Johannes Diller ist ein „digitaler Engel“. Nein, er ist keine virtuelle Figur, sondern ein 32 Jahre junger Mann, Medieninformatiker, der in Köln lebt und mit anderen Experten als „digitaler Engel“ in ganz Deutschland unterwegs ist, um Senioren bei der Nutzung der Angebote der digitalen Welt zu helfen.
Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und organisiert vom Verein „Deutschland sicher im Netz“. Johannes Diller kümmert sich vor allem um Senioren und sein aktueller Halt ist der Markt Igensdorf, der Einladung der Seniorenbeauftragten Edeltraud Rösner (CSU) folgend.
Digitalisierung: Arzttermine online buchen
„Ohne digital kommt man heute nicht mehr weiter. Sogar Arzttermine müssen online gebucht werden“, sagt Karl-Heinz Dudeck. Er und seine Frau Hasibe sind aus der Nachbargemeinde Eckental gekommen, um Hilfe beim Umgang mit den digitalen Medien in der digitalen Welt zu erhalten. Seit fast 20 Jahren sind Dudecks Rentner und dachten, Internet, Computer und Smartphone seien etwas für die junge Generation, die damit arbeiten müsse.
Auch ein Lehrerehepaar im Ruhestand dachte zunächst ähnlich. „Das entwickelte sich dann so schnell, dass wir nicht mehr mitkamen“, sagt der Senior. Doch die digitale Welt habe auch ihre Vorteile, gerade wenn man nicht mehr gesund genug sei, um zum Einkaufen zu fahren.
Hilfe von der Familie: Oft geht es zu schnell
Freilich gebe es Bekannte und Familienmitglieder, die im Umgang mit Smartphone und Computer helfen könnten. Doch zum einen gehe das dann zu schnell, wenn auf die Tasten des Laptops gedrückt und im Internet etwas angeklickt werde. Probierten sie es dann allein, stünden sie wieder vor demselben Problem.
„Man gibt etwas ein und es geht nicht“, erzählt Dudeck von manchen Selbstversuchen. Dann müsste wieder eine Hilfsperson angefragt werden. Telefonisch ist das oft ebenfalls nicht umsetzbar: Es scheitert an den richtigen Erklärungen, damit sich der Helfer ein Bild machen kann. Und die Fachbegriffe im Internet sind oft ebenfalls mehr Hürde als Hilfe. Außerdem braucht es Zeit, bis Nutzer wissen, wo sie im Internet klicken müssen, wo Gefahr lauert und was man eingeben muss, um eine App herunterzuladen und den Einkauf dann auch abzuschließen.
Bankdaten im Internet: Unsicherheit bei Senioren
Wirklich einfach nur die IBAN eingeben? Wird das dann missbraucht und irgendwer kann sich vom Bankkonto bedienen? „Es sind diese Unsicherheiten“, sagt Dudeck. Um diese zu nehmen, dafür ist Johannes Diller da. Er motiviert das Ehepaar, unter seiner Anleitung den Einkauf abzuschließen.
Erschwert wird der nicht digitalen Generation die digitale Welt durch deren immer schneller werdende Veränderungen. „Ich hatte mir vor einem Jahr ein Fotobuch erstellt und wollte das nun wieder machen. Doch der Anbieter hat das Erstellen des Buches geändert“, sagt eine Bürgerin.
„Digitaler Engel“ im Igensdorf: Senioren sind dankbar
Zunächst hatte sie ihr Vorhaben auf Eis gelegt, sich dann aber doch gezwungen, sich mit den neuen Schritten auseinanderzusetzen und sich damit zu beschäftigen, bis sie erneut ein Fotobuch erstellen konnte. Wenn Diller Nutzer in Deutschland betreut, so heißt das nicht, dass nur Senioren den sicheren Umgang im Netz lernen müssen. Der Verein „Deutschland sicher im Netz“ biete mit seinen „digitalen Engeln“ auch Projekte für Schüler oder Lehrkräfte an, um einen sicheren Umgang mit dem Internet zu erlernen.
Das Ehepaar Dudeck jedenfalls ist dankbar für das Angebot im Jugendtreff „Zeitloch“ in Igensdorf und will auch die Angebote der Igensdorfer PC-Selbsthilfegruppe in Anspruch nehmen. „Wenn man nicht in der digitalen Welt geboren ist, ist man verloren. Man muss lernen“, sagt eine andere Seniorin, die nun mit dem Experten Johannes Diller ihren neuen Laptop einrichten will.













