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Wölfe in Franken
Landkreis Forchheim als Wolfsgebiet gekennzeichnet
Das Landesamt für Umwelt hat eine neue Karte der bayerischen Wolfsgebiete herausgegeben. Der Landkreis ist darin teilweise als Wolfsgebiet gekennzeichnet.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das Landesamt für Umwelt hat eine neue Karte der bayerischen Wolfsgebiete herausgegeben. Der Landkreis ist darin teilweise als Wolfsgebiet gekennzeichnet. // hkuchera, stock.adobe.com
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
LKR Forchheim – Das Landesamt für Umwelt hat eine neue Karte der bayerischen Wolfsgebiete herausgegeben. Im Landkreis Forchheim zeigt sich der selten Wolf selten, doch seine Spuren sind nachweisbar.

Auf einer Weide kauen Schafe genüsslich Grashalme. Jeden Tag ist Georg Distler mit seinen Tieren draußen. Von Woche zu Woche zieht er mit seinen 500 Schafen um, quer durch die Region und baut jede Woche den Zaun von neuem auf.

Das Landesamt für Umwelt hat nun eine neue Karte der bayerischen Wolfsgebiete herausgegeben. Doch fast der gesamte Landkreis Forchheim ist in der aktuellen Veröffentlichung im Bayerischen Ministerialblatt als Wolfsgebiet gekennzeichnet.

Weidetierhalter sollen sich informieren

Weidetierhalter werden aufgerufen, sich regelmäßig über die Situation in Bayern zu informieren. Der Wolf ist da, und das wird von den Weidetierhaltern mit gemischten Gefühlen gesehen. „Es ist ruhig“, sagt Distler. Sind seine Schafe nicht beunruhigt, dann ist er es auch nicht. Die Tiere würden anders reagieren, wenn sich der Wolf zeigen würde.

Ein anderes Kaliber als Füchse

Zwar würden Füchse auch nachts bei den Schafen herumstreifsein. „Aber der Wolf ist eine andere Nummer. Er ist doppelt so aggressiv und hat andere Möglichkeiten, da er größer ist als der Fuchs“, berichtet Distler. Um seine Schafe wirklich zu sichern, müsste er einen Wolfszaun wie im Wildpark Hundshaupten bauen.

Landwirte in Kontakt mit anderen Züchtern

Die Landwirte stehen im engen Kontakt mit anderen Züchtern und Tierhaltern aus ganz Deutschland und kennen genug Beispiele, wie es aussieht, wenn der Wolf Lämmer reiße und wie deren Schreie klingen.

Rinder des Biohofes Gebhardt in Letten  stehen hinter einem neuen wolfsicheren Zaun.Forchheim & Fränkische Schweiz
Rinder des Biohofes Gebhardt in Letten stehen hinter einem neuen wolfsicheren Zaun. // Walter Gebhardt

Sie sind aber auch mit den Jägern vor Ort in Kontakt. Deshalb weiß Markus Wolf aus Obertrubach, dass der Wolf schon Richtung Thuisbrunn gesichtet wurde. „Alle sind hier noch gelassen“, sagt Markus Wolf. Seine schottischen Hochlandrinder leben an 365 Tagen im Jahr auf der Weide, umzäunt, aber nicht durch einen wolfssicheren Zaun.

Der normale Weidezaun hat drei Litzen, der wolfsichere fünf solche stromführende Drähte. Ein Unterschied, der nach Wolfs Meinung wenig bringt. „Der Wolf sucht sich immer einen Weg. Er springt drüber oder gräbt drunter“, sagt Markus Wolf.

Wegen Entschädigung vorgeschrieben

Der wolfsichere Zaun sei wegen einer Entschädigungszahlung vorgeschrieben. Doch um eine Entschädigung zu erhalten, müsse der Weidetierhalter nachweisen können, dass es ein Wolf war, der eingedrungen sei, wissen die Tierhalter.

Markus Wolf hofft deshalb, Isegrim habe Respekt vor der Größe der Rinder. Vor Schafen hat er weniger Respekt. Sie gehören obendrein zu seinen Leibspeisen. Auch wenn Distler Zäune baut, er kann sie nicht fest in die Tiefe graben. Er wandert mit den Schafen von Fläche zu Fläche.

Symbol für Rückkehr zur Natur

Für den Außenstehenden sei der Wolf das Symbol für Rückkehr zur Natur, findet Georg Distler. Doch für den Betroffenen sei es das seelische Ende, wenn sich der Wolf an den Tieren vergreife. Würde der Wolf einige seiner Schafe reißen, würde er mit der Tierhaltung aufhören.

Durch die Bevölkerungsdichte und die vielen Spaziergänger in Wald und Flur sei der Freiraum für den Wolf geringer. Wenn er sich hier doch ansiedele, dann gehe auch der Wolf den leichten Weg: zu den Tieren auf der Weide.

Biohof Gebhardt in Letten

Nicht der Wolf, aber der Fuchs hat sich schon mehrfach an den Hühnern auf dem Biohof Gebhardt in Letten bedient. Mit 170 Rindern, die von Frühjahr an alle draußen sind, und einigen Schafen ist er einer der größten Weidetierhalter im Landkreis. Auch Walter Gebhardt steht mit den Jägern in Kontakt und weiß, dass schon letztes Jahr am Lindelberg Wolfsspuren gesichtet worden sind. Es war wohl ein Einzelgänger.

Walter Gebhardts Frau Erika kam vor zwei Tagen wieder mit der Mitteilung einer Wolfsichtung in Igensdorf nach Hause. Er hatte sich deshalb dafür entschieden, den vom Staat geförderten Wolfszaun mit Robinienpfählen zu errichten, auch am Hof, wo die Hühner und Schafe sind. Die Pfähle mussten mit einem speziellen Gerät in den Boden gestampft werden. 300.000 Euro hat er gekostet, 85 Prozent wurden gefördert.

Zaun schützt auch vor dem Fuchs und streunenden Hunden

„Der Zaun gefällt uns inzwischen sehr gut. Er ist ökologisch dauerhaft“, sagt Gebhardt. Mehr noch: Seit der Zaun errichtet sei, seien kein Fuchs mehr und auch keine streunenden Hunde in die Weide gekommen. „Wer hier an den Strom langt, will das die nächsten zehn Jahre nicht mehr probieren“, sagt Gebhardt.

Der Zaun hat fünf Litzen, eine ganz oben, eine ganz unten, denn der Wolf sei ein „Untergraber“. „Wenn er den Zaun mit der Schnauze oder den Pfoten berührt, reicht es ihm“, glaubt Gebhardt. „Ich glaube nicht, dass der Wolf von Haus aus Interesse an Menschen hat. Nur dann, wenn der Mensch in sein Territorium eingreift.“ Die Ängste würden hochgespielt, meint Gebhardt. Und doch bleibt ein gemischtes Gefühl. Weil hier noch niemand gesehen hat, wenn der Wolf zuschlägt.

 

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