Auf den ersten Blick sieht der Keller Nummer 4 an der Ramstertalstraße zwischen Ebermannstadt und Moggast leer aus. Doch der Biologe Matthias Hammer schaut genauer hin und leuchtet jede Ritze im Deckengewölbe aus. Kurz darauf hat er die erste Fledermaus zusammengekauert in einer Spalte entdeckt. Hammer ist Leiter der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern an der Universität Erlangen.
Im Winter und im Sommer zählt er mit Ehrenamtlichen Fledermäuse in der Region, um Aussagen treffen zu können, welche Arten in Gefahr sind, auszusterben, oder welche sich wo gut vermehren.„Viele Kellerbesitzer erzählen uns, dass in ihren Felsenkellern nichts ist. Denn die Fledermäuse verstecken sich gut, um nicht von anderen Tieren angegriffen zu werden“, erklärt Hammer.
Fledermäuse brauchen im Winter eine halbe Stunde bis sie flugbereit sind
Er berichtet, dass die schlafenden Fledermäuse die Temperatur des Kellers annehmen. In einem Notfall könnten sie nicht schnell genug wegfliegen, sondern würden erst etwa eine halbe Stunde lang zittern, um ihre Temperatur auf über 30 Grad zu erhöhen. Denn erst dann können sie fliegen.
Alleine an der Ramstertalstraße gibt es zehn Felsenkeller, in denen regelmäßig Fledermäuse überwintern. Matthias Hammer braucht etwa zehn Stunden, um die Keller zu begutachten. Alleine im vierten Keller hat er achtmal ein Großes Mausohr entdeckt, acht Bartfledermäuse, vier Braune Langohren, drei Fransenfledermäuse und zwei Wasserfledermäuse.
Insgesamt hat er in den zehn Kellern in diesem Winter 135 Tiere zählen und mindestens sechs Arten bestimmen können. „Es ist manchmal schwierig, die Art zu erkennen, wenn die Fledermaus in so einem Spalt steckt. Die hängen da nicht so herum wie man es in amerikanischen Filmen sieht“, erläutert Hammer.
Schon das dritte Jahr sind auffällig wenig Tiere in den Höhlen
Er erklärt weiter, dass es im dritten Jahr in Folge einen auffällig geringen Besatz gegeben habe, allerdings mit einer leicht positiven Tendenz. Der Mittelwert der letzten zehn Jahre war 192 Fledermäuse. Allerdings waren es in diesem Jahr 14 Prozent mehr Tiere als im Vorjahr. Auch ist eine deutliche Zunahme des Braunen Langohrs zu verzeichnen.
Hammer stellt fest, dass die Fledermäuse den Winter gern in geschützten Kellern, Stollen oder Höhlen verbringen. Im Sommer ziehen sie die Jungen dann zum Beispiel in Baumstümpfen auf oder sind in Kirchendachstühlen anzutreffen.
Durch die warmen Winter ziehen sich jedoch nicht mehr alle Fledermäuse in Keller, Höhlen oder Stollen zurück. Matthias Hammer erklärt, dass nur ein langjähriges Monitoring detaillierte Auswertungen erlaube und man zukünftig auch Wetterdaten berücksichtigen müsse.
Hammer erzählt vom Biologen Manfred Kraus, der in der 50er Jahren angefangen hatte, Fledermäuse zu zählen und die Ergebnisse zu dokumentieren: „Er hatte befürchtet, dass die Fledermäuse zu seinen Lebzeiten aussterben.“
Vor den Kellern rasen ständig Autos auf der Ramstertalstraße vorbei. Das stört die Tiere wenig. Der Biologe gibt aber zu bedenken, dass ein umfangreicher Ausbau der Straße negative Folgen für die Fledermäuse haben würde.
Aus Hessen und Thüringen kommen Fledermäuse im Winter in die Fränkische Schweiz
Die Ergebnisse des Monitorings fließen in eine Fledermausdatenbank ein. Hieraus veröffentlichte das Bayerische Landesamt für Umwelt 2009 einen Bericht. In einem Schaubild ist zu sehen, dass der Landkreis Forchheim zu einem der bayerischen Schwerpunkte für Winterquartiere gehört.
„Manche Tiere fliegen im Sommer nach Hessen oder Thüringen und kommen im Winter in die fränkischen Felsenkeller zurück“, erklärt Hammer und verschließt Keller Nummer 4 wieder. In diesem Winter hat er seine Zählung an der Ramstertalstraße beendet.
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