Ein Apfeldiebstahl im großen Stil ist am Wochenende in Igensdorf beobachtet und zur Anzeige gebracht worden: Insgesamt wurden 320 Kilo Äpfel geklaut, der Schaden beträgt über 600 Euro.
Nicht nur die Diebe, auch eine in der Gegend fahrenden Streife hat die Zeugin angesprochen und sie berichtet, dass sie von den Dieben aggressiv verbal angegangen worden sei: „Wenn die Landwirte nicht wollen, dass man Äpfel nimmt, dann sollten sie einen Zaun um ihr Grundstück ziehen.“
Zaun um Obstgrundstücke in der Fränkischen Schweiz
Etliche Obstgrundstücke in der Fränkischen Schweiz sind bereits eingezäunt. „Eher um Verbiss durch Hasen und Rehe zu verhindern“, sagt Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm. Er hat selbst eine Landwirtschaft und Obstanbau.
Auch Markus Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Franken Obst GmbH, hat Obstplantagen. Neben Kirschen und Zwetschgen auch Äpfel. Es komme immer wieder vor, dass die Leute Obst mitnehmen, aber: „Bei 300 Kilo muss man die Polizei einschalten“, sagt Zeiß.
Bauernverband Kreisgruppe Forchheim: „Keine Bagatelle mehr“
„300 Kilo bringt man in ein normales Auto nicht rein“, sagt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbands Kreisgruppe Forchheim. „Das ist keine Bagatelle mehr.“ „Der Charakter einiger Menschen lässt spürbar zu wünschen übrig“, beschreibt Nützel die Beobachtung der Vorgehensweise mancher Zeitgenossen.
Es sei Diebstahl und mit nichts zu entschuldigen, findet Nützel, denn das Obst ist das Ergebnis der Arbeit der Landwirte. Manche Landwirte würden deshalb Schilder, dass das Obst mit Pflanzenschutzmittel behandelt wurde, als Notlösung und Abschreckung aufhängen.
Keiner der Landwirte sage etwas, wenn Spaziergänger eine Kirsche naschten oder sich einen Apfel zum Verzehr pflückten.
Polizeiinspektion Ebermannstadt: Es ist Diebstahl
Obstklau finde regelmäßig statt, werde aber nicht zur Anzeige gebracht, wenn es im Rahmen sei, bestätigt Alexander Stieg, Leiter der Polizeiinspektion Ebermannstadt. Er erklärt, dass bereits das Entwenden eines Apfels schon Diebstahl sei, kein Kavaliersdelikt, wie oft angenommen.
„Ein Kavaliersdelikt wäre, wenn ein Mensch, der keine Einnahmen hat, ein Obdachloser beispielsweise, aus Not einen Apfel nimmt“, sagt Stieg. Nun ist ein Apfel nicht viel und trotzdem vergleichbar damit, wenn jemand im Supermarkt eine Packung Kaugummi für 80 Cent mitgehen lasse. Das sei Diebstahl. Ebenso, wenn Leute für 25 Euro bei Selbstbedienungsangeboten einkauften und nur zwei Euro in die Kasse legten.
Probleme am Bodensee
Auch Markus Zeiß hat bei seinen Plantagen bereits Leute beobachtet, die ihre mit Obst gefüllten Taschen im Kofferraum verstauen. Mit den Dieben konnte er dann aushandeln, dass sie bezahlen, sonst würde er die Polizei rufen. Richtige Probleme mit Obstdiebstahl kenne er von den Berufskollegen am Bodensee. Doch nicht immer beobachte man die „Obstklauer“ auf frischer Tat. Manche Landwirte überwachten deshalb mit Video, mit einem Schild, dass der Bereich videoüberwacht wird, als Hinweis. „Wir konnten so schon öfter Personen ermitteln, die geklaut haben“, sagt Stieg.
Bäume mit einem gelben Band
Doch müssen die Bauern ihre Standorte sichern? Am selben Wochenende wurde auch beobachtet, dass mit Teleskop-Apfelpflücker, Leiter und Körben Äpfel von den Bäumen mit einem gelben Band geerntet wurden. Das wurde verwundert betrachtet, aber nicht der Polizei gemeldet, denn das Ernten der Äpfel von solchen Bäumen ist erlaubt. Für den Eigenbedarf.
Appell an die Vernunft
Meist gehören die Bäume der Gemeinde. „Wenn manche körbeweise ernten, um Saft herzustellen, ist auch nichts dagegen zu sagen“, sagt Bürgermeister Ulm und appelliert damit zugleich an die Vernunft der Menschen.
Sicher werde es auch Personen geben, die ohne Rücksicht auf Verluste etliche Bäume mit dem gelben Band leeren. Im großen Stil vom gelben Band ernten, definiert aber auch Zeiß nicht mehr als Eigenbedarf.
Eine Tasche füllen, um Kuchen zu backen, sei etwas anderes. Dafür sei das gelbe Band gedacht, für das Ernten der Äpfel, bevor sie auf den Boden fallen und faulen. Polizeichef Stieg vergleicht das mit dem Pilze sammeln im Wald: „Man soll auch nicht mit dem Leiterwagen zum Pilzesammeln gehen.“
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