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Diskobesitzer zum Rathauschef
Weißenohes Bürgermeister Braun blickt auf bewegte 75 Jahre
Seit 30 Jahren begrüßt Bürgermeister Rudolf Braun (WGA) die Gemeinderäte und Zuhörer – seit geraumer Zeit in diesem Sitzungssaal im renovierten Rathaus.Forchheim & Fränkische Schweiz
Seit 30 Jahren begrüßt Bürgermeister Rudolf Braun (WGA) die Gemeinderäte und Zuhörer – seit geraumer Zeit in diesem Sitzungssaal im renovierten Rathaus. // Petra Malbrich
Weißenohe – Vom Bankkaufmann und Bandmanager zum Rathauschef: Rudolf Braun hat als langjähriger Bürgermeister im Landkreis Forchheim arbeitsreiche Jahre hinter sich. Was ihn dabei besonders geprägt hat.

Rudolf Braun, der jetzt 75 Jahre alt geworden ist, ist ein Arbeitstier in sämtlichen Bereichen, mit Verantwortungsbewusstsein und Herzblut. Im Blick das Wohl seiner Schützlinge: als Weißenoher Bürgermeister die Gemeindebürger, als Bandmanager seine Bandmitglieder, als Diskothekenbesitzer die Musikszene, als Zweiter Direktor der Deutschen Vermögensberatung die Anleger und Sparer und als Ehemann, Vater einer Tochter und eines Sohns und Opa einer Enkelin seine Familie.

Bürgermeister Weißenohe Rudolf Braun feiert 75 Jahre

In Nürnberg erblickte Rudolf als Sohn von Fritz und Erna Braun das Licht der Welt. Aufgewachsen ist er in Weißenohe, wo er auch die Volksschule besuchte. Nach der sechsten Klasse wechselte Rudi auf die Höhere Handelsschule, den wirtschaftlichen Zweig des Scharrer-Gymnasiums in Nürnberg.

Abitur am Gymnasium in Nürnberg

Was im Gymnasium in sechs Jahren vermittelt wurde, mussten er und 40 Mitschüler in vier Jahren pauken, dabei mit Englisch und Französisch zwei Fremdsprachen. „Das war eine Herausforderung. Am Schluss waren noch 13 Mitschüler in der Klasse“, erinnert sich Braun.

Anschließend absolvierte er eine dreijährige Lehre zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank. „Mit dem Lernen hatte ich keine Probleme“, sagt Braun. Eine abgeschlossene Berufsausbildung war Voraussetzung für die Fachhochschule. Da studierte er zunächst Steuerrecht, Betriebswirtschaft und Marketing.

Die Volljährigkeit erreichte man damals erst mit 21 Jahren. Mit 22 Jahren hatte Braun das Diplom, zum Dienst bei der Bundeswehr wurde er aufgrund eines Sportunfalls nicht einberufen. „So konnte ich das Studium durchziehen“, berichtet Braun. Eigentlich habe er Steuerberater werden wollen – doch nicht für 300 D-Mark Monatsverdienst, wie angeboten.

Karrierestart in der Buchhaltung

Er unterschrieb deshalb bei einer Nürnberger Firma und arbeitete bis zu seinem 25. Lebensjahr als Gruppenleiter in der Betriebsbuchhaltung. „Ich wollte mich weiterentwickeln“, sagt Braun, weshalb er zur amerikanischen Firma ITT wechselte und als Gruppenleiter für 16 Firmen für das Ertragscontrolling zuständig war. „Dort habe ich das Arbeiten gelernt, denn unter zehn Stunden am Tag ging nichts“, blickt Braun zurück.

Zwei Jahre später hörte Braun aufgrund eines privaten Schicksalsschlags auf. Seine Frau verstarb und er musste sich um seine einjährige Tochter kümmern. „Ich habe mich dann selbstständig gemacht“, sagt Braun. In Neunhof, in einem ganz anderen Bereich, in der Musikszene. Er verkaufte Musikanlagen für Diskotheken und Tanzschulen.

Im Musiktreff „To act“

Es war zu Zeiten des „To act“, des Musiktreffs in Weißenohe, der Weltbands als Sprungbrett diente. Braun managte neben seinem Job die Musikband „Growing Sounds“ mit Weißenohern als Gründungsmitglieder. „150 Mal im Jahr sind wir im Umkreis von 100 Kilometern aufgetreten“, berichtet Braun. Seine Facharbeit hatte schon das Thema „Besteuerung von Amateurmusikern“. Mit einer 1 wurde die Arbeit benotet.

Bald hatte er Firmen in München, Wien und in Nürnberg und deckte nach dem Mauerfall den Bedarf in Sachsen und Thüringen. An mehreren Discos war er zusätzlich als Geschäftsführer beteiligt. Ab 1996 ließ das Geschäft nach. „Es gab viele Zahlungsausfälle. Wir mussten die Geschäfte schließen“, listet Braun auf. 1998 war ganz Schluss.

Lange Bürgermeisterkarriere

Zu dem Zeitpunkt war Braun zum zweiten Mal verheiratet, hatte einen Sohn und war schon zwei Jahre lang Weißenohes Bürgermeister. Es waren Bekannte, die sein Engagement im Vorstand des Sportvereins sahen und ihn drängten, sich zur Wahl zu stellen. So trat der damals 46-Jährige Braun gegen einen Gegenkandidaten an und wurde mit 80 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

Parallel führte Rudolf Braun weiterhin den Sportverein. Er war zudem zwölf Jahre lang Kreisvorsitzender im Bayerischen Gemeindetag, ist seit 13 Jahren Kreisrat, seit 17 Jahren im Regionalplanungsverband Oberfranken-West und neben Claus Schwarzmann (Eggolsheim) seit 30 Jahren dienstältester Bürgermeister im Landkreis Forchheim.

Nebenbei setzte er noch eine Ausbildung als Versicherungskaufmann drauf und arbeitet seit 1998 bei der Deutschen Vermögensberatung, bildete über 1000 Mitarbeiter aus und erreichte die vorletzte Karrierestufe.

Sein Bürgermeisteramt wird er an den Nagel hängen. Sein Credo: „Im Kommunalen sollte die Partei keine Rolle spielen. Er will sich aber nicht komplett aus der Kommunalpolitik zurückziehen und weiterhin helfen, die Chorakademie im ehemaligen Kloster in Weißenohe zum Leben zu erwecken.

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