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Gräfenberg: Gutachten ist da
Das ist der Grund für die Schaumbildung im Ressgraben
Der Schaum im Ressgraben war lange Zeit ein Rätsel.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Schaum im Ressgraben war lange Zeit ein Rätsel. // Alfons Trautner
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Gräfenberg – Die Vermutung, das Phänomen im Ressgraben werde vom Steinbruch verursacht, ist widerlegt. Naturschützer bleiben dennoch skeptisch.

Schaum bildet sich im Ressgraben bei Gräfenberg. Immer wieder, ohne ersichtlichen Grund. Die Oberflächenwassereinleitungen vom Steinbruch der Firma Endreß wurden als Grund vermutet. Bilder über die Schaumbildungen waren von Naturschützern und Anwohnern den Grünen zugetragen und an die Verwaltungsgemeinschaft weitergeleitet worden.

Auch wenn eine beauftragte Umweltfachfirma den Steinbruch als Verursacher ausschließen kann und das Landratsamt die Genehmigung für weitere Wassereinleitungen erteilt, wollen die Grünen in einem Antrag kurz vor Sitzungsbeginn die Genehmigung verhindern. Notfalls solle die Stadt rechtliche Schritte einleiten.

Früher lebten in dem Wasser noch Krebse

Auch Alfons Trautner, Anwohner, Initiator des Naturschutzpreises der Vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg und deren Ehrenvorsitzender, wundert sich über ständige Schaumbildung im Ressgraben.

Dieser ist ein Gewässer dritter Ordnung, verläuft meist unterirdisch, tritt aber an wenigen Stellen zutage − auch an Trautners Grundstück. „Früher lebten in dem Wasser noch Krebse“, erinnert er sich. Nun sei es ein biologisch totes Gewässer. Statt Tieren sehe man Schaum. „Manchmal ist der ganze Ressgraben voll Schaum“, sagt Trautner.

Grünen fordern Stellungnahme

Doch bis er den Graben erreiche, sei der Spuk vorbei: „Es dauert nur zwei bis drei Minuten, dann kommt wieder klares Wasser“, sagt Trautner. Bis nun die Kanalbefahrung angeordnet wurde, war nichts passiert.

Grund für die Untersuchungen war der Antrag der Firma Steinbruch Endreß, auch weiterhin das Oberflächenwasser in den Ressgraben einzuleiten. Wäre da nicht die Schaumbildung, die von den Grünen dem Steinbruch zugeschrieben wurde. Sie brachten deshalb eine Stellungnahme und Fragen zur Prüfung an das Landratsamt ein.

Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW) sagte auf Anfrage: „Wir haben das im Stadtrat mit Ernsthaftigkeit verfolgt. Wir wollten nicht ablehnen und niemanden unter Generalverdacht stellen, aber auch nicht zustimmen, bis die Schaumbildung geklärt war.“

Mehrere Gutachten

Mit der Firma Funke wurde ein Institut für Umweltanalytik beauftragt, das Wasser im Ressgraben und die Rolle des Steinbruchs als möglicher Verursacher zu untersuchen. Mehrere Gutachten wurden erstellt, mit dem Ergebnis, dass Endreß definitiv nicht der Verursacher der Schäume ist, sondern Huminsäure - eine natürliche Begebenheit im Boden.

Das Landratsamt erteilte daraufhin die Genehmigung, dass der Steinbruch bis 31. Dezember 2043 einleiten dürfe. Die Genehmigung sei jedoch jederzeit widerrufbar. „Wir haben alles getan, um zu beleuchten. Mehr können wir nicht tun“, sagt Bürgermeister Kunzmann auf Anfrage.

Natürliche Ursache ist weiter fragwürdig

Dennoch ist die Erklärung „natürliche Ursache“ für die Naturschützer fraglich. „Dann müsste bei den anderen Gewässern auch Schaum sein“, vermutet Trautner. Vielleicht hätte nicht das Wasser, sondern der Schaum untersucht werden sollen.

Doch die Umweltfachfirma kann beruhigen. Schaum entstehe bei Wässern, die oberflächenaktive Substanzen enthalten. Solche sind typischerweise Seifen, Waschmittel, Tenside, Eiweiße, Huminsäuren und andere.

Seifen und Waschmittel werden in jedem Haushalt benutzt, während Eiweiße und Huminsäuren pflanzlichen Ursprungs sind. Das können verrottende eiweißhaltige Pflanzenteile sein, Gülle, Mist, Urin, Holz, Torf oder auch Bierschaum. Die Schäume von Tensiden und Seifen sind meist kurzlebig, lassen sich aber durch Schütteln wieder reproduzieren.

Keine Hinweise auf künstliche Tenside oder Seifen

Die Schäume natürlichen Ursprungs sind langlebig und lassen sich nicht wieder hervorbringen – bei einem abgestandenen Glas Bier könne man den Schaum auch nicht zurückholen. Alle Proben aus dem Ressgraben ergaben keine Hinweise auf künstliche Tenside oder Seifen.

Vielmehr zeigen die Ergebnisse eindeutig, dass die Schaumbildung auf natürliche oberflächenaktive Substanzen, die Huminsäuren und Eiweiße, zurückzuführen sei, so das Umweltinstitut. Trotzdem wollten die Grünen in einem Änderungsantrag die Wassereinleitung durch den Steinbruch verhindern oder zumindest mit Auflagen versehen.

Alle sechs Monate prüfen

So solle das Wasser halbjährlich auf Schadstoffe überprüft werden, die Feuerwehr befragt werden, ob sie bei den auf dem Gelände gelagerten 100.000 Litern Altöl genug Kapazitäten hätte, um im Fall eines Ölunfalls handeln zu können.

Und es sollten 25.000 Euro bereitgestellt werden, um rechtlich gegen die vom Landratsamt erteilte Genehmigung vorzugehen. Nach langer Diskussion wurden die Anträge der Grünen abgelehnt.

Die Genehmigung der Wassereinleitung wurde zur Kenntnis genommen, mit dem Zusatz einer vierteljährlichen Beprobung der Einleitung.

Der wesentliche Punkt für die Freien Wähler und die CSU war, dass sie als Laien die Entscheidungen einer Behörde auch annehmen müssten und Entscheidungen und Ergebnisse von Behörden und Fachfirmen nicht immer anzweifeln dürften.

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