Die Erwartung an die vorübergehende Kulturhalle für die Königsstadt war groß. Durchaus kontrovers hat die Stadtpolitik in der Vergangenheit um den Millionen Euro teuren Umbau der Soccerhalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße gerungen und das Projekt auf den Weg gebracht. Doch jetzt die überraschende Kehrtwende: Die Zwischenlösung für die dringend benötigte Veranstaltungshalle steht vor dem Aus.
„Am Dienstag hat eine knappe Mehrheit im Planungs- und Umweltausschuss gegen die Fortführung des Umbaus der Soccerhalle gestimmt“, erklärt Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel (FGL). „Das ist sehr schade für die Kultur in Forchheim und ein herber Rückschlag“, meint Prechtel.
Die Entscheidung fiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im nicht-öffentlichen Sitzungsteil habe die Mehrheit der Ausschussmitglieder (mit nur einer Stimme mehr) gegen die aktualisierten Pläne der Stadtverwaltung gestimmt. Hauptgründe für die Ablehnung seien vor allem die zu erwartenden Mehrkosten sowie die eingeschränkte Nutzung für Abendveranstaltungen gewesen, verrät die Kulturbürgermeisterin.
Um was ging es? Bereits im März 2021 hat der Forchheimer Stadtrat beschlossen, einen Teil der Fußball-Freizeithalle für 1,5 Millionen in eine provisorische Veranstaltungshalle umzubauen. Dadurch hätte die Soccerhalle für kulturelle oder gesellschaftliche Events für bis zu 500 Personen genutzt werden können. Geplant war eine 830 Quadratmeter große Versammlungsstätte inklusive Platz für eine Bühne.
Forchheims Kulturstätte wegen Kostensteigerung und Lärmschutzvorgaben gekippt
Die neuen Pläne sahen nun Mehrkosten vor allem aufgrund steigender Preise für Baumaterialien und einer zusätzlich geforderten Schallschutzschleuse vor, erklärt Prechtel. „Das war vorher nicht absehbar.“
Die Rede ist von bis zu 500.000 Euro mehr für den Umbau der Soccerhalle. Zudem hätte die provisorische Kultur- und Eventhalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße aus Lärmschutzgründen nur bis 22 Uhr genutzt werden können. Lediglich bis zu zehn Events jährlich hätten länger bis in die späten Abend- und Nachtstunden dauern dürfen.
„Wir im Kulturamt waren der Einschätzung, dass wir mit dem Nutzungskonzept in der umgebauten Soccerhalle gut hingekommen wären“, sagt Prechtel. „Es wäre auf jeden Fall besser als das, was wir jetzt haben – nämlich nichts.“
Der Wegfall der Interimslösung ist brisant: Die umgebaute Soccerhalle sollte eigentlich bereits ab diesem Jahr für größere Innenveranstaltungen wie Konzerte, Theater, Sitzungen oder Faschings- und Abschlussbälle bereitstehen. Denn in Forchheim fehlt seit vielen Jahren eine größere Eventstätte in kommunaler Hand. Das sich mitten in der Sanierung befindende historische Rathaus sowie das marode Kolpinghaus stehen frühestens in drei bis fünf Jahren für Veranstaltungen zur Verfügung.
Bereits zu Beginn gab es Kritik
Der Millionen Euro teure Umbau der Soccerhalle, die lediglich für wenige Jahre als Kulturstätte in Forchheim genutzt werden sollte, war aber von Anfang an umstritten.
Ist das Ende der Interimslösung Soccerhalle aufgrund der drohenden Mehrkosten nun endgültig? Auf Nachfrage unserer Redaktion bei der Stadtverwaltung erklärt eine Sprecherin: Der Beschluss aus dem nicht-öffentlichen Sitzungsteil des Planungs- und Umweltausschusses des Stadtrates vom Dienstag, 10. Mai, habe zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Rechtskraft. Erst nach Ablauf von sieben Tagen, der sogenannten Remonstrationsfrist, werde sich die Stadtverwaltung somit zum Thema Soccerhalle offiziell äußern.
Kulturschaffende: "Armutszeugnis für die Stadt Forchheim"
„Ich kann zwar verstehen, wenn der Stadtrat für eine Zwischenlösung womöglich nicht so viel Steuergeld ausgeben will. Aber ich frage mich sowohl als Bürgerin und als Kulturschaffende allen Ernstes, wieso man das alles nicht vorher berücksichtigt hat!“, ärgert sich Gisela Steinlein, Vorstandsmitglied beim Kulturpuls-Verein. „Das ist wirklich irre und ein Armutszeugnis für die Stadt Forchheim.“
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