Eigentlich ist Christbaumzeit. Nicht so im Wiesentgarten. Hier war Obstbaumzeit. Von den Bauhofmitarbeitern Thomas Häfner und Jürgen Rattel wurden kürzlich die restlichen 586 von insgesamt 1700 Streuobstbäumen, die die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Fränkische Schweiz Aktiv im Rahmen des Streuobstpakts der bayerischen Staatsregierung heuer geordert hatte, an Interessenten verschenkt. Für nächstes Frühjahr sind bereits weitere 700 Baumsetzlinge bestellt.
Aus Buckenreuth ist Christian Sponsel mit seinen Kindern Benedikt und Antonia gekommen. Sein Obstgarten ist etwa einen Hektar groß. Er lädt auch Obstbäume – Quitte, Apfel, Zwetschge und Birne – in seinen Kombi. Aber auch eine Eberesche. „Wir wollen auch was für die Vögel tun“, sagt Sponsel, der von der Aktion begeistert ist.
Ebermannstadts Bürgermeisterin und ILE-Chefin Christiane Meyer (NLE) zeigt sich begeistert: „Wir wurden regelrecht überrannt von dem großen Interesse und bedauern es sehr, dass wir nicht alle Bestellungen in diesem Jahr berücksichtigen konnten. Wir werden daher sehr gern auch im kommenden Jahr den Streuobstpakt unterstützen und haben alle, die in diesem Jahr leer ausgegangen sind, automatisch für das kommenden Jahr vorgemerkt.“
Wie Meyer sagt, passt die Streuobstbaumausgabe auch sehr gut zum Ebermannstädter Jubiläumsjahr. „Streuobstbestände gehören zu unserer Geschichte, Tradition und zu unserem Landschaftsraum“, sagt Meyer mit Blick in die Vergangenheit. Und mit Blick in die Zukunft sei es wichtig, das drohende Artensterbens zu verhindern.
Das Artensterben nimmt offenbar zu
Der Weltbiodiversitätsrat sei in seinem Bericht zum Zustand der Natur 2019 noch davon ausgegangen, dass eine Million Arten – jede achte Art – in diesem Jahrhundert aussterben könnte, so Meyer weiter. Die neue Umfrage-Studie aus Minnesota erhöhe diese Schätzung nun auf fast drei Millionen Arten. Alleine auf einem einzigen Apfelbaum könne man 1000 Arten von verschiedenen Lebewesen finden.
Wichtig sei der Erhalt der Streuobstwiesen aber auch für das Landschaftsbild sowie gleichermaßen für Einheimische und Touristen. Einst seien die Streuobstfrüchte unverzichtbar für die Menschen gewesen. „Dort wo jetzt unser Rathaus steht, standen früher die kommunalen Dörrehütten“, so Meyer. Und dass Ebermannstadt schon immer ein Ostzentrum war, davon zeuge die Marienfigur am Marktplatz. Neben dem Jesuskind halte sie Kirschen in der Hand. Die schönste Jahreszeit für Meyer ist, wenn die Obstbäume blühen.
Eine Million Obstbäume mehr in Bayern
Gemeinsam mit dem ILE-Management hätten die zwölf Kommunen der ILE Fränkische Schweiz Aktiv den Streuobstpakt gern umgesetzt und werden ihn auch in den nächsten zehn Jahren noch weiter umsetzen. Denn Ziel in ganz Bayern sei es, dass bis dahin eine Million Obstbäume gepflanzt sind. Hauptpartner seien die Baumschulen Schmitt und Wagner aus Poxdorf.
„Dies ist ein wichtiger Beitrag, um die Artenvielfalt in der Fränkischen Schweiz zu fördern und zu erhalten – und er reiht sich ein in viele Projekte rund um das Streuobst ein“, freut sich Thomas Müller, Leiter der Abteilung Land- und Dorfentwicklung beim Amt für Ländliche Entwicklung. Hand in Hand mit den ILE-Managerinnen Corinna Brauer und Julia Petschler fördere sein Amt die Umsetzung des Streuobstpaktes.
„Wir sind sehr dankbar für diese unbürokratische Förderung, die gerade bei Privatpersonen auf großes Interesse gestoßen ist“, erläutert Corinna Brauer. Julia Petschler ergänzt: „Einziger Wermutstropfen ist, dass wir leider nicht alle Bestellungen in diesem Jahr bedienen konnten, 700 Baumbestellungen haben wir auf das kommende Jahr verschoben, da die Bäume erst nachwachsen müssen. Die beliebteste Baumart war heuer der Apfel, gefolgt von der Birne.“
Gefördert wird der Kauf hochstämmiger Obstgehölze mit bis zu 45 Euro der Bruttokosten pro Baum. Als Eigenanteil bleiben lediglich die Aufwendungen für das Pflanzmaterial. Die Förderung kann über Kommunen sowie über Vereine organisiert werden. Diese nehmen Sammelbestellungen auf, übernehmen die Online-Antragstellung, und koordinieren die Aus- und Weitergabe der Bäume.
Streuobstwiesen schützen auch das Klima
„Wir möchten damit etwas gegen den Artenschwund tun und unseren Beitrag zum Klimawandel leisten“, resümiert Christiane Meyer. Denn Streuobstwiesen leisteten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und könnten bis zu 12,5 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Hektar im Jahr speichern.
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