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Fränkische Schweiz
Nach Sichtung: Wie leben mit dem Wolf?
Frankens wohl größtes Wolfsrudel lebt derzeit im Tambacher Wildpark.Forchheim & Fränkische Schweiz
Frankens wohl größtes Wolfsrudel lebt derzeit im Tambacher Wildpark. // Stephan Großmann/Archiv
Gößweinstein – Anscheinend streift ein Wolf durch den Landkreis Forchheim: Ein zweiter Experte bestätigt, dass das Tier in dem viralen Video ein Wolf ist. Doch was bedeutet das für Menschen, Schafe und Alpakas?

Sechs Alpakas stehen auf der Weide von Manuela Dormann in Windischgaillenreuth. Sie schläft schlecht, seit sie das Video gesehen hat, das anscheinend einen Wolf bei Stempfermühle zeigt. „Ich schaue morgens gleich nach meinen Tieren“, sagt sie. „Das ist der Horror für mich, dass ich eins meiner Alpakas finde, im Sterben liegend.“  Immer wieder höre sie Gerüchte über gesichtete Wölfe, die Tiere kämen einfach näher. 

Sie selbst hat für ihre Alpakas schon einen wolfsabweisenden Zaun bauen lassen. Seitdem der Landkreis Forchheim offiziell Wolfsgebiet ist, gibt es dafür auch umfangreiche Fördergelder. „Das wurde fast zu 100 Prozent bezahlt“, sagt Dormann, „und war wirklich unkompliziert.“ Den Antrag können Weidetierhalter beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg stellen.

Video geht seit Tagen viral, Urheber unbekannt

Das Video wurde Manuela Dormann von einem Nachbarn geschickt. Seit dem Wochenende kursiert es auf WhatsApp. Wer der Urheber ist, ist unbekannt. Doch Willi Reinbold, Wolfsexperte vom Landesbund für Vogelschutz, ist sich sicher, auf den Bildern einen Wolf zu erkennen. Während sich das zuständige Landesamt für Umwelt (LFU) noch bedeckt hält und eher skeptisch ist, bestätigt dem FT jetzt ein weiterer Experte: „Das Video ist zu 100 Prozent echt und zeigt tatsächlich einen Wolf“, erklärt Erich Fiedler, Wolfsbeauftragter der Forchheimer Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes. 

Vermutlich handle es sich um einen jungen Rüden aus dem  Veldensteiner Forst, der sich derzeit auf Wanderschaft befinde. „Dank DNA-Proben ist bekannt, dass Wölfe Strecken von bis zu 300 Kilometern zurücklegen, bis sie sich irgendwo niederlassen“, berichtet Fiedler. Dies geschehe erst, sobald sie einen geeigneten Partner sowie ein freies Revier fänden. Dass der junge Rüde aus dem Video sich hier niederlasse, sei eher unwahrscheinlich.

Überraschend ist die Aufnahme in seinen Augen nicht. Auch in der Umgebung seines Reviers in Obertrubach würden immer wieder Wölfe gesichtet oder von Wildkameras aufgezeichnet und gerissene Rehe gefunden. „Das Rudel im Veldensteiner Forst ist recht stark und es gibt jedes Jahr Jungtiere“, erklärt der Wolfsbeauftragte.

Infolgedessen würden jedes Jahr die älteren Geschwister von den Eltern fortgejagt, um sie so dazu bewegen, sich ein eigenes Revier zu suchen. Über kurz oder lang werde ich auch im Landkreis Forchheim ein Revier etablieren. „Selbst, wenn man es wollte, könnte man das nicht mehr verhindern“, sagt der Kreisjagdberater. Der Gedanke daran bereitet ihm aber auch Unbehagen.

Mögliche Lösungen: Gute Zäune und Rückzugsgebiete

„Ich bin definitiv der Überzeugung, dass der Wolf eine Existenzberechtigung hat“, betont er. Die unbegrenzte Ausbreitung der Tiere in Deutschland sei jedoch riskant. Grund hierfür sei das Lern- und Sozialverhalten der Spezies. „Wölfe lernen sehr viel von ihren Eltern – etwa wie man jagt und welche Beute sich lohnt“, erklärt der Jäger.

Auf dieselbe Weise würden Jungtiere von ihren Eltern aber auch lernen, Gefahren zu identifizieren. In Deutschland lebende Rudel würden jedoch zunehmend die Angst vor  Menschen verlieren, da von ihnen keine Bedrohung ausgehe. Folglich würden sich die intelligenten Tiere immer näher an Siedlungen oder sogar Höfe heranwagen, um sich Fressen zu suchen. Rudel, die ein solches Verhalten an ihre Jungen weitergeben, seien ein Problem.

„Das heißt nicht, dass wahllos überall auf jeden Wolf geschossen werden sollte“, betont Fiedler. Ein friedliches Miteinander von Wolf und Mensch sei jedoch nicht überall möglich. Die Lösung in seinen Augen wäre es, bestimmte Gebiete auszuweisen, in denen Wölfe streng geschützt blieben. Solche Rückzugszonen gebe es bereits für andere Wildarten.

Außerhalb dieser Gebiete müsse ein Abschuss unter bestimmten Bedingungen jedoch möglich sein, um zu verhindern, dass Tiere mit problematischen Gewohnheiten diese an ihren Nachwuchs weitergeben könnten. „Leider ist die Debatte um den Wolf so aufgeheizt, dass kaum ein Jäger diese Aufgabe derzeit wahrnehmen wollen würde“, berichtet er. Viel zu groß sei die Sorge vor Racheaktionen durch Wolfsbefürworter.

In Bayern dürfen Wölfe erschossen werden

Seit dem 1. Mai erlaubt eine spezielle bayerische Verordnung tatsächlich den Abschuss der streng geschützten Tiere. Die einzige Bedingung: Es muss ein Nutztier gerissen worden sein, so Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Die Verordnung ermöglicht zudem die Tötung von Wölfen, wenn sie sich dem Menschen zu sehr nähern. Umweltschützer kritisieren die neue Verordnung seit Wochen, so wie der LBV-Experte Willi Reinbold.

Die neue Wolfsverordnung ist für ihn „nur Sand in die Augen der Weidetiethalter“. Ein wirklicher Herdenschutz sieht seiner Meinung nach anders aus. In anderen EU-Ländern habe sich gezeigt, dass besonders dort viele Nutztiere vom Wolf getötet werden, wo die Raubtiere erschossen werden dürfen.

Eine ungeschützte Weide sei für den Wolf wie ein gedeckter Tisch. Er empfiehlt daher allen Landwirten, ihre Zäune entsprechend zu erneuern und dafür auf die Förderung zurückzugreifen, „Wenn die Tiere lernen, dass Schafe gut schmecken“, werde es schwierig, das Problem in den Griff zu bekommen. „Beim Schaf ist fast jeder Versuch erfolgreich“, weiß Reinbold. „Ein Reh ist für den Wolf viel schwieriger zu erlegen.“

Für den Menschen sei der Wolf aber nicht gefährlich. Auch Manuela Dormann hat vor allem Angst um ihre Tiere, sie selbst fürchtet sich nicht. Auch wenn es einerseits schön sei, dass die Tiere wieder bei uns heimisch werden, sei es eben doch auch ein bisschen unheimlich. 

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