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Wetter-Mythen, Teil 7
Prognostiziert frühe Laubverfärbung einen Kälteeinbruch?
Der Abbau des grünen Chlorophylls gibt den Blättern gelbliche bis rötliche Farbtöne.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Abbau des grünen Chlorophylls gibt den Blättern gelbliche bis rötliche Farbtöne. // Christian König
LKR Forchheim – Was ist dran an der These, dass frühe Laubverfärbung auf einen bevorstehenden Kälteeinbruch hinweist? Und wissen Bäume, dass ein harter Winter kommt? Meteorologe Christian König aus Ebermannstadt klärt auf.

Die heißen Sommertage sind so gut wie vorbei. Zumindest rein meteorologisch hat der Herbst mit dem 1. September begonnen. Dass es allerdings rasant in die Übergangsjahreszeit geht, spüren wir fast wöchentlich an den kühler und länger werdenden Nächten.

Aufmerksame Naturbeobachter stellen dieser Tage fest, dass immer mehr Bäume erstaunlich fortgeschrittene Laubverfärbungen aufweisen. Besonders die Linden und Obstbäume, aber auch Haselnusssträucher und die eher selten gewordenen Ulmen.

Nach diesem wachstumsfreundlichen, bis auf den August oft launischen Sommer würde man erwarten, dass die Natur auch noch im Spätsommer ein überwiegend sattgrünes Bild abgibt. Woher also die doch relativ früh beginnende Laubverfärbung bei immer mehr Bäumen?

Prägender Einfluss: die Tageslänge 

Das Phänomen hat zur Abwechslung mal nicht unmittelbar mit dem Wetter zu tun. Unsere Pflanzen sind durch zwei Treiber übers Jahr hinweg gesteuert: Es handelt sich um den prägenden Einfluss von Lichtzufuhr – also der jeweiligen Tageslänge – und um das Wärmeangebot. Beide Faktoren steuern je nach Pflanzenart den Zeitpunkt des Erwachens nach dem Winter mit nachfolgender Wachstums- und Reifephase über die Vegetationszeit hinweg bis in den September hinein.

Wie wir alle am eigenen Leib erfahren haben, sind durchaus auch in den September hinein sommerliche Zugaben möglich. Unvermeidlich ist aber der astronomische Einfluss, dass gerade im September die Abnahme der Tageslänge drastisch verläuft. Runde zwei Stunden ist der Tag Ende September kürzer als noch zu Monatsbeginn.

Das macht sich natürlich bei der Zufuhr von wertvoller Sonnenstrahlung massiv bemerkbar. Egal ob es bewölkt, verregnet oder strahlend sonnig ist – Morgengrauen und Abenddämmerung rücken immer näher zusammen im Tagesgang.

Für Laubbäume perfekt gepasst

Hinzu kommt, dass eigentlich in diesem oft als durchwachsen empfundenen Sommer für die Laubbäume vieles perfekt gepasst hat: Es gab bis auf die letzten drei Augustwochen immer ausreichend Wasser im Wurzelbereich, eingeschobene sonnige, nicht überhitzte Phasen haben die Photosynthese über die Blätter regelmäßig angekurbelt, und so konnten die Bäume eifrig Vorrat in Form von Zuckerlösungen produzieren.

Dennoch scheint es so, dass getriggert durch die deutlich abnehmende Tageslänge in manchen Baumarten das Signal gegeben wurde, die Saison abzuschließen und die Vorräte in die Wurzeln abzutransportieren. Dies geschieht durch Abbau des grünen Chlorophylls in den Blättern, sodass die gelblichen bis rötlichen Farbtöne als Laubverfärbung sichtbar werden.

Bäume ahnen nichts voraus

Parallel dazu wird die Zuckerlösung in den Wurzeln in lagerfähige Stärke umgewandelt, um so möglichst gut über den Winter ins nächste Frühjahr zu kommen. Abgeschlossen wird der Prozess durch Wasserentzug, damit sich der geschrumpfte Blattstiel und damit das Blatt vom Ast lösen kann.

Es ist also keinesfalls so, dass die verfärbenden Bäume quasi vorausahnen können, dass sich bald ein massiver Kälte- oder vielleicht sogar Frosteinbruch noch im September anbahnt – selbst wenn nun tatsächlich ein herbstlich abgekühlter Witterungsabschnitt ins Haus steht.

Über die lange Zeit der Evolution hinweg entstand aber sehr wohl ein positiver Nebeneffekt: Blieben zu viele Blätter mit den angesammelten Vorräten bis zu einem möglichen Frosteinbruch am Baum, würden die erfrorenen grünen Blätter auf dem Boden landen und nicht im Vorratskeller der Wurzeln fürs nächste Frühjahr.

Vorsicht mit Botschaften

Wie wir sehen, hat alles sein Gutes und ist von der Natur sinnvoll eingesteuert – Witterungsverlauf hin oder her. Wir Menschen neigen allerdings oft dazu, mehr Botschaften für die Zukunft aus unserer Umgebung herauslesen zu können, als dann letzten Endes in der Realität eintreffen. So ist man auf der sicheren Seite, manchem aus dem Volksmund mit einem gewissen Augenzwinkern zu begegnen.

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