Mit der Idylle kann es schnell vorbei sein. So geht es gerade Norbert Mehl. Er lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern am Ortsrand von Stöckach. Direkt neben dem gemieteten Haus liegt eine große Streuobstwiese.
Dort zwitschern normalerweise die Vögel. Doch am vergangenen Freitag heulten nur Motorsägen. Norbert Mehl ist da gerade bei der Arbeit, schließlich erreicht ihn seine Frau: Zwei Arbeiter fällen gerade die Obstbäume.
„Ich ließ alles liegen und stehen und fuhr wie von der Tarantel gestochen nach Hause“, sagt Mehl. Zu Hause angekommen, schrie er die beiden Arbeiter an. Doch die sahen sich im Recht, schließlich waren sie vom Eigentümer des Grundstücks mit der Fällung der Bäume beauftragt worden.
Der Streit war da, irgendwann rückte die Polizei an. Die stoppte die Fällarbeiten zunächst, wie ein Polizeisprecher gegenüber dem FT bestätigt. Die Rechtslage müsste zunächst geklärt werden. Am Freitagnachmittag war das schwierig, so die Polizei.
Am Montagvormittag können die Beamten dann Klarheit schaffen: Die Fällung einer privaten Streuobstwiese ist generell möglich, muss aber den Artenschutz beachten. Das sei hier nicht erfolgt. In solchen Fälle müsse der Eigentümer ein entsprechendes Gutachten einholen. Das liege aktuell nicht vor.
Doppelhäuser für Familien geplant
Im Sommer hat die Wertbau aus Igensdorf das Haus, in dem Peter Mehl mit seiner Familie lebt, und auch die angrenzende Streuobstwiese gekauft. Laut der Homepage ist das Unternehmen darauf spezialisiert, kleinere Wohnanlagen in vorhandenen Baulücken zu bauen und dann zu verkaufen.
Und etwas ähnliches hat die Firma auch in Stöckach vor, wie Geschäftsführer Norbert Niersberger gegenüber dem FT sagt: „Wir wollen auch unseren kleinen Teil dazu beitragen, dass pro Jahr 400.000 Wohnungen in Deutschland gebaut werden.“
Auf dem Grundstück am Ortsrand will er bis zum Frühjahr 2024 vier Doppelhäuser bauen. „Für junge Familien ist das ideal“, sagt der Bauunternehmer. „Es gibt einen Kindergarten im Ort, Spielplätze um die Ecke, die Natur vor der Haustüre.“
Auch sei das Projekt noch in einer vernünftigen Preislage realisierbar. Aktuell geht er von einem Verkaufspreis von etwa 530.000 Euro aus. Angesichts der wechselhaften Preise in der Baubranche, könne der Preis sich aber auch noch ändern.
Baugenehmigung liegt noch nicht vor
Doch die Zeit drängt. Die Nachfrage nach Wohnungen ist enorm, doch die Zinsen steigen. Der Bauunternehmer will die Häuser daher anscheinend möglichst schnell bauen.
Mit der Gemeinde sei man schon im Gespräch wegen der Baugenehmigung, die entsprechenden Anträge seien bald fertig, um sie einzureichen. Fällarbeiten sind aber nur noch bis zum 1. März möglich. Würde er damit warten, würde sich der Bau der Doppelhaushälften schnell um ein halbes Jahr verzögern.
Das nötige Gutachten will der Bauunternehmer jetzt nachträglich einholen. Die Untere Naturschutzbehörde habe ihm auch schon signalisiert, dass dies möglich sei.
„Das ist ja nicht das erste mal, dass wir mit so etwas konfrontiert sind“, sagt Niersberger. In der Vergangenheit habe man oft genug entsprechende Ausgleichmaßnahmen umgesetzt. „Ich bin ja auch Naturliebhaber“, sagt er. „Esse kein Fleisch und fahre E-Auto.“ Und der Streit mit den Nachbarn? Gehöre bei solchen Bauprojekten meist dazu.
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