehr über die Ausbesserungen. Die Ukrainerin hat unsere Redaktion eingeladen und gewährt einen Einblick in die Unterkunft.
Ukrainische Flüchtlingsfamilie lebt auf engem Raum
Sie zeigt, was es bedeutet, wenn eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie auf engem Raum leben muss: Als Vater Anatolii die sechs- und siebenjährigen Söhne Ivan und Makar aus der Annaschule abholt, geht es in der kleinen Wohnung schnell recht chaotisch zu.
Während die beiden aufgeweckten Jungs zwischen den drei Doppelstockbetten hin und her hüpfen und spielen wollen, serviert Mutter Olha bereits das Essen für alle am einzigen Tisch in ihrem Zimmer. Gleichzeitig muss die älteste Tochter Alina (17) am selben Tisch vor dem Laptop online für ihre ukrainische Universität lernen.
Dass die vorübergehende Bleibe zu klein ist, sei nicht das einzige Problem: Trotz der frisch gestrichenen Wände und der ausgetauschten Steckdosen habe sich offensichtlich noch immer in der Wand hinter dem Schlafplatz des jüngsten Sohnes Feuchtigkeit ausgebreitet. Vergangene Woche wurden auch hier Bauarbeiter tätig. „Wir hoffen, dass wir bald eine eigene Wohnung finden“, seufzt Bevz.
Lesen Sie hier die Hintergründe:











