Eine Bürgerin aus Reuth ist genervt: „Ich gehe gerne in den Kellerwald nach Forchheim“, sagt Marianne Götz (Name von der Redaktion geändert). „Aber wenn ich mal muss, habe ich ein Problem, denn die Toilette für Menschen mit Behinderungen ist fast immer zugesperrt.“
Schlüssel für barrierefreie Sanitäranlagen
Götz hat eine Erkrankung, die dazu führt, dass sie öfter als andere auf die Toilette muss. Deshalb hat sie einen Schwerbehindertenausweis und einen Schlüssel für barrierefreie Sanitäranlagen, einen sogenannten Euroschlüssel.
Dieser soll ihr uneingeschränkten Zugang zu einer Toilette gewähren. Im Kellerwald ist das nicht der Fall.
Euroschlüssel beim Landratsamt beantragen
Jeder mit einem Schwerbehindertenausweis kann beim Landratsamt den Euroschlüssel für 23 Euro beantragen.
Dieses weit verbreitete Schließsystem ermöglicht es körperlich beeinträchtigten Menschen, öffentliche barrierefreie Einrichtungen selbstständig zu öffnen.
Götz hat diesen Euroschlüssel immer dabei – doch im Kellerwald in Forchheim nützt ihr das oft nichts.
Zweites Schloss am barrierefreien WC
Neben dem Euroschloss ist hier an der Toilettentür ein zweites Schloss angebracht. Der Euroschlüssel passt hier nicht.
Götz versteht das überhaupt nicht: „Ich hab den Schlüssel ja dafür, dass ich jederzeit auf die Toilette kann, unabhängig von den Öffnungszeiten der öffentlichen Toilettenanlage.“
Keine Rückmeldung von Forchheimer Ordnungsamt
Sie habe vor längerer Zeit schon das Ordnungsamt auf dieses Problem aufmerksam gemacht, jedoch ohne Erfolg. „Wenn ich im Kellerwald unterwegs bin und mal wieder nicht reinkomme, muss ich schauen, dass ich schnellstens nach Hause komme“, sagt sie.
Sie habe schon oft ihren Euroschlüssel verwendet, ein Zweitschloss wie im Kellerwald habe sie da noch nie gesehen.
Ein Anruf bei der Stadt soll Klarheit schaffen. „Wir haben gerade jemanden hingeschickt, der überprüft hat, ob sich das Klo aufsperren lässt. Es hat funktioniert“, sagt Birgit Herrnleben, Pressesprecherin der Stadt Forchheim.
Wirtin sperrt erst mittags auf
Als Götz am Montag gegen 14 Uhr versucht, mit dem Euroschlüssel aufzusperren, geht es wieder nicht.
Eine Nachfrage ergibt, dass eine Wirtin damit beauftragt sei, die regulären öffentlichen Toiletten am Festplatz zu den vorgegebenen Öffnungszeiten aufzusperren.
Von April bis Oktober geöffnet
Von April bis Oktober sperre die Wirtin montags bis freitags um 15 Uhr auf, samstags sowie sonn- und feiertags um 12 Uhr.
Auch das Zweitschloss der barrierefreien Toilette sperre sie erst zu diesem Zeitpunkt auf.
Für Götz und alle anderen Personen mit dem Schwerbehindertenausweis bedeutet das also, dass sie mit ihrem Euroschlüssel erst nach 15 Uhr, beziehungsweise 12 Uhr am Wochenende, Zugang zu dieser Örtlichkeit haben.
Gehbehinderte haben keine Alternative
Menschen ohne Gehbehinderung haben im Notfall viele Möglichkeiten eine Toilette aufzusuchen. Personen mit einer Gehbehinderung sind jedoch auf barrierefreie Toiletten angewiesen. Ein Zweitschloss erschwert die Situation.
„Zur Sicherung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft stellt der Zugang zu Toilettenanlagen einen relevanten Faktor dar“, sagt auch Romy Eberlein, Behindertenbeauftragte des Landratsamts.
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