Seit langem fehlen in der Königsstadt Veranstaltungsräume. Jetzt hat die Stadt Forchheim eine Interimslösung beschlossen. Die Soccerhalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße soll zu einer Veranstaltungshalle umgebaut werden. Geschätzte Kosten: 1,45 Millionen Euro. Besonders brisant: Die Halle soll lediglich wenige Jahre als Versammlungsstätte mit circa 500 Sitzplätzen dienen - bis das marode Kolpinghaus generalsaniert und für Veranstaltungen genutzt werden kann.
Unter Forchheimer Kulturschaffenden sorgt die Aussicht auf eine mögliche Spielstätte in der Stadt ab Januar für große Erleichterung. "Nach langen Jahren des Wartens erscheint ein Lichtblick am Horizont für Kunst und Kultur in Forchheim", sagt Gisela Steinlein, die Vorsitzende des Liedervereins sowie stellvertretende Vorsitzende des Kulturpuls-Vereins.
Veranstaltungshalle in Forchheim: Das ist geplant
Um die Soccerhalle für kulturelle oder gesellschaftliche Veranstaltungen nutzen zu können, sind Umbauten nötig. In der Halle, wo früher Fußball gespielt wurde, soll der Westteil durch eine neue Wand abgetrennt werden. So entstünde hier eine rund 830 Quadratmeter große Versammlungsstätte samt Platz für eine Bühne. Davor könnten künftig rund 500 Leute Platz nehmen, mit Tischen circa 350 Personen.
Zudem müssen Hallendach und Außenwände erneuert und gedämmt, einige Wände abgerissen, ein neuer Fußboden verlegt sowie alle Außentüren erneuert werden. Ebenso sind eine neue Beleuchtung und eine neue Fußbodenheizung geplant. Die WCs und der Haupteingang vom Parkplatz sollen barrierefrei werden. "Die Halle könnte so für fünf bis zehn Jahre genutzt werden", erklärt Architekt Stefan Paptistella aus Sassanfahrt, der bereits im November von der Stadt mit der Machbarkeitsstudie beauftragt wurde.
Auch die ehemalige Gaststätte mit rund 80 Plätzen, Theke und Lagerräumen könnte außerdem für kleinere Veranstaltungen mit Cateringservice genutzt werden. Da der Küche der Fettabscheider fehlt, ist Kochen vor Ort nicht erlaubt.
Zwischenlösung in Forchheim wird "keine Luxus- oder Konzerthalle"
Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) betont: "Es ist eine Interimslösung und wird keine Luxus- oder Konzerthalle. Aber so, dass sie auch für unsere Kulturschaffenden gut taugt." Wenn der Gesamtstadtrat im März den Haushalt beschließt, wäre der Weg frei für Investition in Höhe von 1,45 Millionen Euro in die vorübergehende Veranstaltungshalle. Voraussichtlich im Januar 2022 könnte der Umbau fertig sein. Neben Stadtratssitzungen könnten ab dann beispielsweise Kulturevents, Abschlussbälle oder Fasching in der ehemaligen Soccerhalle stattfinden.
Bestandteil der im Planungsausschuss gefassten Entscheidung: Die Interimsnutzung der Halle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße endet, sobald das sanierte Kolpinghaus in Betrieb genommen wird. Was danach mit der Halle passiert, ist offen. Fest steht: Die Verwaltung ist beauftragt, die Generalsanierung des historischen Gebäudes am Kolpingplatz in 2021 voranzubringen.
Forchheims neue Halle: Nur leise Bedenken, Beschluss einstimmig
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Josua Flierl äußerte Bedenken angesichts der Kosten: "Wir wollen nicht verhehlen, dass es in der CSU-Stadtratsfraktion auch Bauchgrummeln bei der Summe gibt, bei der es wohl nicht bleiben wird. Ich gebe zu Bedenken, dass wir 1,5 Millionen Steuergeld für eine Nutzung von drei bis fünf Jahren ausgeben."
Alle realisierbaren Optionen seien geprüft worden, hielt Manfred Hümmer, FW-Fraktionsvorsitzender entgegen: "Wer jetzt dagegen stimmt, der legt über Forchheims Kultur das Leichentuch." Entgegen der Ankündigung Flierls, dass der ein oder andere CSU-Rat dagegen stimmen könnte, fiel der Beschluss im Planungsausschusses letztendlich einstimmig. Vier SPD-Räte stimmten allerdings gegen das festgesetzte Ende der Soccerhalle als Interimslösung. "Ich hätte mir ein ,voraussichtlich' gewünscht", erklärt SPD-Rat Atila Karabag.
Neben dem Umbau der Soccerhalle soll in 2021 außerdem untersucht werden, wo der Neubau der Feuerwehr-Hauptwache auf dem Gelände südlich der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße machbar wäre.
FT-Kommentar zur Veranstaltungshalle Forchheim: "Die Freude ist teuer erkauft"
von Ronald Heck
Was die Kultur erfreut, muss angesichts der Zahlen erschrecken - 1,5 Millionen für eine Zwischenlösung! Die Stadt hat schier Glück, sich das leisten zu können. Die Freude über die bitter nötige Halle ist teuer erkauft. Demut der Stadt gegenüber dem Steuerzahler wäre angebracht.










